Sprachpolitik 

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Nobelpreisträger auf Wahlzettel ohne Professorentitel

03.06.2009

Benachteiligung von "Europa - Demokratie - Esperanto" durch Bundeswahlleiter?

Der Spitzenkandidat von "Europa - Demokratie - Esperanto" (EDE), Prof. Dr. Reinhard Selten, bisher einziger deutscher Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, ist auf dem Europawahlzettel ohne seinen Professorentitel aufgeführt. Demgegenüber treten laut Wahlzettel in den verschiedenen Bundesländern zumindest sieben weitere Professoren - im Amt oder im Ruhestand - zur Wahl an, deren Professorentitel vor ihrem Namen genannt werden. (Vgl. z.B. den Berliner Wahlzettel und die Landeslisten der CDU beim Bundeswahlleiter)

"Verletzung des Grundsatzes der Chancengleichheit"

Der Vorsitzende von EDE, Manuel Cebulla, sieht hierin eine "eklatante Ungleichbehandlung und Verletzung des Grundsatzes der Chancengleichheit"; auf dem Wahlbewerberformular war Selten mit seinem Professorentitel eingetragen worden.

Erst seit heute auf Internetseiten mit Professorentitel

Wie Cebulla mitteilt, habe er vor längerem einen Anruf aus dem Büro des Bundeswahlleiters erhalten mit der Behauptung, dass auf den Stimmzetteln kein Professorentitel vor dem Namen erscheinen dürfe. Als er später feststellte, dass andere Kandidaten auf dem Stimmzettel mit Professorentitel aufgeführt sind, habe er sich mit seinem Widerspruch am 13. Mai an das Büro des Bundeswahlleiters Roderich Egeler gewandt. Bisher sei keine Reaktion erfolgt; auch auf den Internetseiten des Wahlleiters war trotz entsprechender Zusage der Professorentitel von Reinhard Selten bis zum 3. Juni, 11 Uhr, nicht eingefügt worden; dies ist am 3. Juni bis 14.30 Uhr erfolgt. (Dort sind Verweise zu Wahlbewerbern mit "Prof. Dr." z. B. bei CDU, DKP, ödp und 50Plus zu finden.)

EDE fordert stärkere Förderung von Esperanto

Die Vereinigung "Europa - Demokratie - Esperanto" setzt sich für eine stärkere Förderung der internationalen Sprache Esperanto in Europa ein. Hierbei wird auf die zunehmende Verbreitung von Esperanto verwiesen. Diese internationale Sprache wird heute von Menschen in etwa 120 Ländern weltweit gesprochen - selbst die chinesische Regierung veröffentlicht täglich Nachrichten in Esperanto auf ihren Internetseiten.

Wikipedia in Esperanto: 114.000 Artikel

Die Esperanto-Wikipedia umfasst derzeit 114.000 Artikel und hat damit Platz 22 unter den verschiedensprachigen Wikipedia-Versionen inne. Internationale Esperanto-Veranstaltungen werden zunehmend größer, wie zuletzt über Pfingsten der Europäische Esperanto-Kongress mit 350 Teilnehmern aus über 20 Ländern in der "Esperanto-Stadt" Herzberg am Harz gezeigt hat.

Esperanto als Wahlfach an Schulen

"Europa - Demokratie - Esperanto" plädiert als ersten Schritt für die Einführung von Esperanto als Wahlfach an Schulen und die gezielte Förderung von Esperanto-Sprachkursen für die Bürger der EU. Da Esperanto leicht erlernbar ist, unterstütze dies den direkten Dialog der europäischen Bürger. Esperanto könne zum Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit beitragen und die Demokratie in der EU fördern.

Benachteiligung von Esperantosprechern

In der bisherigen Geschichte war Esperanto in mehr als einem Dutzend Ländern das Ziel von Benachteiligung und Verfolgung. In Deutschland wurde Esperanto 1933 aus den Schulen verbannt und war bis zum Kriegsende verboten. Ein erneutes Verbot traf Esperanto in der DDR von 1949 bis 1961.

EU-Kommission: Ausschluss von Esperanto aufgehoben

Die Kommission der Europäischen Union schloss 2005 in ihrer " Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit", Esperanto als sog. "künstliche Sprache" ausdrücklich von der Förderung aus, da es "keine kulturellen Bezüge" gebe. Angesichts von jährlich etwa 120 Esperanto-Büchern - davon etwa 70 Romanen, Erzählungen und Gedichtbänden - war diese Begründung schwer nachzuvollziehen. Mittlerweile vertritt die Europäische Kommission den Standpunkt, dass Sprachenkenntnisse generell vorteilhaft sind; sie hat daher ihre Förderung auf alle Sprachen ausgedehnt und bereits einzelne Esperanto-Projekte gefördert.


Zusatz 4. 6. 2009, 0.10 Uhr:

Ein Antwortschreiben des Bundeswahlleiters findet sich bei EDE.

Ein Kommentar dazu steht in unserem Forum.


Zusatz 4. 6. 2009, 12.25 Uhr:

Die Bonner Zeitung Express hat über das Thema berichtet.


Kontakt

"Europa - Demokratie - Esperanto" (EDE)
Bundesvorsitzender
Manuel Cebulla
Witteringstr. 47, 45130 Essen
Tel. 0201/7845-36


Bundeswahlleiter
Wiesbaden
Tel. 0611 / 75 23 39 (Zentrale 0611 - 75 1)

 

Wieviele Menschen sprechen Esperanto?

16.05.2009

Lange Zeit war diese Frage nur schwierig und mit großen Unsicherheiten zu beantworten. Vor ein paar Jahren gab es jedoch in Litauen und Ungarn Volkszählungen, bei denen auch nach Sprachkenntnissen gefragt wurde.

Esperanto-Kenntnisse in der EU und weltweit

Wenn man die Ergebnisse auf die Europäische Union hochrechnet, kommt man auf etwa 80.000 bis 150.000 Personen in der EU, die Esperanto sprechen. Für die gesamte Welt ergibt sich ungefähr das Doppelte, etwa 160.000 bis 300.000 Esperantosprecher. Für die Hochrechnung wurde die Verteilung der Mitglieder des Esperanto-Weltbunds auf die einzelnen Länder zugrunde gelegt. Die geringere Zahl ergibt sich aus der litauischen Volkszählung, die höhere aus der ungarischen.

Die angegebenen Zahlen sind eine Schätzung für diejenigen Personen, die bei einer Volkszählungs-Frage nach ihren Sprachkenntnissen auch Esperanto nennen, das sie "sprechen und/oder schreiben" können (so die Formulierung für Sprachkenntnisse in Litauen). Personen, die Jahrzehnte vorher Esperanto gelernt und gesprochen haben, es aber heute nicht mehr anwenden, werden vermutlich nur selten angeben, das sie Esperanto sprechen und schreiben.

200.000 oder 2 Millionen?

Es ist gut denkbar, dass weltweit 100.000 bis 200.000 Menschen Esperanto fließend und regelmäßig sprechen - während es vielleicht zehnmal so viele Menschen gibt, die Esperanto teilweise vor vielen Jahren oder Jahrzehnten zuletzt benutzt haben und die es eher zögerlich sprechen. Sidney S. Culbert hatte um 1988 die Größe dieser zweiten Gruppe auf der Grundlage von regionalen Erhebungen auf zwei Millionen geschätzt; seine Angaben sind u.a. in "The World Almanac" und auf ethnologue.com übernommen worden.

4565 Esperantosprecher in Ungarn

Bei der Volkszählung 2001 haben in Ungarn 4565 Personen Esperanto als Fremdsprache angegeben. Damit lag Esperanto auf Platz 18 aller Fremdsprachen, die in Ungarn beherrscht werden. Vergleicht man nur mit den 23 offiziellen EU-Sprachen, so landet Esperanto auf Platz 12 - hinter Polnisch und Tschechisch (8626 bzw. 4702), aber z.B. vor den skandinavischen Sprachen (insgesamt 4502), Griechisch (3238), Bulgarisch (2214) oder Portugiesisch (1681). Die drei baltischen Sprachen (Estnisch, Lettisch und Litauisch) werden von insgesamt 153 Personen gesprochen. Unter 100.000 Ungarn haben etwa 45 Personen Sprachkenntnisse in Esperanto angegeben.

Laut den Ergebnissen der Volkszählung ist Deutsch die am meisten beherrschte Fremdsprache in Ungarn mit 1.007.012 Personen. Englisch liegt mit 997.908 Personen etwa gleich. Es folgen Ungarisch (bei Minderheiten, 630.849), Russisch (194.449) und Französisch (115.881). Insgesamt wurden in Ungarn 10.198.315 Einwohner gezählt.

Platz 16 für Esperanto in Litauen

2001 haben in Litauen 844 Personen angegeben, Esperanto sprechen und/oder schreiben zu können. Esperanto liegt damit auf Platz 16 der Fremdsprachen; berücksichtigt man nur die 23 offiziellen EU-Sprachen, nimmt Esperanto auch in Litauen Platz 12 ein. Kurz vor Esperanto liegen Tschechisch (947) und Dänisch (858). Dahinter liegen z.B. Norwegisch (662), Estnisch (508), Finnisch (381), Portugiesisch (281), Ungarisch (246) und Rumänisch (166). Unter 100.000 Litauern haben etwa 24 Personen Sprachkenntnisse in Esperanto angegeben.

Litauen gehörte bis 1991 zur Sowjetunion. So überrascht es nicht, dass die Hälfte der Bevölkerung Russisch beherrscht, 2.099.928 Personen. Danach folgen Englisch (589.553), Litauisch (bei nationalen Minderheiten, 355.846), Polnisch (307.678), Deutsch (284.896) und Französisch (67.520). Insgesamt wurden in Litauen 3.483.972 Personen gezählt.

Kommunikation zwischen Ungarn und Litauen

Anhand der Zahlen kann man sich die Frage stellen, wie sich Litauer und Ungarn unterhalten können. 246 Litauer sprechen Ungarisch und können direkt mit Ungarn sprechen. Umgekehrt spricht eine nicht genau bekannte Anzahl von ungarischen Bürgern Litauisch; da für baltische Sprachen insgesamt 153 Sprecher angegeben wurden, dürfte diese Zahl in der Größenordnung von 100 Personen liegen.

Wer nicht zu diesen Sprachkundigen gehört - und auch nicht das Glück hat, dass der Gesprächspartner die eigene Sprache gelernt hat - kann vielleicht auf eine der international benutzten Verkehrssprachen vertrauen. So können z.B. 60 % der Litauer mit 2 % der Ungarn auf Russisch sprechen, 17 % der Litauer können sich mit 10 % der Ungarn auf Englisch verständigen und 8 % der Litauer, die Deutsch sprechen, finden in Ungarn bei 10 % der Bevölkerung einen Gesprächspartner. Mit Französisch ist es schon schwieriger - nur 2 % der Litauer sprechen es und nur 1 % der Ungarn; Spanisch wird in beiden Ländern von weniger als einem viertel Prozent der Bevölkerung gesprochen. Es liegt nahe, anzunehmen, dass die Kommunikation der beiden Länder in starkem Maße Englisch benutzt und in etwas geringerem Maße Deutsch.

EU-Mehrsprachigkeitskommissar Orban gegen Lingua franca

Was dürfte Leonard Orban, Kommissar für Mehrsprachigkeit der Europäischen Union, zu diesen Zahlen sagen? Er propagiert das Lernen fremder Sprachen, spricht sich aber vehement gegen eine EU-Verkehrssprache aus. So ist in seinem Forum zur Mehrsprachigkeit zu lesen, er "halte nicht viel von einer Lingua franca, sei es nun Esperanto, Latein oder … Englisch".

Es scheint, dass das Engagement von Herrn Orban gegen eine Lingua franca bei den Bürgern keine rechte Aussicht auf Erfolg hat: Wer fremde Sprachen lernt, der wählt in erster Linie solche, die er international als Verkehrssprache benutzen kann; außerdem werden häufig Nachbarsprachen gelernt, wie die beiden Statistiken zeigen. Auch in den EU-Institutionen wie z.B. der Kommission ist im übrigen das Englische de facto die am meisten genutzte lingua franca - unabhängig von der Meinung von Herrn Orban.

Esperantosprecher: Im Schnitt 3,3 Fremdsprachen

Esperanto wird von den meisten seiner Sprecher als ergänzende Sprache gelernt; es erstaunt sicher nicht, dass nach Statistiken aus mehreren Ländern die Esperantosprecher im Schnitt mehr als drei Fremdsprachen sprechen - also neben Esperanto noch etwa zwei Verkehrssprachen oder Nachbarsprachen. Nach einer Statistik des finnischen Erziehungsministeriums sprachen schon 1983 nur 14 % der befragten Esperantosprecher außer Esperanto keine weitere Fremdsprache. Vermutlich ist seither die Kenntnis von Fremdsprachen eher angestiegen.

Häufig interessieren sich für Esperanto Menschen, die schon eine oder zwei Fremdsprachen gut sprechen. Außerdem beflügelt Esperanto durch die vielen internationalen Kontakte das Erlernen weiterer Sprachen. Es ist daher keine wirkliche Überraschung, dass die Esperantosprecher mit durchschnittlich 3,3 Fremdsprachen wohl die einzige Sprachgemeinschaft darstellen, die das erklärte EU-Ziel, jeder solle zwei Fremdsprachen beherrschen, zumindest im Schnitt seit langem deutlich übererfüllt haben.

Keine vergleichbaren Zahlen für andere Länder

Interessant wäre es, entsprechendes Material auch für andere Länder zu erhalten. Anscheinend taucht Esperanto außer in den genannten Ländern nur noch in der Volkszählung 2006 in Neuseeland auf. Dort wurden 123 Personen als Esperantosprecher gezählt - es ist allerdings zu berücksichtigen, dass die entsprechende Frage nicht nach Muttersprache und Fremdsprache unterschied. Deshalb haben vermutlich viele Befragte neben ihrer Muttersprache kaum Fremdsprachen genannt.

Denkbar ist, dass auch in anderen Ländern nach Fremdsprachen gefragt wurde, aber die Antworten zu Esperanto nicht veröffentlicht wurden; auch die Ergebnisse der litauischen Volkszählung zu Sprachenkenntnissen sind nur auszugsweise im Internet veröffentlicht.

Dem Statistischen Bundesamt liegen keine entsprechenden Daten für die Sprachkenntnisse der deutschen Bevölkerung vor. Auch eine Anfrage bei Roger Nunn, Pressereferent beim EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, ergab keine weiteren Informationen über die Esperanto-Kenntnisse der EU-Bürger.

Andere Statistiken zu Sprachen

Die Daten der beiden Volkszählungen in EU-Ländern vergleichen Esperanto mit anderen Fremdsprachen, also gelernten Sprachen. Es ergibt sich dadurch eine etwas günstigere Position für Esperanto als bei anderen statistischen Vergleichen, etwa zur Größe der Wikipedia, zu ihrer Nutzung oder zu den Sprachen im Internet insgesamt. Bei diesen wird die Nutzung durch Muttersprachler und Lerner zusammengezählt - und daher liegt Esperanto etwas weiter hinten, weil es nur etwa 200 bis 2000 Esperanto-Muttersprachler gibt, weniger als 1 % der Esperantosprecher.

Esperanto-Wikipedia

Derzeit hat Esperanto mit etwa 110.000 Artikeln Platz 22 im Vergleich mit den anderen Wikipedia-Versionen. Nach der Häufigkeit der Seitenaufrufe liegt Esperanto etwas ungünstiger, auf Platz 35. (Der Überblick zeigt etwa Platz 50, da auch Projekte wie Wikimedia aufgelistet werden.)

Esperanto-Texte im Internet

Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2000 von Gregory Grefenstette und Julien Nioche lag Esperanto damals im Internet nach der Textmenge auf Platz 27 der Sprachen mit lateinischer Schrift; im Vergleich mit allen Sprachen dürfte das etwa Platz 40 entsprechen.

Beeindruckender Aufstieg von Esperanto

Gelegentlich wird Esperanto als ein erfolgloses Projekt angesehen - es habe sich nicht "durchgesetzt", wird gesagt. Betrachtet man die Position von Esperanto im Vergleich mit anderen Sprachen im Verlauf der 122 Jahre seit der Veröffentlichung des ersten Lehrbuchs 1887, ergibt sich ein etwas anderes Bild. Damals gab es einen einzigen Esperantosprecher, den Autor der Sprache Ludwig Zamenhof, und Esperanto war damit die kleinste unter weltweit zu jener Zeit etwa 8000 Sprachen. Nur ein Jahrhundert später hat sich Esperanto - je nach Statistik - auf einen der vorderen fünfzig Plätze der Sprachen der Welt vorgearbeitet.

Einen vergleichbaren Aufstieg einer Sprache hat es in der Weltgeschichte vermutlich noch nicht gegeben. Das Englische besteht beispielsweise seit etwa 1500 Jahren; 1000 Jahre nach seiner Entstehung hatte es die britischen Inseln noch nicht verlassen.

Esperanto hat eine Eigenschaft, die es mit keiner anderen Sprache teilen muss: Es wurde und wird schon wegen seiner Idee an sich gelernt und wegen seines überragend einfachen Aufbaus. Die Tatsache, dass es heute in etwa 120 Ländern der Welt Esperantosprecher gibt, und die wachsende Verwendung der Sprache im Internet und in der Musik, bei internationalen Begegnungen und in außereuropäischen Ländern - das alles trägt zu seiner weiteren Verbreitung erheblich bei.

Louis F. v. Wunsch-Rolshoven, EsperantoLand


Der Artikel ist in Esperanto auch auf unseren esperantosprachigen Seiten und bei Libera Folio erschienen; dort mit Diskussion.

 

Esperanto in Europa-Wahlprogrammen

17.04.2009

Im Europa-Wahlprogramm von Bündnis90/Die Grünen wird auch Esperanto erwähnt. Im Abschnitt 8. "Kultur, Bildung und Forschung" heißt es: "Basis und Ausdruck der kulturellen Vielfalt sind die Sprachen Europas – nicht nur Sprachen der Mehrheitsgesellschaften, sondern auch der Minderheiten sowie Esperanto als internationale Sprache der Völkerverständigung."

Grüne Welt-Charta in Esperanto

Die Erwähnung von Esperanto ist für die Grünen offensichtlich etwas mehr als ein reines Lippenbekenntnis - auf der Seite "Dokumente & Publikationen" findet sich ein Verweis auf die Esperanto-Version der "Grüne Welt-Charta"; damit gelangt man zur Seite des Verbands der esperantosprachigen Grünen.

Europa - Demokratie - Esperanto

Bei den diesjährigen Wahlen zum EU-Parlament bewirbt sich auch eine Vereinigung "Europa - Demokratie - Esperanto" (EDE), für die Esperanto - schon im Namen ablesbar - einen großen Stellenwert hat. Laut Kurzprogramm für die Europawahl 2009 will EDE u.a., dass "dem Thema Sprachen in Europa größere Aufmerksamkeit geschenkt wird". EDE schlägt Esperanto als gemeinsame Sprache für Europa vor. Dabei soll Esperanto "die anderen Sprachen nicht verdrängen, sondern im Gegenteil zu ihrer Stärkung und Bewahrung beitragen".

 

Vorschlag "Esperanto" bei den Europäischen Bürgerkonferenzen

05.03.2009

Bei den "Europäischen Bürgerkonferenzen" werden Ende März Vorschläge zur wirtschaftlichen und sozialen Zukunft Europas diskutiert. Derzeit liegt der Vorschlag "Sprachliche Gleichberechtigung, Schutz von Minderheitensprachen, Esperanto" mit 215 Stimmen an der Spitze der in Deutschland eingegangenen Vorschläge.

Noch bis zum 27. März kann man abstimmen, um die eigenen Vorstellungen auf die Tagesordnung der Bürgerkonferenzen zu bringen.

Die "Europäischen Bürgerkonferenzen" sollen die Teilnahme der Bürger am Entscheidungsprozess der EU verstärken. Seit Dezember können Vorschläge eingebracht und zur Diskussion gestellt werden. In jedem EU-Land werden die zehn Vorschläge mit den meisten Stimmen im März in nationalen Konferenzen diskutiert und es werden Empfehlungen erarbeitet. Nach weiterer Diskussion und Abstimmung wird im Mai in Brüssel ein "Europäischer Bürgergipfel" stattfinden.

 

Esperanto-Unterricht an brasilianischen Schulen

23.02.2009

Möglicherweise wird Esperanto an brasilianischen Schulen ordentliches Lehrfach auf freiwilliger Basis. Im brasilianischen Senat läuft derzeit hierfür das Gesetzgebungsverfahren; laut Beschlussvorlage ist die Einführung der Regelung in drei Jahren geplant.

Den Antrag hat im Februar 2008 der Senatsabgeordnete Cristovam Buarque eingebracht, ehemaliger Kulturminister und früherer Rektor der Universität von Brasilia. ( Antrag mit Begründung im Original (pdf))

Eine Sprache für den Frieden

In seiner Begründung betont Senator Buarque die Bedeutung eines schulischen Unterrichts für den Frieden. Er bezeichnet die Esperanto-Sprachgemeinschaft als eine Initiative für den Frieden und für das Zusammenwachsen der Welt mit einer gemeinsamen Sprache. Obwohl das Englische und Computerübersetzungen die Werkzeuge für die linguistische Integration der Welt seien, werde Esperanto von Millionen von Menschen weltweit genutzt, die eine riesige Friedensbewegung darstellen würden. Wenn die Schule sich für den Frieden einsetzen wolle, könne der freiwillige Unterricht von Esperanto hierbei ein wichtiger Faktor sein, nicht nur wegen der Sprache, sondern auch wegen des Friedensgeistes, den sie simbolisiere.

Positiver Bericht im Kulturausschuss

Die Gesetzesvorlage beinhaltet die Einfügung eines kurzen Absatzes im brasilianischen Gesetz über die Leitlinien und Grundlage der Erziehung. Die Vorlage wird derzeit in der Kommission für Erziehung, Kultur und Sport des brasilianischen Senats behandelt. Der Berichterstatter, Senator Marcelo Crivella, hat der Kommission in seiner Stellungnahme die Annahme des Gesetzesprojektes und damit die Weiterleitung an das Plenum des Senats empfohlen.

Die Gesetzesänderung im Wortlaut

Das brasilianische Gesetz über die Leitlinien und Grundlage der Erziehung ( Gesetz Nr. 9.394 vom 20. Dezember 1996) bestimmt in Artikel 26, Absatz 5:

"Im variablen Teil des Unterrichts wird, ab dem fünften Jahr als Pflicht, der Unterricht von zumindest einer modernen Fremdsprache miteingeschlossen, deren Auswahl die Schulgemeinschaft trifft, je nach den Möglichkeiten der Bildungseinrichtung."

Der neue Absatz 6 ergänzt hierzu:

"Esperanto wird freiwilliges Unterrichtsfach im mittleren Schulbereich sein, wobei das Angebot verpflichtend ist, wenn die Nachfrage dies rechtfertigt."

Falls das Gesetz angenommen wird, kann in Brasilien der Unterricht von Esperanto ab etwa der fünften Schulklasse eingefordert werden. Die brasilianischen Esperanto-Verbände untersuchen bereits, wie für eine ausreichende Anzahl von Esperantolehrern gesorgt werden kann.

 

Schweizer Kantonsparlament erbittet Unterstützung für Esperanto

19.02.2009

Das Kantonsparlament von Neuchâtel (Neuenburg) in der Schweiz - der sogenannte Große Rat - hat in einem Beschluss die Kantonsregierung gebeten, Möglichkeiten zu untersuchen, wie die Tätigkeit der Esperantosprecher im Kanton unterstützt werden kann. Die Entschließung erwähnt die internationale Bekanntheit des Esperanto-Zentrums in La-Chaux-de-Fonds und des dortigen Dokumentations- und Studienzentrums der internationalen Sprache.

Dies berichtet das regionale Radio RTN in einem Beitrag über die Beschlüsse des Großen Rats von Neuchâtel (französischer Originaltext des Beschlusses).

Die Beschlussvorlage von Alain Bringolf (Partei der Arbeit), die von 27 Abgeordneten unterzeichnet wurde, hat der Große Rat mit 60 Stimmen gegen 41 angenommen. Die weitere Behandlung der Initiative liegt nun in den Händen von Sylvie Perrinjaquet von der Freisinnig-Demokratischen Partei (Liberale) und der von ihr geleiteten Abteilung für Erziehung, Kultur und Sport des Staatsrats von Neuchâtel.

 

Esperanto in US-Schulen

11.12.2008

Der Vorschlag, Esperanto als Fremdsprache in US-Schulen einzuführen, hat derzeit Platz 2 im Bereich Erziehung der "Ideas for Changing America" des zukünftigen US-Präsidenten Obama erreicht. Damit ist es möglich, dass der Vorschlag in Runde 2 der Ideensammlung für einen Wandel in Amerika gelangt. Bisher sind 385 Stimmen aus aller Welt für den Vorschlag eingegangen.

Der Vorschlagstext unterstreicht, dass ein Erlernen von Esperanto vor anderen Fremdsprachen deren späteres Erlernen erleichtert. Hierbei wird insbesondere die Einfachheit der Grammatik und die kulturelle Flexibilität des Esperanto betont. In vielen Kommentaren werden verschiedene weitere Argumente erwähnt und diskutiert.

Der Vorschlag erläutert nicht, ob Esperanto generell vor anderen Sprachen gelernt werden soll, oder ob dies nur als Möglichkeit angeboten werden soll. Angesichts der Tatsache, dass Fremdsprachenlernen in den USA einen vergleichsweise geringen Stellenwert hat, ist eher von Esperanto als einem freien Angebot auszugehen.

 

Politische Vereinigung für Esperanto

27.10.2008

Ende Juli hat sich in Wiesbaden der deutsche Zweig einer politischen Vereinigung "Europa Demokratie Esperanto" (EDE) als Verein gegründet. Die Vereinigung hat eine Kandidatenliste aufgestellt; sie beabsichtigt, an der Europawahl 2009 teilzunehmen. Spitzenkandidat ist Prof. Reinhard Selten, Nobelpreisträger für Wirtschaft 1994, der seit vielen Jahrzehnten Esperanto spricht.

Unterstützungsaufruf in "Esperanto aktuell"

In der im Oktober herausgekommenen Ausgabe 2008/5 der Zeitschrift "Esperanto aktuell" des Deutschen Esperanto-Bundes wird über den Verein berichtet; weiterhin wird in einer vierseitigen eingehefteten "Sonderveröffentlichung" ein Aufruf zur Unterstützung durch Unterschriften veröffentlicht; die Sonderveröffentlichung enthält auch in drei Exemplaren ein Formblatt für eine Unterstützungsunterschrift für den Wahlvorschlag (d.h. die - nicht beigefügte - Kandidatenliste). Der Redakteur von "Esperanto aktuell", Alfred Schubert, ist Vorstandsmitglied von EDE und an sechster Stelle auf der Kandidatenliste zu finden.

Im Aufruf des Vorsitzenden von EDE in Deutschland, Manuel Cebulla, ist zu lesen, mit einer Unterschrift stärke man "denjenigen aktiven Esperantisten den Rücken", die sich in den "etablierten Parteien" "bislang vergebens um die Aufnahme von Esperanto in deren politische Programme bemühen". Es wird nicht ausgeführt, in welchen Parteien solche Bemühungen bisher stattgefunden haben und in welcher Formulierung eine "Aufnahme von Esperanto" in politischen Programmen beabsichtigt war.

Resolution der Grünen, Anträge der Radikalen Partei

Auf seinen Internet-Seiten berichtet hingegen Dr. Ulrich Matthias, stellvertretender Vorsitzender von EDE in Deutschland und dritter auf der Kandidatenliste, dass die Europäischen Grünen 1999 in Paris eine Resolution zu Esperanto verabschiedet haben. Danach unterstützen die Grünen die Idee, im Europa-Parlament eine "Kommission zur Untersuchung möglicher Lösungen zum Schutz des sprachlichen Öko-Systems" einzurichten. Ziel sei eine "effiziente und demokratische Lösung", "einschließlich der Hypothese, Esperanto als europäische föderative Sprache anzunehmen". Laut U. Matthias unterstützt auch die italienische "Radikale Partei", die im Europa-Parlament vertreten ist, in gewissem Maße Esperanto, auch durch Anträge im Europa-Parlament.

Esperantosprachige Europaparlamentarierin

Ulrich Matthias erwähnt auch eine esperantosprachige Europa-Parlamentarierin, Malgorzata Handzlik, von der polnischen "Platforma Obywatelska" (Bürger-Plattform).

Hauptziel: "Wirkliche europäische Demokratie"

Laut Aufruf des deutschen EDE-Vorsitzenden Cebulla ist das Hauptziel, "die Grundlagen zu schaffen für eine wirkliche europäische Demokratie". Nach Auffassung der EDE ist diese "nur möglich, wenn sich die Bürger und ihre Volksvertreter über alle Grenzen hinweg verständigen können". Es folgt eine kategorische Feststellung: "Und das geht unserer Überzeugung nach nur mittels Esperanto." Das Ziel ist hochgesteckt: "Daher fordert EDE die Zulassung von Esperanto als Amtssprache und Verständigungssprache in den europäischen Institutionen und die europaweite Einführung von Esperanto als erste Fremdsprache in den Schulen."

Deutscher Esperanto-Bund: "Nicht ganz so radikal"

Andere Esperantosprecher sind deutlich zurückhaltender in ihren Zielen. Der Vorsitzende des Deutschen Esperanto-Bundes, Rudolf Fischer, erklärte vor kurzem zu EDE in einem Interview mit "Cicero": "Ich bin da nicht ganz so radikal, ich würde es schon für einen Durchbruch halten, wenn irgendeine internationale Organisation sagen würde, wir setzen das jetzt ein als Verständigungsmittel."

Rege Diskussion zur EDE

In einer Esperanto-Diskussionsliste wurde geäußert, es sei eine Illusion, die Ziele des Esperanto auf diese Weise erreichen zu können. Man würde außerdem riskieren, die Unterstützung anderer Parteien für die Ideale des Esperanto zu verlieren. Hierzu kamen zustimmende Beiträge. In anderen Kommentaren wurde die "politische Weisheit" des - etwas mageren - Programms angezweifelt; es wurde auch bemerkt, es sei nicht als serös anzusehen, wenn die europäische Verfassung nur im Hinblick auf sprachliche Diskriminierung kommentiert werde.

Esperanto als Wahlfach an Schulen und Universitäten

Der Vorsitzende des Vereins "EsperantoLand", Louis v. Wunsch-Rolshoven, schlug ein tiefer gestecktes politisches Ziel für die Esperantosprecher vor - wenn man denn politisch aktiv sein wolle: Man solle nicht fordern, dass Esperanto generelle erste Fremdsprache werde; es solle zunächst überhaupt als wählbare Fremdsprache in das Angebot der Schulen und Universitäten aufgenommen werden. Esperanto habe weltweit etwa das Verhältnis 1:1000 im Vergleich zum Englischen erreicht und breite sich weiter aus. Daher sei es auch angemessen, dass für Esperanto 1/1000, also 0,1 % der staatlichen Mittel aufgewendet werde, die für das Englische ausgegeben werden. Dies solle sowohl Unterricht an Schulen als auch Lehre und Forschung an Universitäten betreffen.

An Schulen umfasst der Englisch-Unterricht von der dritten bis zur zwölften Klasse derzeit in vielen Fällen 1000 oder gar 2000 Stunden. 0,1 % der Mittel könnte z. B. bedeuten, dass ein Prozent der Schüler, also jeder hundertste Schüler, Esperanto als Wahlfach im Gesamtumfang von hundert Stunden lernen kann.

[Esperanto aktuell u.a.]

 

Polnisches Parlament ehrt Esperanto-Weltbund

12.06.2008

Der Sejm, das polnische Parlament, hat am 12. 6. einstimmig eine Resolution zum 100jährigen Geburtstag des Esperanto-Weltbunds beschlossen. "Esperanto verbindet Menschen in einer reichen und wertvollen Kultur, deren grundlegende Botschaft internationale Freundschaft und universeller Frieden ist", zitiert die polnische Internetseite Onet.pl die Entschließung.

Indem er Esperanto geschaffen hat, wollte Dr. Zamenhof "allen Menschen die Möglichkeit geben, sich unabhängig von Nationalität, Rasse, Religion und eigener Weltanschauung" zu verständigen und zu verstehen, erklärten die Parlamentarier in ihrem Beschluss laut der (englischsprachigen) Meldung des polnischen Rundfunks Polskie Radio.

"In seinem Wunsch, den Beitrag von Dr. Ludwik Zamenhof zum Welterbe der Zivilisation zu ehren, unterstützt der Sejm die Bemühungen internationaler Kreise, den Esperanto-Weltbund mit dem Friedens-Nobelpreis zu ehren", heißt es in der Resolution weiter.

Ludwik Zamenhof hat die Grundlagen der Sprache schon als Gymnasiast in Bialystok zusammengestellt. Er hat das erste Esperanto-Lehrbuch 1887 in Warschau veröffentlicht.

[landa agado]

 

"Esperanto-Professur wäre möglicherweise Bereicherung"

12.01.2008

Der Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Sardina ist der Auffassung, es wäre "möglicherweise schon eine Bereicherung", eine Esperanto-Professur bei den Sprachwissenschaften an der Universität Hamburg einzurichten. Allerdings sieht er angesichts des Sparkurses in Hamburg derzeit keine Spielräume hierfür. Alexander-Martin Sardina verweist in seiner Äußerung bei abgeordnetenwatch.de darauf, dass von Sprachwissenschaftlern Esperanto in entsprechende wissenschaftliche Betrachtungen immer auch mit einbezogen werde, sofern dies möglich sei.

Esperanto an Schulen

Nach Ansicht von Herrn Sardina "spräche vielleicht nichts gegen außerunterrichtliche Esperanto-AGs, möglicherweise ähnlich dem konsularischen Sprachunterricht in Hamburg (Zeugniserwähnung)". Demgegenüber hält er die Überlegung, Esperanto-Unterricht auf Pflichtstunden anzurechnen, für "schlichtweg absurd". Es könnten derzeit schon die Vorgaben der Stundentafel (d.h. des zu erteilenden Unterrichts) nicht erfüllt werden, da nicht ausreichend Stunden zur Verfügung stünden.

0,1 % der Englisch-Etats für Esperanto

Der Fragesteller Louis v. Wunsch-Rolshoven hatte argumentiert, es scheine angemessen, wenn "die deutschen Schulbehörden und Universitäten etwa 0,1 % ihres Etats für Englisch-Unterricht und -Forschung nunmehr für Esperanto aufwenden". Ein Verhältnis von 1:1000 entspräche dem Verhältnis von Esperanto gegenüber dem Englischen, z. B. hätten sich einige zehntausend Deutsche dafür entschieden, Esperanto zu lernen. Ein Anteil von 0,1 % lasse sich wegen der natürlichen Fluktuation schon in einem Jahr erreichen, sogar bei Reduzierung der Gesamtausgaben.

[abgeordnetenwatch.de]

 

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