Esperanto in Europa 

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Internationaler Esperanto-Kongress in Straßburg

21.03.2010

Der Verein EsperantoLand plant einen Internationalen Esperanto-Kongress in Straßburg, vom 6. bis 13. August 2010. Der Kongress wird die Esperanto-Sprachgemeinschaft und die Esperanto-Förderung behandeln; weiterhin wird es auch Vorträge und andere Angebote in Esperanto zu verschiedenen Themen sowie ein Rahmenprogramm geben. Einige Teilnehmer haben sich schon angemeldet.

Der Kongress findet in einem Hotel am Rande der Innenstadt von Straßburg statt. Die geschichtsträchtige Stadt Straßburg hat einen besonderen Reiz und lädt zu Spaziergängen und Ausflügen während der sommerlichen Tage des Kongresses ein. Hier sind weitere Informationen (in Esperanto).

 

Schweizer Volkszählung: Esperanto als "Hauptsprache" vorgesehen

05.03.2010

Der Fragebogen zur Schweizer Volkszählung ermittelt u.a. die Sprache, die der oder die Befragte am besten beherrscht. Wie dem Blatt "Hauptsprache 2010" des Schweizer Bundesamts für Statistik zu entnehmen ist, ist hierbei zukünftig auch die Angabe von Esperanto vorgesehen. Laut Kopie des Blattes bei Google trägt Esperanto die Code-Nr. 30101.

Voraussichtlich werden nur wenige Schweizer angeben, dass Esperanto diejenige Sprache ist, "in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen" (so die Formulierung im Volkszählungsbogen 2000); allerdings dürfte dies für einige internationale Paare zutreffen, die sich seit Jahrzehnten in Esperanto unterhalten. Ob diese zu erfassen sind, wenn zukünftig die Volkszählung nicht mehr als Vollerhebung, sondern nur noch mit Stichproben von bis zu 40 000 Teilnehmern durchgeführt wird, bleibt abzuwarten.

Bedauerlich ist, dass bei der Frage "Welche Sprachen sprechen Sie regelmäßig?" zumindest bei der Volkszählung 2000 keine Möglichkeit bestand, Esperanto anzugeben; man konnte nur "andere Sprachen" ankreuzen. Anscheinend gibt es damit weiterhin in Europa nur die Volkszählungen 2001 in Litauen und Ungarn, bei denen Esperanto-Sprachkenntnisse ermittelt wurden. (Hierbei ergaben sich etwa 850 Litauer und 4500 Ungarn, die Esperanto sprechen, vgl. die Nachricht hierzu.)

 

180 Esperantosprecher in Saarbrücken

12.12.2009

Insgesamt etwa 180 Teilnehmer aus einem Dutzend Ländern werden über Silvester in Saarbrücken erwartet, um am achten Neujahrstreffen des Vereins EsperantoLand teilzunehmen. Für Jugendliche und junge Erwachsene wird ein besonderes Programm als "Internationale Neujahrswoche" angeboten. Gemeinsame Sprache der Veranstaltungen vom 27. Dezember 2009 bis zum 3. Januar 2010 ist Esperanto, das die meisten Gäste seit vielen Jahren sprechen. Es finden auch Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene statt.

Der Veranstalter EsperantoLand e. V. mit Sitz in Berlin organisiert außer dem Neujahrstreffen und der Neujahrswoche auch ein jährliches Esperanto-Sommertreffen und betreibt einen Buchversand sowie Internetseiten zu Esperanto.

Internationale Sprache Esperanto

Esperanto ist eine internationale, geplante Sprache, die vor etwa 120 Jahren von Ludwig Zamenhof in Polen entwickelt wurde. Ihre Wortwurzeln entstammen vor allem den romanischen und germanischen Sprachen. Die Grammatik ist einfach und regelmäßig, so dass Esperanto in etwa einem Drittel der Zeit erlernt werden kann, die man für andere Sprachen braucht; in der Regel reichen drei Wochenendkurse als Basis, um an internationalen Veranstaltungen teilzunehmen. Heute gibt es Esperantosprecher in über hundert Ländern weltweit.

Esperanto wird vor allem in der Freizeit und in den Ferien verwendet; es gibt Bücher und Musik in Esperanto sowie einige Millionen Internetseiten in dieser völkerverbindenden Sprache. In der Wikipedia steht Esperanto mit derzeit 122.000 Artikeln auf Rang 21 der verschiedenen Sprachversionen.

Vorträge, Ausflüge und Plaudern

Bei den beiden Veranstaltungen, "Novjara Renkontiĝo" und "Novjara Internacia Semajno", werden Vorträge und Kurse zu verschiedenen Themen angeboten - etwa über nachhaltige Entwicklung, die chinesische Geschichte oder Computer-Ausdrücke in Esperanto. Außerdem gibt es Ausflüge und Spaziergänge in die Innenstadt und in die Umgebung. Zwischendurch und am Abend trifft man sich im „Kafejo“ zum gemütlichen Plaudern in internationaler Runde. Im Abendprogramm finden sich u.a. ein Theaterstück und zwei Konzerte in Esperanto.

Kinderprogramm und Esperanto-Muttersprachler

Das Programm für die etwa fünfzig teilnehmenden Kinder steht unter dem Thema "Ne nur la mondo estas ronda" (nicht nur die Welt ist rund). Etwa die Hälfte der Kinder lernt Esperanto zu Hause als Muttersprache - in Familien, deren Ehepartner seit vielen Jahren Esperanto sprechen und international anwenden.

Esperanto-Silvestertreffen auch in Nördlingen sowie in Zakopane in Polen

Esperanto-Silvestertreffen haben in Deutschland eine Tradition seit 1957. Damals wurde das „Internacia Seminario“ der Esperanto-Jugend begründet. In diesem Jahr findet es gemeinsam mit der polnischen Esperanto-Jugend in Zakopane in Polen statt; erwartet werden über 250 Gästen aus fast dreißig Ländern. Zu dem vor zwei Jahrzehnten gegründeten „Internacia Festivalo“ über Silvester in Nördlingen werden etwa 130 Teilnehmer aus zwanzig Ländern erwartet.

Wachstum der Esperanto-Treffen

Mit den Veranstaltungen über Ostern und im Sommer konnten die einwöchigen Esperanto-Treffen in Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten im Schnitt ein jährliches Wachstum von über fünf Prozent verzeichnen - von etwa 100 Teilnehmern jährlich auf heute ungefähr 700 Gäste der verschiedenen Veranstaltungen.

 

Bundeswettbewerb Fremdsprachen lässt Esperanto nicht zu

12.11.2009

( en Esperanto)

( bei Demokratie-Spiegel.de)

Esperanto ist bei dem "Bundeswettbewerb Fremdsprachen" nicht zugelassen. Dies teilte die in Bonn ansässige Geschäftsstelle des Wettbewerbs mit. Der Ausschluss von Esperanto widerspricht den im Internet veröffentlichten Teilnahmebedingungen, nach denen z.B. am Kurzgeschichtenwettbewerb (EW Kreativ) "Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 - 10 mit einer selbst verfassten Geschichte in einer Fremdsprache ihrer Wahl teilnehmen" können. Die Anmeldefrist für diesen Einzelwettbewerb endet am 6. Dezember 2009.

Der Bundeswettbewerb Fremdsprachen ist ein Projekt von Bildung und Begabung e.V., der "Initiative des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft zur Begabungs- und Begabtenförderung". Die Projekte des Vereins werden laut Eigenangabe "überwiegend durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft finanziert".

Ablehnungsbeschluss des Wettbewerbs-Beirats

Der Leiter der Wettbewerbsgeschäftsstelle, Bernhard Sicking, erläuterte die Entscheidung am Montag gegenüber dem Vorsitzenden des Berliner Vereins EsperantoLand e.V., Louis v. Wunsch-Rolshoven: Die Ablehnung von Esperanto beruht auf einem Beschluss des Beirats des Wettbewerbs, "Kunstsprachen" nicht zuzulassen. Eine nähere Begründung hierzu wurde nicht gegeben. (In der Literatur zu Esperanto wird von "Plansprachen" gesprochen, da Esperanto eine aus den nationalen Sprachen geplant entwickelte Sprache ist.)

"Le Monde Diplomatique" in Esperanto

Der Verein EsperantoLand hat der Geschäftsstelle des Wettbewerbs eine Bitte um Änderung des Beschlusses und Zulassung von Esperanto zugesandt. Hierbei wurde darauf verwiesen, dass Esperanto dem internationalen kulturellen Austausch dient, entsprechend den Zielen des Sprachenwettbewerbs. Außerdem wurde die heutige Situation des Esperanto dargestellt - unter Verweis z.B. auf die esperantosprachigen Seiten der Wikipedia, der chinesischen Regierung und der Zeitung Le Monde Diplomatique.

Esperanto war in Deutschland zweimal verboten

Es wurde auch nach den Gründen für den Ausschluss von Esperanto gefragt, unter Hinweis darauf, dass Esperanto in Deutschland zweimal unterdrückt und verboten war - zunächst in Nazi-Deutschland von 1933 bis 1945, dann in der DDR von 1949 bis in die sechziger Jahre hinein. Hitler hatte sich schon in den zwanziger Jahren in "Mein Kampf" gegen das Esperanto gewandt, das 1887 von dem polnisch-jüdischen Augenarzt Ludwig Zamenhof vorgestellt wurde.

Diskriminierung gegen Schüler, die Esperanto lernen?

Weiterhin heißt es in dem Schreiben an den Fremdsprachenwettbewerb: "Ich bitte auch zu prüfen, ob und inwieweit Schüler, die Esperanto gelernt haben und mit dieser Sprache am Wettbewerb teilnehmen möchten, durch eine Ablehnung gegenüber anderen Schülern diskriminiert werden."

Von der Kultusministerkonferenz anerkannt

Seit den fünfziger Jahren ist Esperanto in der Bundesrepublik Deutschland von der Kultusministerkonferenz als Schulsprache anerkannt; es wird auch an einigen Universitäten gelehrt und erforscht. In Ungarn werden jährlich etwa 5000 offizielle Prüfungen in Esperanto abgelegt.

Die Mauer um den Fremdsprachenwettbewerb muss fallen!

Das Schreiben endet mit den Worten: "Die Berliner Mauer ist vor zwanzig Jahren gefallen. Es ist an der Zeit, dass nunmehr auch die Mauer fällt, die der Bundeswettbewerb Fremdsprachen vor dreißig Jahren gegen Esperanto errichtet hat."

 

Esperanto bei der Expolingua Berlin

08.10.2009

Auch in diesem Jahr wird Esperanto bei der Expolingua Berlin (20. - 22. November) mit einem Stand vertreten sein. Vorgestellt wird die Sprache selbst sowie Organisationen wie Esperanto-Liga Berlin, Deutscher Esperanto-Bund, Deutsche Esperanto-Jugend und EsperantoLand. Auch über die vielfältigen Möglichkeiten im Internet - von lernu.net für Sprachanfänger bis zur Esperanto-Version der Wikipedia - kann man sich am Stand informieren.

Schwerpunkt: Dolmetschen und Übersetzen

Die diesjährige Expolingua findet wieder im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin-Mitte statt. Schwerpunkt sind in diesem Jahr Sprachenberufe im Bereich von Dolmetschen und Übersetzen.

Aussteller aus 30 Ländern

Insgesamt stellen bei der Expolingua etwa 200 Aussteller aus 30 Ländern aus. Die Messe richtet sich vor allem an Schüler, Studenten, Auszubildende und Berufstätige mit Interesse an sprachlicher Weiterbildung. Auch Lehrer und Dozenten nutzen die Messe zur eingehenden Information über den Sprachenmarkt.

EU-Kommissar Leonard Orban als Schirmherr

Schirmherr der Ausstellung ist Leonard Orban, EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, der sich - wie von Esperanto-Seite bedauert - in seinem Forum gegen Esperanto gewandt hat; er schreibt u.a., er "halte nicht viel von einer Lingua franca, sei es nun Esperanto, Latein oder ... Englisch". Dabei wird Esperanto von den allermeisten Esperantosprechern nicht als alleinige lingua franca, sondern - zumindest für die nächsten Jahrzehnte - als eine ergänzende Sprache in der EU vorgeschlagen.

Andererseits wurde es von mehreren Esperanto-Organisationen sehr begrüßt, dass in einzelnen EU-Programmen für förderungswürdige Projekte nunmehr alle Sprachen zugelassen sind und dabei gelegentlich auch Esperanto berücksichtigt wurde. In der 2005 von der EU-Kommission beschlossenen "Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit" konnte man hingegen noch lesen, dass "die Kommission die Verwendung künstlicher Sprachen" nicht fördere, da diese "per definitionem keine kulturellen Bezüge haben".

 

Wieviele Menschen sprechen Esperanto?

16.05.2009

Lange Zeit war diese Frage nur schwierig und mit großen Unsicherheiten zu beantworten. Vor ein paar Jahren gab es jedoch in Litauen und Ungarn Volkszählungen, bei denen auch nach Sprachkenntnissen gefragt wurde.

Esperanto-Kenntnisse in der EU und weltweit

Wenn man die Ergebnisse auf die Europäische Union hochrechnet, kommt man auf etwa 80.000 bis 150.000 Personen in der EU, die Esperanto sprechen. Für die gesamte Welt ergibt sich ungefähr das Doppelte, etwa 160.000 bis 300.000 Esperantosprecher. Für die Hochrechnung wurde die Verteilung der Mitglieder des Esperanto-Weltbunds auf die einzelnen Länder zugrunde gelegt. Die geringere Zahl ergibt sich aus der litauischen Volkszählung, die höhere aus der ungarischen.

Die angegebenen Zahlen sind eine Schätzung für diejenigen Personen, die bei einer Volkszählungs-Frage nach ihren Sprachkenntnissen auch Esperanto nennen, das sie "sprechen und/oder schreiben" können (so die Formulierung für Sprachkenntnisse in Litauen). Personen, die Jahrzehnte vorher Esperanto gelernt und gesprochen haben, es aber heute nicht mehr anwenden, werden vermutlich nur selten angeben, das sie Esperanto sprechen und schreiben.

200.000 oder 2 Millionen?

Es ist gut denkbar, dass weltweit 100.000 bis 200.000 Menschen Esperanto fließend und regelmäßig sprechen - während es vielleicht zehnmal so viele Menschen gibt, die Esperanto teilweise vor vielen Jahren oder Jahrzehnten zuletzt benutzt haben und die es eher zögerlich sprechen. Sidney S. Culbert hatte um 1988 die Größe dieser zweiten Gruppe auf der Grundlage von regionalen Erhebungen auf zwei Millionen geschätzt; seine Angaben sind u.a. in "The World Almanac" und auf ethnologue.com übernommen worden.

4565 Esperantosprecher in Ungarn

Bei der Volkszählung 2001 haben in Ungarn 4565 Personen Esperanto als Fremdsprache angegeben. Damit lag Esperanto auf Platz 18 aller Fremdsprachen, die in Ungarn beherrscht werden. Vergleicht man nur mit den 23 offiziellen EU-Sprachen, so landet Esperanto auf Platz 12 - hinter Polnisch und Tschechisch (8626 bzw. 4702), aber z.B. vor den skandinavischen Sprachen (insgesamt 4502), Griechisch (3238), Bulgarisch (2214) oder Portugiesisch (1681). Die drei baltischen Sprachen (Estnisch, Lettisch und Litauisch) werden von insgesamt 153 Personen gesprochen. Unter 100.000 Ungarn haben etwa 45 Personen Sprachkenntnisse in Esperanto angegeben.

Laut den Ergebnissen der Volkszählung ist Deutsch die am meisten beherrschte Fremdsprache in Ungarn mit 1.007.012 Personen. Englisch liegt mit 997.908 Personen etwa gleich. Es folgen Ungarisch (bei Minderheiten, 630.849), Russisch (194.449) und Französisch (115.881). Insgesamt wurden in Ungarn 10.198.315 Einwohner gezählt.

Platz 16 für Esperanto in Litauen

2001 haben in Litauen 844 Personen angegeben, Esperanto sprechen und/oder schreiben zu können. Esperanto liegt damit auf Platz 16 der Fremdsprachen; berücksichtigt man nur die 23 offiziellen EU-Sprachen, nimmt Esperanto auch in Litauen Platz 12 ein. Kurz vor Esperanto liegen Tschechisch (947) und Dänisch (858). Dahinter liegen z.B. Norwegisch (662), Estnisch (508), Finnisch (381), Portugiesisch (281), Ungarisch (246) und Rumänisch (166). Unter 100.000 Litauern haben etwa 24 Personen Sprachkenntnisse in Esperanto angegeben.

Litauen gehörte bis 1991 zur Sowjetunion. So überrascht es nicht, dass die Hälfte der Bevölkerung Russisch beherrscht, 2.099.928 Personen. Danach folgen Englisch (589.553), Litauisch (bei nationalen Minderheiten, 355.846), Polnisch (307.678), Deutsch (284.896) und Französisch (67.520). Insgesamt wurden in Litauen 3.483.972 Personen gezählt.

Kommunikation zwischen Ungarn und Litauen

Anhand der Zahlen kann man sich die Frage stellen, wie sich Litauer und Ungarn unterhalten können. 246 Litauer sprechen Ungarisch und können direkt mit Ungarn sprechen. Umgekehrt spricht eine nicht genau bekannte Anzahl von ungarischen Bürgern Litauisch; da für baltische Sprachen insgesamt 153 Sprecher angegeben wurden, dürfte diese Zahl in der Größenordnung von 100 Personen liegen.

Wer nicht zu diesen Sprachkundigen gehört - und auch nicht das Glück hat, dass der Gesprächspartner die eigene Sprache gelernt hat - kann vielleicht auf eine der international benutzten Verkehrssprachen vertrauen. So können z.B. 60 % der Litauer mit 2 % der Ungarn auf Russisch sprechen, 17 % der Litauer können sich mit 10 % der Ungarn auf Englisch verständigen und 8 % der Litauer, die Deutsch sprechen, finden in Ungarn bei 10 % der Bevölkerung einen Gesprächspartner. Mit Französisch ist es schon schwieriger - nur 2 % der Litauer sprechen es und nur 1 % der Ungarn; Spanisch wird in beiden Ländern von weniger als einem viertel Prozent der Bevölkerung gesprochen. Es liegt nahe, anzunehmen, dass die Kommunikation der beiden Länder in starkem Maße Englisch benutzt und in etwas geringerem Maße Deutsch.

EU-Mehrsprachigkeitskommissar Orban gegen Lingua franca

Was dürfte Leonard Orban, Kommissar für Mehrsprachigkeit der Europäischen Union, zu diesen Zahlen sagen? Er propagiert das Lernen fremder Sprachen, spricht sich aber vehement gegen eine EU-Verkehrssprache aus. So ist in seinem Forum zur Mehrsprachigkeit zu lesen, er "halte nicht viel von einer Lingua franca, sei es nun Esperanto, Latein oder … Englisch".

Es scheint, dass das Engagement von Herrn Orban gegen eine Lingua franca bei den Bürgern keine rechte Aussicht auf Erfolg hat: Wer fremde Sprachen lernt, der wählt in erster Linie solche, die er international als Verkehrssprache benutzen kann; außerdem werden häufig Nachbarsprachen gelernt, wie die beiden Statistiken zeigen. Auch in den EU-Institutionen wie z.B. der Kommission ist im übrigen das Englische de facto die am meisten genutzte lingua franca - unabhängig von der Meinung von Herrn Orban.

Esperantosprecher: Im Schnitt 3,3 Fremdsprachen

Esperanto wird von den meisten seiner Sprecher als ergänzende Sprache gelernt; es erstaunt sicher nicht, dass nach Statistiken aus mehreren Ländern die Esperantosprecher im Schnitt mehr als drei Fremdsprachen sprechen - also neben Esperanto noch etwa zwei Verkehrssprachen oder Nachbarsprachen. Nach einer Statistik des finnischen Erziehungsministeriums sprachen schon 1983 nur 14 % der befragten Esperantosprecher außer Esperanto keine weitere Fremdsprache. Vermutlich ist seither die Kenntnis von Fremdsprachen eher angestiegen.

Häufig interessieren sich für Esperanto Menschen, die schon eine oder zwei Fremdsprachen gut sprechen. Außerdem beflügelt Esperanto durch die vielen internationalen Kontakte das Erlernen weiterer Sprachen. Es ist daher keine wirkliche Überraschung, dass die Esperantosprecher mit durchschnittlich 3,3 Fremdsprachen wohl die einzige Sprachgemeinschaft darstellen, die das erklärte EU-Ziel, jeder solle zwei Fremdsprachen beherrschen, zumindest im Schnitt seit langem deutlich übererfüllt haben.

Keine vergleichbaren Zahlen für andere Länder

Interessant wäre es, entsprechendes Material auch für andere Länder zu erhalten. Anscheinend taucht Esperanto außer in den genannten Ländern nur noch in der Volkszählung 2006 in Neuseeland auf. Dort wurden 123 Personen als Esperantosprecher gezählt - es ist allerdings zu berücksichtigen, dass die entsprechende Frage nicht nach Muttersprache und Fremdsprache unterschied. Deshalb haben vermutlich viele Befragte neben ihrer Muttersprache kaum Fremdsprachen genannt.

Denkbar ist, dass auch in anderen Ländern nach Fremdsprachen gefragt wurde, aber die Antworten zu Esperanto nicht veröffentlicht wurden; auch die Ergebnisse der litauischen Volkszählung zu Sprachenkenntnissen sind nur auszugsweise im Internet veröffentlicht.

Dem Statistischen Bundesamt liegen keine entsprechenden Daten für die Sprachkenntnisse der deutschen Bevölkerung vor. Auch eine Anfrage bei Roger Nunn, Pressereferent beim EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, ergab keine weiteren Informationen über die Esperanto-Kenntnisse der EU-Bürger.

Andere Statistiken zu Sprachen

Die Daten der beiden Volkszählungen in EU-Ländern vergleichen Esperanto mit anderen Fremdsprachen, also gelernten Sprachen. Es ergibt sich dadurch eine etwas günstigere Position für Esperanto als bei anderen statistischen Vergleichen, etwa zur Größe der Wikipedia, zu ihrer Nutzung oder zu den Sprachen im Internet insgesamt. Bei diesen wird die Nutzung durch Muttersprachler und Lerner zusammengezählt - und daher liegt Esperanto etwas weiter hinten, weil es nur etwa 200 bis 2000 Esperanto-Muttersprachler gibt, weniger als 1 % der Esperantosprecher.

Esperanto-Wikipedia

Derzeit hat Esperanto mit etwa 110.000 Artikeln Platz 22 im Vergleich mit den anderen Wikipedia-Versionen. Nach der Häufigkeit der Seitenaufrufe liegt Esperanto etwas ungünstiger, auf Platz 35. (Der Überblick zeigt etwa Platz 50, da auch Projekte wie Wikimedia aufgelistet werden.)

Esperanto-Texte im Internet

Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2000 von Gregory Grefenstette und Julien Nioche lag Esperanto damals im Internet nach der Textmenge auf Platz 27 der Sprachen mit lateinischer Schrift; im Vergleich mit allen Sprachen dürfte das etwa Platz 40 entsprechen.

Beeindruckender Aufstieg von Esperanto

Gelegentlich wird Esperanto als ein erfolgloses Projekt angesehen - es habe sich nicht "durchgesetzt", wird gesagt. Betrachtet man die Position von Esperanto im Vergleich mit anderen Sprachen im Verlauf der 122 Jahre seit der Veröffentlichung des ersten Lehrbuchs 1887, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Damals gab es einen einzigen Esperantosprecher, den Autor der Sprache Ludwig Zamenhof, und Esperanto war damit die kleinste unter weltweit zu jener Zeit etwa 8000 Sprachen. Nur ein Jahrhundert später hat sich Esperanto - je nach Statistik - auf einen der vorderen fünfzig Plätze der Sprachen der Welt vorgearbeitet.

Einen vergleichbaren Aufstieg einer Sprache hat es in der Weltgeschichte vermutlich noch nicht gegeben. Das Englische besteht beispielsweise seit etwa 1500 Jahren; 1000 Jahre nach seiner Entstehung hatte es die britischen Inseln noch nicht verlassen.

Esperanto hat eine Eigenschaft, die es mit keiner anderen Sprache teilen muss: Es wurde und wird schon wegen seiner Idee an sich gelernt und wegen seines überragend einfachen Aufbaus. Die Tatsache, dass es heute in etwa 120 Ländern der Welt Esperantosprecher gibt, und die wachsende Verwendung der Sprache im Internet und in der Musik, bei internationalen Begegnungen und in außereuropäischen Ländern - das alles trägt zu seiner weiteren Verbreitung erheblich bei.

Louis F. v. Wunsch-Rolshoven, EsperantoLand


Der Artikel ist in Esperanto auch auf unseren esperantosprachigen Seiten und bei Libera Folio erschienen; dort mit Diskussion.

 

Deutsche Esperanto-Kongresse international

13.03.2009

In der Regel fahren zum Deutschen Esperanto-Kongress vor allem deutsche Teilnehmer. Die nächsten beiden Male wird das anders sein: Über Pfingsten 2009 findet in Herzberg ein Europäischer Esperanto-Kongress statt. Angemeldet sind derzeit 190 Teilnehmer aus 23 Ländern.

Der Kongress 2010 wird gemeinsam mit dem französischen Verband in Kaiserslautern veranstaltet, wie der Vorsitzende des Deuschen Esperanto-Bundes, Dr. Rudolf Fischer, berichtet.

 

Vorschlag "Esperanto" bei den Europäischen Bürgerkonferenzen

05.03.2009

Bei den "Europäischen Bürgerkonferenzen" werden Ende März Vorschläge zur wirtschaftlichen und sozialen Zukunft Europas diskutiert. Derzeit liegt der Vorschlag "Sprachliche Gleichberechtigung, Schutz von Minderheitensprachen, Esperanto" mit 215 Stimmen an der Spitze der in Deutschland eingegangenen Vorschläge.

Noch bis zum 27. März kann man abstimmen, um die eigenen Vorstellungen auf die Tagesordnung der Bürgerkonferenzen zu bringen.

Die "Europäischen Bürgerkonferenzen" sollen die Teilnahme der Bürger am Entscheidungsprozess der EU verstärken. Seit Dezember können Vorschläge eingebracht und zur Diskussion gestellt werden. In jedem EU-Land werden die zehn Vorschläge mit den meisten Stimmen im März in nationalen Konferenzen diskutiert und es werden Empfehlungen erarbeitet. Nach weiterer Diskussion und Abstimmung wird im Mai in Brüssel ein "Europäischer Bürgergipfel" stattfinden.

 

Schweizer Kantonsparlament erbittet Unterstützung für Esperanto

19.02.2009

Das Kantonsparlament von Neuchâtel (Neuenburg) in der Schweiz - der sogenannte Große Rat - hat in einem Beschluss die Kantonsregierung gebeten, Möglichkeiten zu untersuchen, wie die Tätigkeit der Esperantosprecher im Kanton unterstützt werden kann. Die Entschließung erwähnt die internationale Bekanntheit des Esperanto-Zentrums in La-Chaux-de-Fonds und des dortigen Dokumentations- und Studienzentrums der internationalen Sprache.

Dies berichtet das regionale Radio RTN in einem Beitrag über die Beschlüsse des Großen Rats von Neuchâtel (französischer Originaltext des Beschlusses).

Die Beschlussvorlage von Alain Bringolf (Partei der Arbeit), die von 27 Abgeordneten unterzeichnet wurde, hat der Große Rat mit 60 Stimmen gegen 41 angenommen. Die weitere Behandlung der Initiative liegt nun in den Händen von Sylvie Perrinjaquet von der Freisinnig-Demokratischen Partei (Liberale) und der von ihr geleiteten Abteilung für Erziehung, Kultur und Sport des Staatsrats von Neuchâtel.

 

Politische Vereinigung für Esperanto

27.10.2008

Ende Juli hat sich in Wiesbaden der deutsche Zweig einer politischen Vereinigung "Europa Demokratie Esperanto" (EDE) als Verein gegründet. Die Vereinigung hat eine Kandidatenliste aufgestellt; sie beabsichtigt, an der Europawahl 2009 teilzunehmen. Spitzenkandidat ist Prof. Reinhard Selten, Nobelpreisträger für Wirtschaft 1994, der seit vielen Jahrzehnten Esperanto spricht.

Unterstützungsaufruf in "Esperanto aktuell"

In der im Oktober herausgekommenen Ausgabe 2008/5 der Zeitschrift "Esperanto aktuell" des Deutschen Esperanto-Bundes wird über den Verein berichtet; weiterhin wird in einer vierseitigen eingehefteten "Sonderveröffentlichung" ein Aufruf zur Unterstützung durch Unterschriften veröffentlicht; die Sonderveröffentlichung enthält auch in drei Exemplaren ein Formblatt für eine Unterstützungsunterschrift für den Wahlvorschlag (d.h. die - nicht beigefügte - Kandidatenliste). Der Redakteur von "Esperanto aktuell", Alfred Schubert, ist Vorstandsmitglied von EDE und an sechster Stelle auf der Kandidatenliste zu finden.

Im Aufruf des Vorsitzenden von EDE in Deutschland, Manuel Cebulla, ist zu lesen, mit einer Unterschrift stärke man "denjenigen aktiven Esperantisten den Rücken", die sich in den "etablierten Parteien" "bislang vergebens um die Aufnahme von Esperanto in deren politische Programme bemühen". Es wird nicht ausgeführt, in welchen Parteien solche Bemühungen bisher stattgefunden haben und in welcher Formulierung eine "Aufnahme von Esperanto" in politischen Programmen beabsichtigt war.

Resolution der Grünen, Anträge der Radikalen Partei

Auf seinen Internet-Seiten berichtet hingegen Dr. Ulrich Matthias, stellvertretender Vorsitzender von EDE in Deutschland und dritter auf der Kandidatenliste, dass die Europäischen Grünen 1999 in Paris eine Resolution zu Esperanto verabschiedet haben. Danach unterstützen die Grünen die Idee, im Europa-Parlament eine "Kommission zur Untersuchung möglicher Lösungen zum Schutz des sprachlichen Öko-Systems" einzurichten. Ziel sei eine "effiziente und demokratische Lösung", "einschließlich der Hypothese, Esperanto als europäische föderative Sprache anzunehmen". Laut U. Matthias unterstützt auch die italienische "Radikale Partei", die im Europa-Parlament vertreten ist, in gewissem Maße Esperanto, auch durch Anträge im Europa-Parlament.

Esperantosprachige Europaparlamentarierin

Ulrich Matthias erwähnt auch eine esperantosprachige Europa-Parlamentarierin, Malgorzata Handzlik, von der polnischen "Platforma Obywatelska" (Bürger-Plattform).

Hauptziel: "Wirkliche europäische Demokratie"

Laut Aufruf des deutschen EDE-Vorsitzenden Cebulla ist das Hauptziel, "die Grundlagen zu schaffen für eine wirkliche europäische Demokratie". Nach Auffassung der EDE ist diese "nur möglich, wenn sich die Bürger und ihre Volksvertreter über alle Grenzen hinweg verständigen können". Es folgt eine kategorische Feststellung: "Und das geht unserer Überzeugung nach nur mittels Esperanto." Das Ziel ist hochgesteckt: "Daher fordert EDE die Zulassung von Esperanto als Amtssprache und Verständigungssprache in den europäischen Institutionen und die europaweite Einführung von Esperanto als erste Fremdsprache in den Schulen."

Deutscher Esperanto-Bund: "Nicht ganz so radikal"

Andere Esperantosprecher sind deutlich zurückhaltender in ihren Zielen. Der Vorsitzende des Deutschen Esperanto-Bundes, Rudolf Fischer, erklärte vor kurzem zu EDE in einem Interview mit "Cicero": "Ich bin da nicht ganz so radikal, ich würde es schon für einen Durchbruch halten, wenn irgendeine internationale Organisation sagen würde, wir setzen das jetzt ein als Verständigungsmittel."

Rege Diskussion zur EDE

In einer Esperanto-Diskussionsliste wurde geäußert, es sei eine Illusion, die Ziele des Esperanto auf diese Weise erreichen zu können. Man würde außerdem riskieren, die Unterstützung anderer Parteien für die Ideale des Esperanto zu verlieren. Hierzu kamen zustimmende Beiträge. In anderen Kommentaren wurde die "politische Weisheit" des - etwas mageren - Programms angezweifelt; es wurde auch bemerkt, es sei nicht als serös anzusehen, wenn die europäische Verfassung nur im Hinblick auf sprachliche Diskriminierung kommentiert werde.

Esperanto als Wahlfach an Schulen und Universitäten

Der Vorsitzende des Vereins "EsperantoLand", Louis v. Wunsch-Rolshoven, schlug ein tiefer gestecktes politisches Ziel für die Esperantosprecher vor - wenn man denn politisch aktiv sein wolle: Man solle nicht fordern, dass Esperanto generelle erste Fremdsprache werde; es solle zunächst überhaupt als wählbare Fremdsprache in das Angebot der Schulen und Universitäten aufgenommen werden. Esperanto habe weltweit etwa das Verhältnis 1:1000 im Vergleich zum Englischen erreicht und breite sich weiter aus. Daher sei es auch angemessen, dass für Esperanto 1/1000, also 0,1 % der staatlichen Mittel aufgewendet werde, die für das Englische ausgegeben werden. Dies solle sowohl Unterricht an Schulen als auch Lehre und Forschung an Universitäten betreffen.

An Schulen umfasst der Englisch-Unterricht von der dritten bis zur zwölften Klasse derzeit in vielen Fällen 1000 oder gar 2000 Stunden. 0,1 % der Mittel könnte z. B. bedeuten, dass ein Prozent der Schüler, also jeder hundertste Schüler, Esperanto als Wahlfach im Gesamtumfang von hundert Stunden lernen kann.

[Esperanto aktuell u.a.]

 

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