Sprachpolitik 

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Brief an Bundespräsident Gauck

05.03.2013

en Esperanto

Der Verein EsperantoLand hat an den Bundespräsidenten Joachim Gauck geschrieben, anlässlich von dessen Europa-Rede am 22. Februar. Gauck hatte ein "praktikables Englisch" für alle angeregt.

In dem Schreiben an Gauck wird u.a. die Frage gestellt, ob eine Konzentration auf das Englische ausreichen kann; so sei der deutsch-französische Dialog auf Englisch nur schwer vorstellbar.

Es sei zu überlegen, ob wirklich alle nach einer Façon glücklich werden sollen. Außerdem würden durch eine Konzentration auf das Englische Sprachaufenthalte im englischen Sprachraum gefördert, Kulturgüter wie Filme und Bücher kämen "vor allem aus dem englischen Sprachraum, weil sie dann leichter beurteilt, übersetzt und verstanden werden". Eine solche einseitige Ausrichtung der Sprachaufenthalte, der übersetzten Literatur und des Films diene dem europäischen kulturellen Austausch leider nicht.

Gauck hatte festgestellt, es gebe bisher „keine gemeinsame europäische Öffentlichkeit“. EsperantoLand stellt die Frage, ob es nicht Zeit sei, nach den Ursachen hierfür zu fragen - schließlich werde das Englische schon seit Jahrzehnten gefordert und gefördert. Mögliche Ursachen sieht der Verein EsperantoLand zum einen im hohen Aufwand, der für das Englische zu treiben sei - oft tausend Unterrichtsstunden oder mehr; Esperanto komme mit einem Drittel davon aus.

Zum anderen bedeute Esperanto eine stärkere Internationalität als das Englische, da man Esperanto in jedem europäischen Land lernen und sprechen könne.

Der Brief plädiert nicht für eine besondere Förderung des Esperanto, sondern bittet den Bundespräsidenten, sich für eine Gleichbehandlung des Esperanto mit anderen Sprachen einzusetzen.

Es gebe im übrigen kaum eine Gruppe in Europa, die mehr Erfahrung mit europäischer Verständigung habe und mehr Engagement für den Dialog zwischen den Bürgern verschiedener Staaten zeige als die Esperanto-Sprachgemeinschaft. "Völkerverständigung ist unser Anliegen seit der Veröffentlichung von Esperanto 1887 – sich verständigen und sich verstehen, über Grenzen hinweg, europaweit und weltweit."

 

EU-Kommission zu Esperanto

07.01.2013

en Esperanto

Immer wieder wird vorgeschlagen, Esperanto in der einen oder anderen Weise in der Europäischen Union zu nutzen. Die EU-Kommission, Bereich Mehrsprachigkeit, hat hierzu Stellung genommen.

Eine einzige Sprache oder Mehrsprachigkeit?

Unter den häufig gestellten Fragen zu Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen findet sich die Frage: "Wäre eine einzige Sprache für alle eine Lösung?" Im folgenden werden Latein und Esperanto behandelt.

Die Fragestellung ist verblüffend, da selbst die überzeugtesten Esperanto-Anhänger lediglich vorschlagen, dass jeder in der Schule auch Esperanto lernen soll. Die meisten Esperantosprecher fänden es lediglich gut, wenn Esperanto als Zusatzfach wählbar wäre. Oder wenn darüber im Schulunterricht informiert würde.

Das Lernen weiterer Fremdsprachen wird von Esperanto-Seite in der Regel ausdrücklich begrüßt, so z.B. in den "Sonnenberger Leitsätzen" des Deutschen Esperanto-Bundes von 2012, wo es im Punkt Allgemeine Sprachenpolitik als erstes heißt: "Wir unterstützen die Mehrsprachigkeit." Schon in den 1995 verabschiedeten "Thesen zur EU-Sprachenfrage" heißt es in Punkt 2: "Die Kenntnis mehrerer Fremdsprachen ist wünschenswert."

Auch in dem Text "Esperanto in der Europäischen Union" des Vereins EsperantoLand wird lediglich vorgeschlagen: "Esperanto sollte in stärkerem Maße als Wahlfach an Schulen und Universitäten in der EU angeboten werden."

Eine einzige Sprache wäre zu simpel

In der Antwort heißt es zunächst, die Idee, mit einer einzigen Sprache alle sprachlichen Probleme zu lösen, wäre "zu simpel". Dem stimmen die Esperantosprecher natürlich zu. Es ist in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass Esperantosprecher laut mehreren Studien neben ihrer Muttersprache und Esperanto im Schnitt zwei weitere Fremdsprachen beherrschen.

Laut EU-Kommission werden hin und wieder Latein oder Esperanto als "einzige, europaweite Sprache für die EU" vorgeschlagen. Ein solcher Vorschlag ist in Esperanto-Kreisen nicht bekannt. Die EU-Kommission hat bisher auch nicht offengelegt, auf welchen Vorschlag welcher Organisation sie sich bezieht.

Es müsse, so die EU-Kommission weiter, beinahe jeder diese Sprachen von Grund auf neu lernen. Diese Aussage berücksichtigt nicht den besonderen Aufbau des Esperanto, dessen Wörter zu über 90 % in den europäischen Sprachen zu finden sind; der Lernaufwand für Esperanto ist daher vergleichsweise gering, oft bei einem Drittel oder einem Fünftel des Aufwands für z.B. Englisch oder Italienisch.

Wie viel Zeit für Esperanto?

Im folgenden vermutet die EU-Kommission, die Lehrerausbildung und der Sprachunterricht für die Europäer und Europäerinnen würden "sehr viel Zeit und Geld kosten." Auch dies betrachtet nicht die besonderen Eigenschaften des Esperanto. Sehr viele Esperanto-Lerner beginnen bereits nach zwei bis drei Kurs-Wochenenden (oder z.B. Selbststudium in entsprechender Menge) mit der Anwendung in der Praxis.

Vielfalt mit oder ohne Esperanto?

Zum Abschluss behauptet die Europäische Kommission, mit "ihrem Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit" mache sie sich "für Vielfalt statt für Einförmigkeit stark." Leider wird dieses Bekenntnis bezüglich Esperanto nicht in die Praxis umgesetzt: In der Vielfalt wird Esperanto nicht eingeschlossen. Obwohl sicher mehr als hunderttausend Menschen in der EU Esperanto sprechen, wird Esperanto in den Berichten der EU-Kommission über die in der EU gesprochenen Sprachen nicht einmal erwähnt. Hingegen dokumentieren die Statistischen Ämter in Litauen und in Ungarn die Anzahl der Esperantosprecher laut Volkszählung: 2001 waren es etwa 850 in Litauen und 4500 in Ungarn. (Das lässt auf etwa 100.000 aktive Esperantosprecher in der EU schließen.) Mehr als so manche kleine Sprache der EU. Und in der internationalen Kommunikation weitaus mehr gebraucht.

Persönliches Interesse der EU-Mitarbeiter?

Es ist nicht ganz klar, was die EU-Kommission veranlasst, so wenig nachvollziehbar gegen Esperanto zu argumentieren. Böse Stimmen munkeln hierzu, es sei nicht im Interesse der Dolmetscher, Übersetzer und hochbezahlten mehrsprachigen EU-Beamten, wenn Esperanto sich stärker verbreitet. Und vielleicht gar eines Tages den einen oder anderen schönen Posten überflüssig macht...

Louis v. Wunsch-Rolshoven
EsperantoLand

 

"Language Rich Europe" erwähnt Esperanto-Buch-Tag

20.12.2012

Auf Twitter hat "Language Rich Europe" eine kurze Botschaft zum Esperantobuchtag (15. Dezember, auch "Zamenhof-Tag") versendet.

Saturday was Esperanto book day - Ĉu vi parolas Esperanton? Do you speak Esperanto? More information - esperanto.org.uk/eab/contact.htm

"Language Rich Europe" mit dem Untertitel "Multilingualism for stable and prosperous societies" ist ein europäisches Projekt, das vom "British Council" geleitet wird. Das Projekt bringt etwa 1200 politisch Verantwortliche und Praktiker aus 24 europäischen Ländern und Regionen zusammen um eine bessere Politik und Praxis der Mehrsprachigkeit zu fördern.

Bisher ist die Twitter-Botschaft das einzige, was man auf den Projektseiten zu Esperanto finden kann - aber vielleicht wird sich das ja mal ändern...

[esper-brit]

 

English Forum Switzerland:
Zensur gegen Esperanto

10.10.2011

en Esperanto

Die englischsprachige Internetseite "English Forum Switzerland" hat eine Forum-Frage zu Esperanto mit allen Antworten kommentarlos gelöscht; schon vorher wurden Kommentare von zumindest sechs Personen entfernt. Die Nutzer wurden auf Dauer vom Forum ausgeschlossen.

"Kann ich in der Schweiz Esperanto benutzen?"

Am Dienstag, 4. Oktober, hatte der Nutzer nickmcanada gefragt: "I am wondering if I can use Esperanto in Switzerland? Is the number of people who speak Esperanto growing?" (Ich frage mich, ob ich Esperanto in der Schweiz benutzen kann? Steigt die Anzahl der Leute, die Esperanto sprechen?) Darauf kamen zumindest 25 Antworten, teils kritisch gegenüber Esperanto, teils informierend oder positiv.

Kommentare und Diskussionsfaden gelöscht

Kommentare von mindestens sechs Nutzern wurden in den folgenden Tagen kommentarlos entfernt. Es erschien jeweils für den Nutzer nur die Mitteilung "You have been banned for the following reason: Posting unwanted spam. Date the ban will be lifted: Never". (Sie wurden aus dem folgenden Grund ausgeschlossen: Schreiben von unerwünschtem Spam. Datum, zu dem der Ausschluss endet: Nie.) Sonntag Nacht wurde der gesamte Diskussionsfaden gelöscht; er ist derzeit noch bei Google zu finden (Suche z.B.: "site:englishforum.ch esperanto language corner").

Englischsprachige Internet-Zeitung "The Local"

Das "English Forum Switzerland" wird in Zusammenarbeit mit der Internet-Zeitung "The Local" betrieben. Diese englischsprachige Zeitung hat nationale Ausgaben für Schweden, Frankreich, die Schweiz und Deutschland; sie wird herausgegeben von "The Local Europe".

Anscheinend wird Esperanto als bedrohliche Konkurrenz zu Englisch, der Basis des Geschäftsmodells von "The Local" empfunden. Eine Frage zu Esperanto sowie kritische Kommentare zu Esperanto waren noch zulässig - sachliche Informationen und positive Äußerungen wurden hingegen entfernt.

 

Esperanto weiterhin vom Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen

14.09.2011

Auch für den Wettbewerb 2011/12 ist Esperanto - wie schon seit 30 Jahren - vom Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen: "Nicht erlaubt sind Kunst- oder Plansprachen." Warum Plansprachen und damit insbesondere Esperanto ausgeschlossen werden, darauf bleibt Bernhard Sicking, Geschäftsführer des Wettbewerbs, bei Facebook bisher die Antwort schuldig.

Martin Schaeffer, Generalsekretär des Deutschen Esperanto-Bundes, hatte auf den Facebook-Seiten des Wettbewerbs nachgefragt, was eigentlich der Grund für die Nicht-Zulassung von Esperanto ist. Die Antwort vom vergangenen Montag war nur eine Wiederholung der Bedingungen: "Hallo, die Spielregeln des Wettbewerbs sehen vor, dass zum Oberstufenwettbewerb alle lebenden Staats- und Verkehrssprachen (kein Deutsch) sowie Latein gewählt werden können."

Ergänzt wurde das mit einer offensichtlich fehlerhaften, aber doch amüsanten Erläuterung: "Kunst- und Staatssprachen können nicht gewählt werden." Wenn dem wirklich so wäre, dann fiele der nächste Wettbewerb wohl aus - selbst Latein ist in einem Land Staatssprache, nämlich im Vatikanstaat. Gemeint waren "Kunst- und Plansprachen".

Diskriminierung von Esperanto-Sprechern

Mit dem Ausschluss von Esperanto als Wettbewerbssprache werden Esperanto-Sprecher gegenüber Sprechern anderer Sprachen diskriminiert. Im Fall von Esperanto-Muttersprachlern - davon gibt es weltweit mehrere Tausend und auch in Deutschland einige im schulpflichtigen Alter - bedeutet dies wohl einen Bruch von Artikel 3 des Grundgesetzes. Danach darf niemand wegen seiner Sprache benachteiligt oder bevorzugt werden. Wenn nun jemand Esperanto als Muttersprache hat und am Wettbewerb mit z.B. Französisch und Esperanto teilnehmen will, so ist dies nicht erlaubt. Hingegen wird ein Italienisch-Muttersprachler mit Französisch und Italienisch zugelassen.

Dies wäre vielleicht noch kein Rechtsbruch, wenn der Wettbewerb eine rein private Veranstaltung wäre. Allerdings trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung etwa die Hälfte der Kosten und die Kultusministerien der Länder unterstützen den Wettbewerb vielfältig. Sie alle müssten natürlich darauf achten, dass die Grundrechte geachtet werden. Aber sie tun es nicht. Sie geben auch keinen glaubwürdigen Grund für den Esperanto-Ausschluss an. Anfang 2010 hieß es, man wolle insgesamt die Zahl der Sprachen verringern, da habe es keinen Sinn nun noch Esperanto einzuführen - in der Ausschreibung 2011/12 ist von einer Verringerung der Sprachenzahl beim Oberstufenwettbewerb aber nichts zu sehen.

Esperanto-Ausschluss seit 30 Jahren

Damit bleibt die Frage, warum eigentlich Esperanto immer wieder ausgeschlossen wird. Dies hat der Beirat des Wettbewerbs nunmehr drei Mal entschieden - einmal etwa 1981, anlässlich des ersten Bundeswettbewerbs, als laut Ausschreibung alle lebenden Fremdsprachen zugelassen waren; die angemeldeten Schüler, u.a. Martin Haase, heute Professor für Romanistik in Bamberg, wurden dennoch mit einem Sonderbeschluss abgelehnt. Eine zweite Ablehnung folgte um 1990, als erneut gebeten wurde, Esperanto gleichberechtigt zu behandeln. Ein drittes Mal hat der Beirat die Teilnahme mit Esperanto im Februar 2010 abgelehnt.

Die Konsequenzen einer möglichen Esperanto-Einführung


... für Dolmetscher und Übersetzer

Warum also wird Esperanto ausgeschlossen? Und warum ist der wahre Grund offensichtlich so geheim, dass sich niemand traut, ihn offenzulegen? Einer möglichen Antwort kommt man etwas näher, wenn man sich mit Dolmetschern oder Übersetzern über Esperanto unterhält. Etwa jeder zweite erwähnt dann, dass eine mögliche allgemeine Einführung von Esperanto dazu führen würde, dass ihr Beruf im wesentlichen verschwinden würde; die Angst um den langfristigen Erhalt ihrer Arbeit ist spürbar, auch wenn sie vielleicht Esperanto keine großen Chancen zubilligen - aber man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt... Den Fall der Mauer hatte ja auch kaum einer vorhergesehen.

... sowie für Fremdsprachenlehrer

Die Situation für Fremdsprachenlehrer wäre vielleicht ein wenig besser, aber auch bedrohlich. Esperanto ist bis zu einer bestimmten Sprachbeherrschung schließlich mit etwa einem Drittel des Aufwands für nationale Sprachen zu lernen, vielleicht sogar noch weniger. Dies würde bedeuten, dass bei einem theoretischen Übergang von Englisch zu Esperanto die Menge an Unterrichtsstunden, die z.B. ein Abiturient im Laufe seiner Schulzeit besuchen muss, von derzeit oft etwa 1500 Stunden Englisch auf höchstens 500 Stunden Esperanto sinken würde. Englisch wäre kein Pflichtfach mehr und die Schülerzahlen würden deutlich zurückgehen. Für einen kleinen Teil der Englisch-Lehrer wäre eine Fortbildung in Esperanto denkbar, aber der Bedarf wäre weitaus geringer als die Anzahl der nicht mehr benötigten Englisch-Lehrer.

... und Professoren

Auch im Bereich der Universitäten würde sich eine Verschiebung zugunsten von Esperanto ergeben; die Anzahl der Lehrenden, die für die Ausbildung von Englisch-Lehrern benötigt würde, ginge erheblich zurück. Parallel würden natürlich die Forschungsgelder abnehmen.

Esperanto: Nicht für alle günstig

Letztlich ist stets der Widerstand derjenigen, die von einer gewissen zeitsparenden Neuerung betroffen wären, nur zu verständlich. Da eine weitere Verbreitung von Esperanto gerade im Bereich der Fremdsprachen für erhebliche Verschiebungen sorgen würde, ist dort keine Unterstützung zu erwarten, eher das Gegenteil.

Nach dem Motto "Wehret den Anfängen!"

So ergibt all dies keine rosigen Perspektiven für Fremdsprachenlehrer und Professoren, die sich ihren Fächern Englisch und Französisch auch über die persönlichen Umstände hinaus verbunden fühlen. Auch die Mitarbeiter in den zuständigen Ministerien sind sicherlich nicht angetan von solchen Aussichten, zumal viele von ihnen Fremdsprachen studiert und früher im Schuldienst gearbeitet haben. In der Summe scheint es daher nicht verwunderlich, dass gerade ein Fremdsprachen-­Wettbewerb, in dessen Beirat Fremdsprachenlehrer, Professoren und Vertreter von Kultusministerien sitzen, Esperanto mit aller Macht auschließen möchte. Von einem früheren Beiratsmitglied wird jedenfalls unter seinen Professorenkollegen gemunkelt, er habe sich beruflich nur für sehr wenig begeistern können - außer für sein Engagement gegen Esperanto...

Lu Wunsch-Rolshoven, EsperantoLand

 

Esperanto von Bundeswettbewerb Fremdsprachen ausgeschlossen

17.09.2010

Anlässlich des derzeitigen Sprachenturniers des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen in Meißen macht der Verein EsperantoLand darauf aufmerksam, dass eine Teilnahme am Wettbewerb mit der internationalen Sprache Esperanto nicht zugelassen ist. Dies geht aus den Internetseiten des Wettbewerbs hervor, wonach "Kunst- und Plansprachen" in der Kategorie EW3 nicht gewählt werden können; laut Ausschreibung sind hier hingegen "alle Modernen Staats- und Verkehrssprachen (außer Deutsch) und Latein" zugelassen. Warum die Plansprache Esperanto ausgeschlossen ist, wird auf den Internetseiten des Wettbewerbs nicht erläutert.

Nachrichten aus China in Esperanto

Esperanto wird von Menschen in etwa 120 Ländern weltweit gesprochen; Schätzungen gehen von etwa 100.000 Menschen aus, die Esperanto regelmäßig sprechen, sowie von mehreren Millionen Menschen, die Esperanto gelernt haben. In den letzten Jahrzehnten gab es unter anderem in Afrika und einzelnen Ländern Asiens einen Aufschwung. Die chinesische Regierung veröffentlicht auf ihren Internetseiten china.org.cn täglich etwa fünf Nachrichten in Esperanto.

Wikipedia in Esperanto

In der Esperanto-Wikipedia finden sich mittlerweile über 130.000 Artikel, die automatische Esperanto-Übersetzung der englischsprachigen Wikipedia epo.wikitrans.net enthält derzeit 1,8 Millionen Artikel.

Esperanto-Ausschluss seit 1981

Der Bundeswettbewerb Fremdsprachen hat Esperanto bereits 1981 von der Teilnahme ausgeschlossen, obwohl damals "alle lebenden Fremdsprachen" zugelassen waren. Im Jahre 1990 wurde der Ausschluss erneut beschlossen. Der Beirat des Wettbewerbs (Vorsitz Prof. Hans-Joachim Kornadt) hat im Februar 2010 ein weiteres Mal entschieden, dass eine Teilnahme mit Esperanto nicht gestattet ist.

Mögliche Diskriminierung von Esperanto-Muttersprachlern

Der Ausschluss von Esperanto in der Kategorie EW3 hat zur Folge, dass eine Esperanto-Muttersprachlerin mit z.B. Englisch als erster Fremdsprache und Esperanto als zweiter Sprache nicht zugelassen wird. Hingegen wird ein Muttersprachler des Italienischen mit Englisch als erster und Italienisch als zweiter Sprache zugelassen. Der Verein EsperantoLand sieht hierin eine Diskriminierung von Esperanto-Muttersprachlern wegen ihrer Sprache, die möglicherweise im Konflikt mit Artikel 3 des Grundgesetzes steht. Der Bundeswettbewerb Fremdsprachen wird u.a. aus Mitteln des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft sowie zu mehr als der Hälfte aus Mitteln des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung finanziert; die Kultusministerien der Länder unterstützen die Ausrichtung des Wettbewerbes.

Esperanto als Muttersprache

Weltweit sprechen derzeit mehrere Tausend Menschen Esperanto als Muttersprache. Ihre Zahl ist deutlich angewachsen - in den sechziger Jahren gab etwa nur etwa 50 bis 100 Esperanto-Muttersprachler. Einer von ihnen ist der deutsche Botschafter in Russland, Ulrich Brandenburg (s. russischsprachigen Bericht filolingvia.com ).


Vgl. Bericht des Bonner Generalanzeiger vom 5. 12. 2009 über den Esperanto-Ausschluss

 

Anfrage zu Esperanto in der französischen Nationalversammlung

29.04.2010

en Esperanto

Der französische Bildungsminister Luc Chatel hat in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Olivier Jardé (Somme) die allgemeine Zulassung des Esperanto im französischen Schulwesen abgelehnt; zum Vergleich: In Frankreich konnten zum Abitur 2009 insgesamt 57 Sprachen gewählt werden (vgl. Le baccalauréat 2009: "22 langues vivantes étrangères" (lebende Fremdsprachen, 24 andere Sprachen, 11 regionale Sprachen).

Die Antwort des Bildungsministeriums enthält mehrere positive Informationen zu Esperanto, so werden die Esperanto-Ideale der Brüderlichkeit (fraternité) und Neutralität herausgestellt und es wird auf die eigene Kultur des Esperanto verwiesen. Weiterhin wird erwähnt, dass Esperanto von Millionen von Sprechern auf der ganzen Welt gesprochen wird.

Es bestünden keine Einwände dagegen, Esperanto im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften zu unterrichten.

Ablehnungsgründe

Das Ministerium führt eine Reihe von Gründen an, warum Esperanto nach seiner Auffassung nicht die notwendigen Bedingungen erfüllt, um Esperanto-Unterricht an den Schulen zu institutionalisieren:

  • Esperanto könne derzeit nicht mit den großen internationalen Sprachen wie Englisch, Arabisch, Spanisch, Russisch und Französisch konkurrieren. Esperanto sei außerdem heute nicht als Arbeitssprache in den großen internationalen Organisationen anerkannt.
  • Esperanto sei keine Muttersprache.
  • Die eigene Kultur des Esperanto sei noch sehr jung.

Arbeitssprache

Das Bildungsministerium argumentiert hier mit den großen internationalen Sprachen, die auch als Arbeitssprachen benutzt werden, während gleichzeitig insgesamt 57 Sprachen zum französischen Abitur zugelassen sind, die in der Mehrzahl nur eine geringe internationale Rolle spielen.

Muttersprache seit hundert Jahren

Die Behauptung, Esperanto sei keine Muttersprache, ist unzutreffend - Esperanto ist bereits seit 1904 Muttersprache. In "The Encyclopedia of Language and Linguistics" von 1994 ist nachzulesen, dass es sogar Muttersprachler der zweiten und dritten Generation gibt (d.h. ein Großelternteil sprach schon Esperanto als Muttersprache). Die Zahl der Esperanto-Muttersprachler wird heute auf mehrere tausend geschätzt.

Schriftliche Esperanto-Kultur seit 1887

Auch der Verweis darauf, die eigene Kultur des Esperanto sei noch sehr jung, ist im Rahmen der Bildungspolitik schwer einzusehen - niemand lehnt den Unterricht von Informatik mit dem Argument ab, dieses Fach sei noch sehr jung. Im übrigen ist festzuhalten, dass Esperanto eine Tradition der schriftlichen Literatur seit 1887 hat - länger als manche der zum französischen Abitur zugelassenen Sprachen. Derzeit erscheinen etwa 120 Esperanto-Bücher jährlich; auch dies übertrifft die Anzahl der Neuerscheinungen in vielen der zum Abitur in Frankreich zugelassenen Sprachen.

Zulassungskriterien

In der Antwort sind weiterhin einige Kriterien für die Zulassung als Unterrichtsfach aufgelistet:

  • Esperanto müsse ausreichend in der Welt verbreitet sein, um eine effektive und praktische Verwendung zu erlauben.
  • Es müsse einen offiziellen Status haben.
  • Es müsse Träger einer Kultur und eines reichen und lebendigen kulturellen Erbes sein. Der Schüler müsse seine eigene Kultur mit der der anderen vergleichen können, um zu verstehen, was jede in ihrer Unterschiedlichkeit ausmache.
  • Es ginge auch darum, den Schüler für die linguistischen Variationen wie Akzent, Dialekt und Sprachregister zu sensibilisieren, die das Besondere der Sprache ausmachten.
  • Es sei der Zugang zur Komplexität einer Kultur und zum inneren Reichtum einer Sprache, die das Lernen besonders motivierend für die Schüler mache.

Diese Kriterien können keine Ablehnung der Zulassung als ordentliches Unterrichtsfach an französischen Schulen - und damit die Verweigerung der Gleichberechtigung mit 57 anderen Sprachen - begründen:
  • Praktische Verwendung: Das Ministerium führt selbst an, dass mehrere Millionen Menschen auf der Welt Esperanto sprechen; dies alleine zeigt, dass eine praktische Verwendung des Esperanto kein Problem darstellt. Beispiele der Anwendung von Esperanto sind die Wikipedia mit derzeit 128.000 Artikeln (Platz 22 im Vergleich mit anderen Sprachen), die Informationsseiten der chinesischen Regierung (Esperanto als eine von zehn Sprachen), die Seiten von Google oder Computerprogramme wie Firefox.
  • Offizieller Status: In Ungarn ist Esperanto seit Jahrzehnten als Schulfach zugelassen; in Brasilien ist derzeit ein Gesetzgebungsverfahren zu Esperanto an öffentlichen Schulen in Gang.

    Durch die Aufnahme des Esperanto-PEN-Zentrums in PEN International wurde Esperanto 1993 als Literatursprache anerkannt.

    Die Unesco hat bereits 1985 ihre Mitgliedsstaaten eingeladen, die "Einführung eines Studienprogramms zum Sprachenproblem und zu Esperanto in den Schulen und höheren Bildungseinrichtungen zu fördern" ( Protokoll der Generalkonferenz in Sofia, 1985).

  • Vergleich von Kulturen: Es ist überraschend, dass im Zusammenhang mit Esperanto das Vergleichen von Kulturen thematisiert wird. Zum einen hat Esperanto eine Kultur, in der eigene Schöpfungen mit den nationalen Kulturen der Esperantosprecher zusammenkommen. Zum anderen bietet die internationale Gemeinschaft der Esperantosprecher tagtäglich Gelegenheit, die eigene Kultur mit der der anderen in Beziehung zu setzen.
  • Akzent, Dialekt und Sprachregister: Auch in Esperanto haben die Sprecher unterschiedlicher Regionen einen mehr oder weniger ausgeprägten Akzent. Ganz sicher bedient sich auch in Esperanto ein Redner eines anderen Sprachstils als ein Musiker, ein Schriftsteller oder ein Jugendlicher. Ausgeprägte Dialekte gibt es in Esperanto heute nicht - es ist allerdings überraschend, dass ein Bildungsministerium Dialekte als wesentlich für die Zulassung als Schulsprache ansieht; gewöhnlich stehen Dialekte nicht im Zentrum des Schulunterrichts...
  • Komplexität der Kultur und innerer Reichtum einer Sprache: Es ist nicht leicht, Kriterien für die Komplexität einer Kultur und den inneren Reichtum einer Sprache anzugeben. Allerdings ist festzustellen, dass die vielfältige Esperanto-Kultur mit Literatur, Theater, Musik, internationalen Begegnungen usw. durchaus attraktiv für viele Menschen ist, die Esperanto lernen und z.B. zum weiteren Wachstum der Esperanto-Wikipedia beitragen.

    Was - zum Vergleich - das Englische anbetrifft, so ist eher fraglich, ob es in erster Linie der innere Reichtum dieser Sprache ist, der zum Lernen motiviert, oder eher die Befürchtung, von Bildung und vielem anderem ausgeschlossen zu sein und damit einen schlechteren Zugang zu äußerem Reichtum zu haben...

Louis F. v. Wunsch-Rolshoven, EsperantoLand

 

Bonner "General-Anzeiger": "Welt-, aber nicht Fremdsprache"

07.12.2009

Der Bonner "General-Anzeiger" hat auf der Titelseite seiner Wochenendausgabe einen Artikel über die Ablehnung von Esperanto beim "Bundeswettbewerb Fremdsprachen" veröffentlicht, in dem die Entscheidung des Wettbewerbs kritisiert wird.

Es wird zitiert, dass Esperanto den Organisatoren zu "künstlich" ist. Der Autor, Wolfgang Pichler, stellt die Esperanto-Kultur vor:

"Eigentlich haben sie alles, was eine echte Sprachkultur ausmacht: Bibelübersetzung, Rockbands, Zeitungen, Internetseiten, Nationalhymne. An den Unis in Ungarn ist Esperanto inzwischen als Zweitsprache anerkannt; rund 5000 Studenten pro Jahr legen dort Prüfungen in ihm ab. Von 'künstlich, weil nicht lebendig' kann also nicht die Rede sein - anders als beim Latein zum Beispiel, das beim Fremdsprachenwettbewerb erlaubt ist."

Interessant ist eine Idee des Autors zum Fehlen eines bestimmten Esperantolandes. Davon schreibt er in der Einleitung:

"'Die Kenntnis der Sprache eines anderen Landes ermöglicht echte Verständigung', schreibt Bundespräsident Horst Köhler (...) Schwierig wird das, wenn eine Sprache in 120 Ländern Sprecher hat, nicht aber die 'Sprache eines anderen Landes' ist."

Am Ende heißt es:

"Mehr Chancen hätten die Esperantanier vielleicht, wenn sie ihre Sprache zur 'Sprache eines Landes' machten - wenn sie sich also an einem Ort versammelten und den für unabhängig erklärten. Größer als der Vatikan würde er allemal. Komisch, dass man sich immer erst abgrenzen muss, um ernstgenommen zu werden."

Wer die Forderung nach Aufnahme von Esperanto unterstützen möchte, kann dies mit einer Facebook-Petition tun: "Für Esperanto beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen". Mittlerweile gibt es dort über 200 Unterstützer aus aller Welt.

 

Bundeswettbewerb Fremdsprachen lässt Esperanto nicht zu

12.11.2009

( en Esperanto)

( bei Demokratie-Spiegel.de)

Esperanto ist bei dem "Bundeswettbewerb Fremdsprachen" nicht zugelassen. Dies teilte die in Bonn ansässige Geschäftsstelle des Wettbewerbs mit. Der Ausschluss von Esperanto widerspricht den im Internet veröffentlichten Teilnahmebedingungen, nach denen z.B. am Kurzgeschichtenwettbewerb (EW Kreativ) "Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 - 10 mit einer selbst verfassten Geschichte in einer Fremdsprache ihrer Wahl teilnehmen" können. Die Anmeldefrist für diesen Einzelwettbewerb endet am 6. Dezember 2009.

Der Bundeswettbewerb Fremdsprachen ist ein Projekt von Bildung und Begabung e.V., der "Initiative des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft zur Begabungs- und Begabtenförderung". Die Projekte des Vereins werden laut Eigenangabe "überwiegend durch Zuwendungen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft finanziert".

Ablehnungsbeschluss des Wettbewerbs-Beirats

Der Leiter der Wettbewerbsgeschäftsstelle, Bernhard Sicking, erläuterte die Entscheidung am Montag gegenüber dem Vorsitzenden des Berliner Vereins EsperantoLand e.V., Louis v. Wunsch-Rolshoven: Die Ablehnung von Esperanto beruht auf einem Beschluss des Beirats des Wettbewerbs, "Kunstsprachen" nicht zuzulassen. Eine nähere Begründung hierzu wurde nicht gegeben. (In der Literatur zu Esperanto wird von "Plansprachen" gesprochen, da Esperanto eine aus den nationalen Sprachen geplant entwickelte Sprache ist.)

"Le Monde Diplomatique" in Esperanto

Der Verein EsperantoLand hat der Geschäftsstelle des Wettbewerbs eine Bitte um Änderung des Beschlusses und Zulassung von Esperanto zugesandt. Hierbei wurde darauf verwiesen, dass Esperanto dem internationalen kulturellen Austausch dient, entsprechend den Zielen des Sprachenwettbewerbs. Außerdem wurde die heutige Situation des Esperanto dargestellt - unter Verweis z.B. auf die esperantosprachigen Seiten der Wikipedia, der chinesischen Regierung und der Zeitung Le Monde Diplomatique.

Esperanto war in Deutschland zweimal verboten

Es wurde auch nach den Gründen für den Ausschluss von Esperanto gefragt, unter Hinweis darauf, dass Esperanto in Deutschland zweimal unterdrückt und verboten war - zunächst in Nazi-Deutschland von 1933 bis 1945, dann in der DDR von 1949 bis in die sechziger Jahre hinein. Hitler hatte sich schon in den zwanziger Jahren in "Mein Kampf" gegen das Esperanto gewandt, das 1887 von dem polnisch-jüdischen Augenarzt Ludwig Zamenhof vorgestellt wurde.

Diskriminierung gegen Schüler, die Esperanto lernen?

Weiterhin heißt es in dem Schreiben an den Fremdsprachenwettbewerb: "Ich bitte auch zu prüfen, ob und inwieweit Schüler, die Esperanto gelernt haben und mit dieser Sprache am Wettbewerb teilnehmen möchten, durch eine Ablehnung gegenüber anderen Schülern diskriminiert werden."

Von der Kultusministerkonferenz anerkannt

Seit den fünfziger Jahren ist Esperanto in der Bundesrepublik Deutschland von der Kultusministerkonferenz als Schulsprache anerkannt; es wird auch an einigen Universitäten gelehrt und erforscht. In Ungarn werden jährlich etwa 5000 offizielle Prüfungen in Esperanto abgelegt.

Die Mauer um den Fremdsprachenwettbewerb muss fallen!

Das Schreiben endet mit den Worten: "Die Berliner Mauer ist vor zwanzig Jahren gefallen. Es ist an der Zeit, dass nunmehr auch die Mauer fällt, die der Bundeswettbewerb Fremdsprachen vor dreißig Jahren gegen Esperanto errichtet hat."

 

FDP-Europawahlprogramm auch in Esperanto

23.06.2009

Erst jetzt wurde bekannt, dass die FDP eine Kurzfassung ihres Wahlprogramms auch in Esperanto auf ihre Internetseiten zur Europawahl gestellt hat. Auf sieben Seiten werden die Grundzüge der Politik und die Kandidaten der Partei vorgestellt. Die Esperanto-Übersetzung (pdf) stammt von Klaus Leith.

Außer auf Esperanto ist das Kurzwahlprogramm der FDP auch auf Französisch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Lettisch, Polnisch und Russisch zu finden.

 

© EsperantoLand