Sprachpolitik 

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"Übergang zu Esperanto wäre nicht möglich"

29.10.2003

"Der enorme Wandel in den Bereichen Kultur, Erziehung und Sprache, den die Einführung von Esperanto als Hauptsprache erfordern würde, wäre einfach nicht möglich", heißt es in einer internen Argumentationshilfe aus Brüssel für Neil Kinnock, Mitglied der EU-Kommission und zuständig für Übersetzen und Dolmetschen. Kinnock soll durch den Text auf Fragen von Journalisten zur zukünftigen Sprachpolitik der Europäischen Union vorbereitet werden.

Englisch als nichtoffizielle EU-Arbeitssprache

Die derzeitigen Überlegungen in der EU-Kommission scheinen darauf hinauszulaufen, das Englische als nichtoffizielle Arbeitssprache zu etablieren - und so die Vielsprachigkeit der Europäischen Union mit möglichst geringem Aufwand zu erhalten. Das Englische ist mittlerweile schon die einzige Brückensprache für die Dolmetscher bei Debatten im Europäischen Parlament und die am häufigsten verwendete Sprache für wichtige Dokumente. Die Bürger Europas bekunden zunehmend ihre Unruhe bezüglich der Zukunft ihrer Sprachen auch für Film, Musik, Universität oder als Arbeitssprache in großen Unternehmen.

Neue Argumentationslinie

Mit der Feststellung, der Wandel zu Esperanto wäre "einfach nicht möglich", würde die EU-Kommission eine neue Argumentationslinie einschlagen - bisher wurden in der Regel vorhandene oder nicht vorhandene Eigenschaften des Esperanto als Argument dagegen angeführt. Nach der Behauptung, der Übergang zu Esperanto wäre zu aufwendig, wird vermutlich die Frage auftauchen, auf welche Studien sich diese Aussage denn stütze und welche Mittel ein möglicher Wandel zu Esperanto erfordere. Es bleibt abzuwarten, welche Antworten hierauf gegeben werden.

Esperanto im täglichen Leben

Neil Kinnock, der vor zwei Jahrzehnten Mitglied der Esperanto-Parlaments-Gruppe in Großbritannien war, äußert sich heute in offiziellen Stellungnahmen skeptisch zu Esperanto. Er schrieb im vergangenen Jahr zu dieser internationalen Sprache: "Die Benutzung einer Sprache, die nicht im täglichen Leben benutzt wird, würde das Risiko mit sich bringen, dass man nicht die breite Vielfalt der Mitteilungen und Ideen übermitteln könnte, die bei Sitzungen ausgedrückt werden." Dieses Argument wird im Laufe der Jahre weiter an Bedeutung verlieren, wenn die praktische Verwendung des Esperanto bei internationalen Veranstaltungen und im Internet weiter wie in den vergangenen Jahrzehnten zunimmt. Jedenfalls ist das Argument durch die Esperantosprecher kaum mit Worten aus der Welt zu schaffen, sondern nur mit einer weiteren Ausweitung der Esperanto-Anwendung.

[Ondo de Esperanto]

 

Hungerstreik für Sprachenkonferenz beendet

22.10.2003

Die italienische Unterrichtsministerin Leticia Morati wird am 23. Oktober eine Delegation der Radikalen Partei empfangen, um über eine mögliche Sprachenkonferenz zu sprechen. Der Sekretär der Esperanto-Vereinigung der Radikalen Partei, Giorgio Pagano, hat daher seinen Hungerstreik nach 18 Tagen unterbrochen. Die Kampagne für die Unterstützung der Forderung nach einer Sprachenkonferenz "Kommunikation und Sprachen im Europa der 25" dauert unterdessen an.

Schriftliche Anfrage eines italienischen Abgeordneten

Der Abgeordnete Alessandro Maran hat eine offizielle schriftliche Anfrage an die Unterrichtsministerin Leticia Morati eingereicht wegen der Behandlung des Themas Sprachenkonferenz durch die Ministerein.

[lingvo]

 

Hungerstreik für Sprachenkonferenz in Italien

16.10.2003

Die italienische Zeitung "Corriere della Sera" hat über den Hungerstreik berichtet, den Giorgio Pagano von der Radikalen Partei am 26. September begonnen hat, um eine "Europäische Sprachenkonferenz" zu erreichen. Nach Auffassung von Pagano hat die italienische Erziehungsministerin Letizia Moratti versprochen, während der italienischen EU-Präsidentschaft eine solche Konferenz einzuberufen, was aber bisher nicht erfolgt ist.

Desweiteren berichtet der "Corriere della Sera" über die anwachsenden Übersetzungs-Probleme bei der Europäischen Union mit bald 20 nationalen Sprachen und die Eigenschaften und Vorteile von Esperanto. Esperanto habe bisher nicht obsiegen können, verbreite sich aber weiter. Die Zeitung erwähnt die Nutzung von Esperanto in der katholischen Kirche, bei Radio Peking und die Verfolgung von Esperantosprechern unter Stalin.

Radikale Partei erinnert Ministerin an Zusagen

Die Esperanto-Vereinigung der Radikalen Partei, "Esperanto Radikala Asocio", hat die Ministerin in einem Brief daran erinnert, dass sie selbst die Initiativen im Sprachenbereich habe weiter fördern wollen, so wie sie mit Direktor Giunta La Spada vom Erziehungsministerium besprochen seien. Pagano zeigt sich erstaunt, dass die Ministerin in einem Brief vom 31. Juli von einer "schwierigen Situation im Rahmen der Orientierung der Europäischen Union" spricht; keine Vereinbarung der EU hindere einen Mitgliedsstaat, eine Konferenz zu "Kommunikation und Sprachen im Europa der 25 Mitgliedsstaaten" durchzuführen. Die Radikale Partei bittet darum, ihren Aufruf im Internet zu unterschreiben.

[Esperanto Radikala Asocio, lingvo]

 

Weltföderalisten rufen zum Lernen von Esperanto auf

09.08.2002

Beim 24. Weltkongress der Welt-Föderalisten-Bewegung in London wurde eine Resolution zu Gunsten von Esperanto verabschiedet, in der die Mitglieder der Vereinigung aufgerufen werden, die internationale Sprache Esperanto zu lernen. Der Beschluss bekräftigt eine Resolution aus dem Jahre 1977, in der die Welt-Föderalisten ihre Mitglieder bereits zur Verwendung von Esperanto angeregt haben.

Der bei dem Föderalisten-Weltkongress (11. - 15. Juli 2002) gefasste Beschluss bekräftigt, dass die Esperantosprecher die föderalistischen Ideale einer Weltbürgerschaft und gleicher Rechte für alle Mitglieder der Welt-Gemeinschaft teilen.

Resolution of World Federalist Movement London, 2002.07.11-15

English original:

WHEREAS a democratic world federation requires the exchange of ideas among everyone in the world community,

WHEREAS the Esperanto movement supports the World Federalist ideals of world citizenship and the equal rights of all members of the world community,

WHEREAS this organization [WFM] in 1977 adopted a resolution supporting the use of Esperanto by World Federalists,

WHEREAS the World Federalist Movement is a member of the Coalition for an International Auxiliary Language,

BE IT RESOLVED THAT the World Federalist Movement encourage its members to learn the non-national language Esperanto.

[e-inf]

 

EU-Organisationen bevorzugen Englisch-Muttersprachler

30.05.2002

Der Esperanto-Weltbund hat bei dem Europäischen Bürgerbeauftragten Jacob Söderman Beschwerde wegen der offenen Bevorzugung von Muttersprachlern desEnglischen bei der Arbeitsplatz-Vergabe in Brüssel eingelegt. Renato Corsetti, der Vorsitzende des Esperanto-Weltbundes, verfügt über eine Liste von 400 Stellenanzeigen von Organisationen und Firmen aus demBereich der Europäischen Union, in denen Englisch ausdrücklich als Muttersprache gefordert wird - die Sprecher anderer Sprachen werden dadurch benachteiligt. Die betreffenden Organisationen werden durch dieEuropäische Union teilweise oder vollständig finanziert; in einem Fall hat auch ein offizieller Dienst der Europäischen Kommission durch eine Stellenanzeige die Gleichberechtigung unabhängig von der Muttersprache verletzt.

 

Grünen-Dachverband erwähnt erneut Esperanto

30.05.2002

Beim 3. Kongress der Europäischen Grünen in Berlin wurde Esperanto in zwei Resolutionen als mögliche Lösung des EU-Sprachenproblems erwähnt. In der Resolution zu "Sprachenrechten von Minderheiten und Sprachregelung in den EU-Institutionen" wird der EU-Kommission vorgeschlagen, "die neutrale internationale Sprache Esperanto als gemeinsame Sprache" einzuführen, zunächst intern bei den Dolmetschern und Übersetzern. In der Resolution "Gefährdete Sprachen" wird Bezug genommen auf einen Beschluss aus dem Jahre 1999, nach dem Esperanto als mögliche europäische Sprache berücksichtigt werden soll. Bei dem Grünen-Kongress vom 17. bis 19. Mai in Berlin wurde auch ein Workshop zum Thema "Esperanto/Sprachenfrage" angeboten.

Esperanto als offizielle EU-Sprache?

In der Resolution der Europäischen Grünen aus dem Jahre 1999 wird gefordert, dass die internationale Sprache Esperanto eine der offiziellen Sprachen im Europa-Parlament und in den EU-Institutionen werden soll, wenn das Prinzip der Gleichberechtigung der EU-Sprachen aufgegeben wird. Es ist zu fragen, ob dieser Zustand bereits eingetreten ist, da es innerhalb der EU-Institutionen mehr und mehr üblich ist, Dokumente zunächst nur in Englisch und Französisch vorzulegen. Auch Ausschreibungen für Firmen erfolgen mehr und mehr nur in diesen Sprachen. Wird also demnächst die Einführung von Esperanto als offizieller EU-Sprache gefordert werden?

Esperanto-Verwendung wächst mit zehn Prozent jährlich

Die gelegentliche Zurückhaltung gegenüber Esperanto als möglicher Sprache für die europäische Verständigung ist teilweise darauf zurückzuführen, dass der Fortschritt der praktischen Verwendung des Esperanto in der Öffentlichkeit noch nicht wahrgenommen wird. Die Teilnehmerzahlen regionaler internationaler Esperanto-Veranstaltungen aus den letzten dreißig Jahren belegen jedoch eine jährliche Steigerung von etwa 10 Prozent in diesem Zeitraum. Parallel dazu nimmt der Gebrauch des Esperanto im Internet, bei Computerprogrammen und im Bereich der Musik spürbar und stetig zu.

[e-inf; eig. Bericht]

 

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