Esperanto in Europa 

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Brief an Bundespräsident Gauck

05.03.2013

en Esperanto

Der Verein EsperantoLand hat an den Bundespräsidenten Joachim Gauck geschrieben, anlässlich von dessen Europa-Rede am 22. Februar. Gauck hatte ein "praktikables Englisch" für alle angeregt.

In dem Schreiben an Gauck wird u.a. die Frage gestellt, ob eine Konzentration auf das Englische ausreichen kann; so sei der deutsch-französische Dialog auf Englisch nur schwer vorstellbar.

Es sei zu überlegen, ob wirklich alle nach einer Façon glücklich werden sollen. Außerdem würden durch eine Konzentration auf das Englische Sprachaufenthalte im englischen Sprachraum gefördert, Kulturgüter wie Filme und Bücher kämen "vor allem aus dem englischen Sprachraum, weil sie dann leichter beurteilt, übersetzt und verstanden werden". Eine solche einseitige Ausrichtung der Sprachaufenthalte, der übersetzten Literatur und des Films diene dem europäischen kulturellen Austausch leider nicht.

Gauck hatte festgestellt, es gebe bisher „keine gemeinsame europäische Öffentlichkeit“. EsperantoLand stellt die Frage, ob es nicht Zeit sei, nach den Ursachen hierfür zu fragen - schließlich werde das Englische schon seit Jahrzehnten gefordert und gefördert. Mögliche Ursachen sieht der Verein EsperantoLand zum einen im hohen Aufwand, der für das Englische zu treiben sei - oft tausend Unterrichtsstunden oder mehr; Esperanto komme mit einem Drittel davon aus.

Zum anderen bedeute Esperanto eine stärkere Internationalität als das Englische, da man Esperanto in jedem europäischen Land lernen und sprechen könne.

Der Brief plädiert nicht für eine besondere Förderung des Esperanto, sondern bittet den Bundespräsidenten, sich für eine Gleichbehandlung des Esperanto mit anderen Sprachen einzusetzen.

Es gebe im übrigen kaum eine Gruppe in Europa, die mehr Erfahrung mit europäischer Verständigung habe und mehr Engagement für den Dialog zwischen den Bürgern verschiedener Staaten zeige als die Esperanto-Sprachgemeinschaft. "Völkerverständigung ist unser Anliegen seit der Veröffentlichung von Esperanto 1887 – sich verständigen und sich verstehen, über Grenzen hinweg, europaweit und weltweit."

 

Esperanto zum Welttag des Radios

09.02.2013

Am Dienstag, 12. Februar 2013, um 18.30 Uhr, bietet der Verein "EsperantoLand" in Berlin eine Veranstaltung zum Thema "Esperanto und Radio" an. Anlass ist der Unesco-Welttag des Radios am 13. Februar. Der Welttag soll auf die Bedeutung dieses immer noch wichtigen Mediums aufmerksam machen.

Vortragender: Roland Schnell
Ort: Kaffeehaus im Museum für Kommunikation, Leipziger Str. 16, 10117 Berlin (Mitte). Stadtplan

Auf die Veranstaltung wird von Gratis in Berlin hingewiesen. Und auch bei Facebook!

An dem Abend werden Beispiele aus der 90-jährigen Geschichte des Esperanto-Rundfunks und Mitschnitte aus den verschiedenen Epochen präsentiert.

Schon 1924 gab es Sendungen in Esperanto


Beim Radio war Esperanto von Anfang an dabei. Schon 1924 wurden vom VOX-Haus am Potsdamer Platz die ersten Sendungen in Esperanto auf Langwelle ausgestrahlt. Bis 1933 hatten Esperanto-Sendungen einen festen Platz in den Programmen vieler Sender in Deutschland.

Esperanto-Radio heute


Heute sind es vor allem freie Radios, wie Radio Dreyeckland, die feste Sendeplätze für Esperanto habe und auf UKW senden. Über das Internet kann man heute Stationen aus der ganzen Welt als Livestream oder Podcast problemlos hören. Auf Kurzwelle senden noch der chinesische Rundfunk oder Radio Vatikan.

Zusammenarbeit mit der Unesco


Der Esperanto-Weltbund (Universala Esperanto Asocio, UEA) arbeitet seit 1954 als Nichtregierungsorganisation mit der UNESCO zusammen, die ihren Mitgliedsstaaten die Unterstützung von Esperanto empfiehlt.

Esperanto und andere Sprachen


Esperanto nimmt heute bei den Sprachen von Wkipedia den 30. Rang ein und liegt vor Nationalsprachen wie Dänisch, Litauisch oder Bulgarisch.

Mehr Informationen über Esperanto im Radio bei Esperanto in Berlin und Brandenburg

 

Vierter Zamenhof-Brunch in Berlin

18.12.2012

en Esperanto

Am Sonntag, 9. Dezember, waren insgesamt 33 Teilnehmer bei deinem gemeinsamen Brunch im Café "Al Hamra" im Berliner Viertel "Prenzlauer Berg". Ein Dutzend der Gäste waren aus dem Ausland, auch ein Paar aus Finnland, das Berlin für einige Tage besuchte. Das Treffen ist auch offen für Freunde und Familienangehörige, die kein Esperanto sprechen.

In einer angenehmen internationalen Atmosphäre konnte man das reichliche Frühstücksbuffet des Café-Restaurants genießen. Das Treffen dauerte von zehn Uhr vormittags bis vier Uhr nachmittags - einige kamen früher, andere später...

Der Zamenhof-Brunch ist eine Ergänzung zum traditionellen Zamenhof-Fest, das in diesem Jahr am 15. Dezember stattfand. Den Zamenhof-Brunch organisiert der Verein EsperantoLand, nun zum vierten Mal.

 

Virtuelle Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek

29.10.2012

Bis Anfang September war in München eine Ausstellung zu Esperanto und Volapük zu sehen: "Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Konstruierte Sprachen für die globalisierte Welt". Die parallele virtuelle Ausstellung ist weiterhin im Netz verfügbar.

Unter anderem kann man auch ein Interview mit Irmi und Reinhard Haupenthal ansehen, die ihre Plansprachensammlung der Staatsbibliothek geschenkt haben. Weiterhin gibt es eine 3-D-Animation zur Parkstadt "Esperanto", die ab 1912 in Gräfeling bei München geplant, aber nicht umgesetzt wurde.

 

Esperanto-Leben in Bayern wird umstrukturiert

22.10.2012

Die bayerischen Esperantosprecher erwägen, ihre Aktivitäten zukünftig in Form einer GbR zu organisieren; die Bayerische Esperanto-Liga (BELO) hat sich hingegen am 13. 10. aufgelöst. Die Aktivitäten der Ortsgruppen geht unverändert weiter.

Ein "Referendum zu einer Neuordnung des Esperanto-Lebens in Bayern" soll als Grundlage für die zukünftige Gestaltung dienen - der Text wird unten wiedergegeben. Auslöser für die Auflösung war wohl die Tatsache, dass sich keine Kandidaten für die Vorstandsposten fanden. Allerdings spielte wohl auch die Überlegung eine große Rolle, dass sich die bisherigen Funktionen des Landesverbands auch mit weniger Aufwand erreichen lassen.

Referendum
zu einer Neuordnung des Esperanto-Lebens in Bayern

Vorliegendes Thesenblatt ist das Ergebnis einer offenen Vorstandssitzung der Bayerischen Esperanto-Liga (BELO), durchgeführt am 2.6.2012 in Nürnberg. Die hier zusammengefasst vorgestellten Feststellungen und Ideen sind das Ergebnis gemeinsamer Überlegungen und beruhen auf der Meinung der Mehrheit aller Teilnehmer der Sitzung, namentlich:

für den kommissarisch amtierenden Vorstand:

Bernd Krause (1. Vorsitzender)

Steffi Tucker (2. Vorsitzende u. Protokollführung)

Pit Hauge (Schatzmeister)

Evi Geist (Beisitzerin)

sowie sieben Mitglieder [Namen hier entfernt]

Es muss jedoch angemerkt werden, dass in einzelnen Punkten abweichende Meinungen seitens eines oder mehrerer Teilnehmer bestehen, die hier jedoch nicht dokumentiert sind.

Ausgangslage:

- Auf der letzten ordentlichen Mitgliederversammlung von BELO in Pfaffenhofen, 21.4.2012, konnten aufgrund von Mangel an Bereitschaft zur Übernahme der neu zu besetzenden Posten im Vorstand keine Vorstandswahlen durchgeführt werden.

- Es ist niemand bereit, Verantwortung im Rahmen einer Tätigkeit im Vorstand von BELO zu übernehmen.

- Es fehlt an Nachwuchs bzw. die Gremien sind (personell) überaltert.

- Das eigentliche Esperanto-Leben spielt sich in den Ortsgruppen (und im Internet) ab.

- Veranstaltungen von BELO, auch die Mitgliederversammlungen, werden stets von Orts­gruppen organisiert.

- Die Arbeit des Vorstands von BELO beeinflusst Esperanto in Bayern wenig und beschränkt sich auf Vereinsangelegenheiten.

- Die Esperanto-Welt ist vielfältig, die Ziele der „esperantistoj“ sind ebenso vielfältig; jeder orientiert sich nach seinen eigenen Vorstellungen. Dem kann BELO in seiner jetzigen Form nicht gerecht werden.

Wünsche:

- Esperanto soll in Bayern weiter gepflegt werden.

- Der Zusammenhalt insgesamt, sowohl zwischen den Ortsgruppen als auch zwischen den einzelnen Anhängern von Esperanto, soll bewahrt bleiben.

- Nachwuchs muss angeworben werden.

- Internationale Kontakte sollen gepflegt werden.

[Weiteres Vorgehen]

Vor diesem Hintergrund soll nach dem Prinzip „bewährte Strukturen werden übernommen, unnütze Strukturen werden eliminiert“ folgendermaßen vorgegangen werden:

- BELO als Verein wird aufgelöst. Die Sicherstellung des vereinsrechtlich korrekten Vor­ge­hens obliegt dem kommissarisch amtierenden Vorstand.

- Die Internetpräsenz von BELO wird beibehalten, jedoch der neuen Situation angepasst.

Nach dem vorzeitigen Ausscheiden des bisherigen dritten Vorsitzenden von BELO Frank Kasper aus seinem Amt ist die BELO-Homepage zwecks Entlastung von Frank Kasper bereits mit Datum 6.7.2012 in den Besitz von Pit Hauge übergegangen, der auch bereit ist, die Seite zukünftig zu betreuen. Des Weiteren erklärte sich Alfred Schubert bereit, an der Gestaltung mitzuwirken.

- Bestandteil der Internetpräsenz wird ein Veranstaltungskalender sein.

- Das Konto von BELO wird aufgelöst. Um zu einer gerechten und sinnvollen Nutzung des Vermögens von BELO zu gelangen, werden die Ortsgruppenvorsitzenden über die Möglichkeit informiert, Gelder für Aktionen und Aktivitäten zu beantragen, die der Sache Esperanto dienen und mit dem Vereinszweck von BELO im Einklang stehen. Eine entsprechende Mail wurde am 18.8.2012 versandt.

- Über die Nutzung des verbleibenden Vermögens entscheidet die Mitgliederversammlung vor Abstimmung über die Auflösung von BELO. Das dann noch verbleibende Restvermögen fällt gemäß Satzung an den Deutschen Esperanto-Bund.

- Zur Durchführung der korrekten Abwicklung ist die Einsetzung eines Liquidators notwendig, hierzu wird Gerald Tucker vorgeschlagen.

- Die Mailadresse lokajgrupestrojesperanto-bayern.com bleibt erhalten und soll künftig als zentrales Verständigungsorgan zwischen den Ortsgruppen fungieren.

- Die Mailadresse estraroesperanto-bayern.de wird nach Abwicklung aller notwendigen Maßnahmen gelöscht.

(Anm.: Die Mailingliste bavaresperanto, die weiterhin als Kommunikations­mittel hätte benutzt werden können, wurde inzwischen wegen irreparabler Fehlfunktion durch Frank Kasper gelöscht.)

- Die Tradition des jährlichen Zamenhoffestes soll fortgeführt werden. Die Veranstal­tungen werden wie bisher von den Ortsgruppen ausgerichtet. Die Einladungen können zentral verschickt werden; ein Briefpostverwalter wäre erforderlich. Die Festlegung der Ausrichter wird mit Hilfe eines Staffelstabsystems geregelt. Initiator der Weitergabe soll dabei jeweils der Ausrichter des laufenden Jahres sein; dieser spricht in Eigenregie ein oder zwei andere Gruppen an und bittet sie um Übernahme des Staffelstabes. Sinnvoll wäre auch die Einrichtung von zwei parallelen Staffeln, einen für die ungeraden, einen für die geraden Jahre, was die Vorbereitungszeit verlängern würde und damit auch kleineren Gruppen oder Einzelpersonen die Möglichkeit böte, sich zu beteiligen.

- Neben den Zamenhoffesten können auch andere Veranstaltungen durchgeführt werden, um den Zusammenhalt zu stärken. Esperanto soll auf verschiedenen Ebenen präsent sein, um sich der Öffentlichkeit nicht zu entziehen.

- Zwecks Koordinierung überregionaler Aktivitäten und Versendung von Einladungen zu den Zamenhoffesten wird Pit Hauge als Koordinator eingesetzt. Dieser Koordinierungsstelle sind vor Auflösung von BELO entsprechende finanzielle Mittel zuzuweisen.

- Alle Entscheidungen, die den Fortbestand oder die Auflösung von BELO betreffen, haben keinerlei Auswirkungen auf die Ortsgruppen. Diese bleiben weiterhin selbstständige Vereine, Klubs oder lose Gruppierungen wie bisher. Eine Liste aller Ortsgruppen samt Ansprech­partnern muss weiterhin irgendwo im Internet verfügbar sein.

- Die Arbeitsgemeinschaft „Kultusministerium“ (KuMi) bleibt weiter bestehen. Darüber hinaus wird angestrebt, beim DEB die Einsetzung eines Länderbeauftragten zu erwirken, um den Zielen der AG KuMi mehr Nachdruck zu verleihen.

- Die Pflege internationaler Kontakte, insbesondere zu Partnerstädten, bleibt vorrangig Auf­gabe der Ortsgruppen.

Der neue Träger des Esperanto-Lebens in Bayern wird damit zukünftig die Eigeninitiative aller am weiteren Zusammenhalt interessierter Esperantisten sein. Es sind daher alle Esperanto-Sprecher in Bayern aufgefordert, Beiträge zu leisten, unabhängig davon, ob sie bisher BELOaner waren oder nicht.


Amike kaj kolege
Bernd Krause
BELO - Prezidanto / 1. Vorsitzender (kommiss.) und Liquidator

[Informo de BELO]

 

Esperanto-Verbreitung in Ungarn

03.11.2011

Oft entsteht für Außenstehende der Eindruck, die Zahl der Esperantosprecher bliebe gleich oder gehe zurück. Demgegenüber belegen Zahlen aus Ungarn, dass dort die Anzahl der Esperantosprecher zwischen 1990 und 2001 um 7,4 % pro Jahr zugenommen haben, auf insgesamt 4575 Personen. 2001 gab es dort laut Volkszählung 168 Esperanto-Muttersprachler.

Im Jahr 1941 wurden in Ungarn 942 Personen gezählt, die Esperanto als eine ihrer Fremdsprachen angaben. Bis 1990 war diese Zahl auf 2083 Personen angewachsen, im Schnitt ein Zuwachs von 1,6 % pro Jahr. 2001 gaben in Ungarn 4575 Menschen an, Esperanto zu sprechen - gegenüber 1990 ein Anwachsen von durchschnittlich 7,4 % pro Jahr. Für 168 Personen war Esperanto Muttersprache. (Diese Zahl ist aus der Tabelle zu errechnen als Differenz zwischen 4575 Sprechern und 4407 nichtmuttersprachlichen Sprechern.)

Insgesamt haben im Jahr 2001 in Ungarn 1.958.936 Personen angegeben, eine Fremdsprache zu sprechen. Das bedeutet, dass sich unter 1000 Personen mit Fremdsprachenkenntnissen in Ungarn etwa 2,3 finden, die Esperanto sprechen. Im Vergleich mit der Gesamtbevölkerung von etwa 10 Millionen Einwohner (10.198.315 laut Volkszählung 2001) finden sich unter zehntausend Einwohnern etwa 4,5 Esperantosprecher.

Esperanto kann in Ungarn an Schulen und Universitäten als Wahlpflichtfach gewählt werden, meist gleichberechtigt mit anderen Sprachen.

 

English Forum Switzerland:
Zensur gegen Esperanto

10.10.2011

en Esperanto

Die englischsprachige Internetseite "English Forum Switzerland" hat eine Forum-Frage zu Esperanto mit allen Antworten kommentarlos gelöscht; schon vorher wurden Kommentare von zumindest sechs Personen entfernt. Die Nutzer wurden auf Dauer vom Forum ausgeschlossen.

"Kann ich in der Schweiz Esperanto benutzen?"

Am Dienstag, 4. Oktober, hatte der Nutzer nickmcanada gefragt: "I am wondering if I can use Esperanto in Switzerland? Is the number of people who speak Esperanto growing?" (Ich frage mich, ob ich Esperanto in der Schweiz benutzen kann? Steigt die Anzahl der Leute, die Esperanto sprechen?) Darauf kamen zumindest 25 Antworten, teils kritisch gegenüber Esperanto, teils informierend oder positiv.

Kommentare und Diskussionsfaden gelöscht

Kommentare von mindestens sechs Nutzern wurden in den folgenden Tagen kommentarlos entfernt. Es erschien jeweils für den Nutzer nur die Mitteilung "You have been banned for the following reason: Posting unwanted spam. Date the ban will be lifted: Never". (Sie wurden aus dem folgenden Grund ausgeschlossen: Schreiben von unerwünschtem Spam. Datum, zu dem der Ausschluss endet: Nie.) Sonntag Nacht wurde der gesamte Diskussionsfaden gelöscht; er ist derzeit noch bei Google zu finden (Suche z.B.: "site:englishforum.ch esperanto language corner").

Englischsprachige Internet-Zeitung "The Local"

Das "English Forum Switzerland" wird in Zusammenarbeit mit der Internet-Zeitung "The Local" betrieben. Diese englischsprachige Zeitung hat nationale Ausgaben für Schweden, Frankreich, die Schweiz und Deutschland; sie wird herausgegeben von "The Local Europe".

Anscheinend wird Esperanto als bedrohliche Konkurrenz zu Englisch, der Basis des Geschäftsmodells von "The Local" empfunden. Eine Frage zu Esperanto sowie kritische Kommentare zu Esperanto waren noch zulässig - sachliche Informationen und positive Äußerungen wurden hingegen entfernt.

 

Esperanto weiterhin vom Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen

14.09.2011

Auch für den Wettbewerb 2011/12 ist Esperanto - wie schon seit 30 Jahren - vom Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen: "Nicht erlaubt sind Kunst- oder Plansprachen." Warum Plansprachen und damit insbesondere Esperanto ausgeschlossen werden, darauf bleibt Bernhard Sicking, Geschäftsführer des Wettbewerbs, bei Facebook bisher die Antwort schuldig.

Martin Schaeffer, Generalsekretär des Deutschen Esperanto-Bundes, hatte auf den Facebook-Seiten des Wettbewerbs nachgefragt, was eigentlich der Grund für die Nicht-Zulassung von Esperanto ist. Die Antwort vom vergangenen Montag war nur eine Wiederholung der Bedingungen: "Hallo, die Spielregeln des Wettbewerbs sehen vor, dass zum Oberstufenwettbewerb alle lebenden Staats- und Verkehrssprachen (kein Deutsch) sowie Latein gewählt werden können."

Ergänzt wurde das mit einer offensichtlich fehlerhaften, aber doch amüsanten Erläuterung: "Kunst- und Staatssprachen können nicht gewählt werden." Wenn dem wirklich so wäre, dann fiele der nächste Wettbewerb wohl aus - selbst Latein ist in einem Land Staatssprache, nämlich im Vatikanstaat. Gemeint waren "Kunst- und Plansprachen".

Diskriminierung von Esperanto-Sprechern

Mit dem Ausschluss von Esperanto als Wettbewerbssprache werden Esperanto-Sprecher gegenüber Sprechern anderer Sprachen diskriminiert. Im Fall von Esperanto-Muttersprachlern - davon gibt es weltweit mehrere Tausend und auch in Deutschland einige im schulpflichtigen Alter - bedeutet dies wohl einen Bruch von Artikel 3 des Grundgesetzes. Danach darf niemand wegen seiner Sprache benachteiligt oder bevorzugt werden. Wenn nun jemand Esperanto als Muttersprache hat und am Wettbewerb mit z.B. Französisch und Esperanto teilnehmen will, so ist dies nicht erlaubt. Hingegen wird ein Italienisch-Muttersprachler mit Französisch und Italienisch zugelassen.

Dies wäre vielleicht noch kein Rechtsbruch, wenn der Wettbewerb eine rein private Veranstaltung wäre. Allerdings trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung etwa die Hälfte der Kosten und die Kultusministerien der Länder unterstützen den Wettbewerb vielfältig. Sie alle müssten natürlich darauf achten, dass die Grundrechte geachtet werden. Aber sie tun es nicht. Sie geben auch keinen glaubwürdigen Grund für den Esperanto-Ausschluss an. Anfang 2010 hieß es, man wolle insgesamt die Zahl der Sprachen verringern, da habe es keinen Sinn nun noch Esperanto einzuführen - in der Ausschreibung 2011/12 ist von einer Verringerung der Sprachenzahl beim Oberstufenwettbewerb aber nichts zu sehen.

Esperanto-Ausschluss seit 30 Jahren

Damit bleibt die Frage, warum eigentlich Esperanto immer wieder ausgeschlossen wird. Dies hat der Beirat des Wettbewerbs nunmehr drei Mal entschieden - einmal etwa 1981, anlässlich des ersten Bundeswettbewerbs, als laut Ausschreibung alle lebenden Fremdsprachen zugelassen waren; die angemeldeten Schüler, u.a. Martin Haase, heute Professor für Romanistik in Bamberg, wurden dennoch mit einem Sonderbeschluss abgelehnt. Eine zweite Ablehnung folgte um 1990, als erneut gebeten wurde, Esperanto gleichberechtigt zu behandeln. Ein drittes Mal hat der Beirat die Teilnahme mit Esperanto im Februar 2010 abgelehnt.

Die Konsequenzen einer möglichen Esperanto-Einführung


... für Dolmetscher und Übersetzer

Warum also wird Esperanto ausgeschlossen? Und warum ist der wahre Grund offensichtlich so geheim, dass sich niemand traut, ihn offenzulegen? Einer möglichen Antwort kommt man etwas näher, wenn man sich mit Dolmetschern oder Übersetzern über Esperanto unterhält. Etwa jeder zweite erwähnt dann, dass eine mögliche allgemeine Einführung von Esperanto dazu führen würde, dass ihr Beruf im wesentlichen verschwinden würde; die Angst um den langfristigen Erhalt ihrer Arbeit ist spürbar, auch wenn sie vielleicht Esperanto keine großen Chancen zubilligen - aber man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt... Den Fall der Mauer hatte ja auch kaum einer vorhergesehen.

... sowie für Fremdsprachenlehrer

Die Situation für Fremdsprachenlehrer wäre vielleicht ein wenig besser, aber auch bedrohlich. Esperanto ist bis zu einer bestimmten Sprachbeherrschung schließlich mit etwa einem Drittel des Aufwands für nationale Sprachen zu lernen, vielleicht sogar noch weniger. Dies würde bedeuten, dass bei einem theoretischen Übergang von Englisch zu Esperanto die Menge an Unterrichtsstunden, die z.B. ein Abiturient im Laufe seiner Schulzeit besuchen muss, von derzeit oft etwa 1500 Stunden Englisch auf höchstens 500 Stunden Esperanto sinken würde. Englisch wäre kein Pflichtfach mehr und die Schülerzahlen würden deutlich zurückgehen. Für einen kleinen Teil der Englisch-Lehrer wäre eine Fortbildung in Esperanto denkbar, aber der Bedarf wäre weitaus geringer als die Anzahl der nicht mehr benötigten Englisch-Lehrer.

... und Professoren

Auch im Bereich der Universitäten würde sich eine Verschiebung zugunsten von Esperanto ergeben; die Anzahl der Lehrenden, die für die Ausbildung von Englisch-Lehrern benötigt würde, ginge erheblich zurück. Parallel würden natürlich die Forschungsgelder abnehmen.

Esperanto: Nicht für alle günstig

Letztlich ist stets der Widerstand derjenigen, die von einer gewissen zeitsparenden Neuerung betroffen wären, nur zu verständlich. Da eine weitere Verbreitung von Esperanto gerade im Bereich der Fremdsprachen für erhebliche Verschiebungen sorgen würde, ist dort keine Unterstützung zu erwarten, eher das Gegenteil.

Nach dem Motto "Wehret den Anfängen!"

So ergibt all dies keine rosigen Perspektiven für Fremdsprachenlehrer und Professoren, die sich ihren Fächern Englisch und Französisch auch über die persönlichen Umstände hinaus verbunden fühlen. Auch die Mitarbeiter in den zuständigen Ministerien sind sicherlich nicht angetan von solchen Aussichten, zumal viele von ihnen Fremdsprachen studiert und früher im Schuldienst gearbeitet haben. In der Summe scheint es daher nicht verwunderlich, dass gerade ein Fremdsprachen-­Wettbewerb, in dessen Beirat Fremdsprachenlehrer, Professoren und Vertreter von Kultusministerien sitzen, Esperanto mit aller Macht auschließen möchte. Von einem früheren Beiratsmitglied wird jedenfalls unter seinen Professorenkollegen gemunkelt, er habe sich beruflich nur für sehr wenig begeistern können - außer für sein Engagement gegen Esperanto...

Lu Wunsch-Rolshoven, EsperantoLand

 

Internationaler Esperanto-Kongress in Straßburg

21.03.2010

Der Verein EsperantoLand plant einen Internationalen Esperanto-Kongress in Straßburg, vom 6. bis 13. August 2010. Der Kongress wird die Esperanto-Sprachgemeinschaft und die Esperanto-Förderung behandeln; weiterhin wird es auch Vorträge und andere Angebote in Esperanto zu verschiedenen Themen sowie ein Rahmenprogramm geben. Einige Teilnehmer haben sich schon angemeldet.

Der Kongress findet in einem Hotel am Rande der Innenstadt von Straßburg statt. Die geschichtsträchtige Stadt Straßburg hat einen besonderen Reiz und lädt zu Spaziergängen und Ausflügen während der sommerlichen Tage des Kongresses ein. Hier sind weitere Informationen (in Esperanto).

 

Schweizer Volkszählung: Esperanto als "Hauptsprache" vorgesehen

05.03.2010

Der Fragebogen zur Schweizer Volkszählung ermittelt u.a. die Sprache, die der oder die Befragte am besten beherrscht. Wie dem Blatt "Hauptsprache 2010" des Schweizer Bundesamts für Statistik zu entnehmen ist, ist hierbei zukünftig auch die Angabe von Esperanto vorgesehen. Laut Kopie des Blattes bei Google trägt Esperanto die Code-Nr. 30101.

Voraussichtlich werden nur wenige Schweizer angeben, dass Esperanto diejenige Sprache ist, "in der Sie denken und die Sie am besten beherrschen" (so die Formulierung im Volkszählungsbogen 2000); allerdings dürfte dies für einige internationale Paare zutreffen, die sich seit Jahrzehnten in Esperanto unterhalten. Ob diese zu erfassen sind, wenn zukünftig die Volkszählung nicht mehr als Vollerhebung, sondern nur noch mit Stichproben von bis zu 40 000 Teilnehmern durchgeführt wird, bleibt abzuwarten.

Bedauerlich ist, dass bei der Frage "Welche Sprachen sprechen Sie regelmäßig?" zumindest bei der Volkszählung 2000 keine Möglichkeit bestand, Esperanto anzugeben; man konnte nur "andere Sprachen" ankreuzen. Anscheinend gibt es damit weiterhin in Europa nur die Volkszählungen 2001 in Litauen und Ungarn, bei denen Esperanto-Sprachkenntnisse ermittelt wurden. (Hierbei ergaben sich etwa 850 Litauer und 4500 Ungarn, die Esperanto sprechen, vgl. die Nachricht hierzu.)

 

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