FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Dieses Forum Freunden empfehlen


Fremdsprachenausbildung am Gymnasium
Gehe zu Seite Zurück  1, 2
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    www.EsperantoLand.de Foren-Übersicht -> In den Medien und im Internet
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Lu Wunsch-Rolshoven
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 02.06.2002
Beiträge: 954
Wohnort: Berlin

   

BeitragVerfasst am: Mo Apr 12, 2010 11:22 pm    Titel: Verschoben Antworten mit Zitat

Ich habe die Überschrift und Beschreibung dieses Unterforums etwas erweitert und die Diskussion hierher verschoben.

@esocom: Natürlich ist es sinnvoll, solche Artikel im Forum einzustellen. Wir müssen doch wissen und zu verstehen versuchen, was zum Thema Sprachenlernen so veröffentlicht wird.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Lu Wunsch-Rolshoven
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 02.06.2002
Beiträge: 954
Wohnort: Berlin

   

BeitragVerfasst am: Di Apr 13, 2010 10:42 am    Titel: Mittlersprache, Brückensprache... Antworten mit Zitat

So richtig kann ich nicht sehen, woran das Besondere dieses Ansatzes liegen soll. Nach meinem Verständnis ist Esperanto stets eine Mittlersprache (oder Brückensprache) - man lernt nicht die Sprache des oder der anderen, sondern beide lernen eine dritte Sprache, eben Esperanto.

Oder liegt die Idee darin, dass man Esperanto anders anpreist - im einen Fall wird die heutige Esperanto-Sprachgemeinschaft dargestellt, im anderen Fall, "Mittlersprache", werden beiden Seiten die Vorteile der Nutzung von Esperanto erläutert? (Esperanto bedeutet ja selbst in der Summe einen geringeren Lernaufwand: Statt dass eine Seite z.B. 500 Stunden aufwendet für ein bestimmtes Niveau in der Sprache des anderen, wenden beide weniger als 200 Stunden für Esperanto auf für dieselbe Sprachbeherrschung.)
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Klaus Ermecke



Anmeldedatum: 02.05.2010
Beiträge: 1


   

BeitragVerfasst am: Mi Mai 12, 2010 4:01 pm    Titel: Esperanto am Gymnasium? Antworten mit Zitat

Liebe Esperanto-Gemeinde,


zunächst einmal Ihnen allen herzlichen Dank für die Vorstellung und anschließend die kritische Diskussion unserer Studie über die "Fremdsprachenausbildung am Gymnasium".

In der Diskussion haben einige von Ihnen mit Wehmut und Enttäuschung angemerkt, daß wir Englisch und nicht Esperanto als standardisierte Erstfremdsprache vorgeschlagen haben. Das aber ergab sich für uns zwingend aus der faktischen Verbreitung dieser Sprache sowohl in der internationalen Kommunikation als auch in der Wissensarchivrolle.

Einen anderen Punkt haben Sie aber offenbar übersehen: Das bisherige Modell der gymnasialen Sprachausbildung legt auch die zweite Fremdsprache relativ starr fest. Gerade weil jeder Gymnasiast GEZWUNGEN ist, eine Zweitfremdsprache zu absolvieren, müssen die Schulen sich bei den angebotenen Sprachen auf ein sehr schmales STANDARDISIERTES Portfolio beschränken, um im Zweifelsfall nicht für die Eltern ein Umzugshindernis zu schaffen. Bisher waren das in den alten Ländern zumeist Latein und Französisch und seit ein paar Jahren rasant wachsend Spanisch, und im Land der geldverschenkenden Kanzlerin war es Russisch. Kennen Sie Gymnasien, in denen als Zweitfremdsprache Esperanto angeboten wurde (ehrliche und nicht rhetorische Frage!)?

Ein Kernelement unseres Schulsystems ist der Wegfall des Zwangs zur zweiten Fremdsprache. Daher können bei uns Schüler ohne Gefahr für den Umzugsfall auch solche Fremdsprachen wählen, die an anderen Schulen eventuell nicht angeboten werden. Dies macht es möglich, auch z.B. Kurse in Esperanto anzubieten, was im bisherigen Schulsystem praktisch nicht möglich ist.

Ein weiteres Strukturmerkmal unseres Modells nennen wir "Offene Schule". Schüler sollen modularisierte Qualifikationen (z.B. ein "Modul A" in Elektronik, Geräteturnen oder Italienisch auch an Nachbargymnasien oder in anderen qualifizierten Einrichtungen erwerben können. Warum also nicht auch Esperanto? Wenn sich in einer größeren Stadt genügend Esperanto-begeisterte Eltern finden, könnte man zentrale Kurse organisieren, die dann jeweils Schülern mehrerer Schulen offenstehen. Unser Anliegen ist es, offene und flexible Strukturen zu entwickelmn, in die dann modulartige Ausbildungsabschnitte nach weitgehend freier Wahl der Eltern eingeknüpft werden können.

Wenn Sie für Esperanto im gymnasialen Schulsystem eine Basis erarbeiten wollen, ist das in jedem Fall mit unserem Strukturmodell wesentlich einfacher als im bisherigen überkommenen System. Vielleicht überdenken Sie vor diesem Hintergrund noch einmal Ihre Bewertung!


Viele Grüße
Ihr
Klaus Ermecke
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Dirk Bindmann
100 Beiträge
100 Beiträge


Anmeldedatum: 10.05.2003
Beiträge: 141
Wohnort: Zeitz

   

BeitragVerfasst am: Mi Mai 12, 2010 11:25 pm    Titel: Re: Esperanto am Gymnasium? Antworten mit Zitat

Klaus Ermecke hat Folgendes geschrieben:
Ein Kernelement unseres Schulsystems ist der Wegfall des Zwangs zur zweiten Fremdsprache. Daher können bei uns Schüler ohne Gefahr für den Umzugsfall auch solche Fremdsprachen wählen, die an anderen Schulen eventuell nicht angeboten werden. Dies macht es möglich, auch z.B. Kurse in Esperanto anzubieten, was im bisherigen Schulsystem praktisch nicht möglich ist.

Das ist ein interessantes Argument! Wenn ich jedoch entscheiden sollte, ob für ein paar Esperanto-Kurse mehr der Zwang zur zweiten Fremdsprache wegfallen soll, dann entschiede ich mich für den Zwang. Den finde ich nämlich gut. Es geht schließlich um Gymnasiasten, denen einmal die Hochschulreife bescheinigt werden soll. Wer nicht in der Lage ist, innerhalb von zwölf Schuljahren zwei Fremdsprachen zu erlernen, der ist eben nicht reif für ein Hochschulstudium. Ich finde es gut, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das schafft Anreize. Ein Schulsystem sollte Begabte und Leistungsbereite belohnen, Benachteiligte fördern und tatsächlich Unfähige auf den ihnen angemessenen Lebensweg verweisen. Es gibt genügend ehrbare Berufe, für die man keine Hochschulreife benötigt.
_________________
http://promene.wordpress.com
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Lu Wunsch-Rolshoven
Moderator
Moderator


Anmeldedatum: 02.06.2002
Beiträge: 954
Wohnort: Berlin

   

BeitragVerfasst am: Do Mai 13, 2010 12:50 am    Titel: Re: Esperanto am Gymnasium? Antworten mit Zitat

Lieber Herr Ermecke,

vielen Dank für Ihren Beitrag. Nett, dass Sie uns antworten.

Unsere Kommentare hatten keine Gesamtbewertung des von Ihnen vorgeschlagenen Modells zum Ziel, sondern waren sehr auf Esperanto und auf einzelne Gesichtspunkte ausgerichtet. Damit sind wir Ihren interessanten Vorschlägen sicherlich nicht gerecht geworden.

Zur Frage, in welcher Weise Esperanto in der Schule evtl. untergebracht werden könnte, gibt es nach meinem Eindruck in Esperanto-Kreisen ein breites Spektrum. Da gibt es die Varianten

- Esperanto als erste Fremdsprache, weil sich dann weitere Sprachen leichter lernen lassen - oder auch als dritte Fremdsprache, weil man mit den ersten zwei Sprachen oft eine internationale und eine Nachbarsprache kennt und man mit Esperanto den Rest der Welt in gewisser Weise abdecken kann,

- Esperanto als Pflichtsprache für alle, als Wahlpflichtsprache - oder auch als völlig freiwillige Ergänzung,

- Esperanto als Unterrichtsfach - oder auch Esperanto als Unterrichtsgegenstand, für eine oder zwei Stunden, z.B. im Unterricht anderer Fremdsprachen, als Schülerreferat oder als Lehrer-Präsentation.

Und vielleicht habe ich noch Varianten vergessen. Ich weiß gar nicht, ob die Esperanto-Verbände eine einheitliche Linie dazu haben. Insofern sind die Äußerungen zu dem Thema hier im Forum eher persönlicher Natur.

Nach meinem Wissen gibt es derzeit keine Gymnasien, an denen Esperanto als Zweitfremdsprache angeboten wird. Es wird wohl nur in Arbeitsgemeinschaften unterrichtet.

Das mit der zweiten Fremdsprache sehe ich ziemlich ähnlich wie Dirk Bindmann. In Europa finde ich ein Abitur mit nur einer Fremdsprache wenig sinnvoll; ein Abiturient sollte mehr als nur eine fremde Kultur kennenlernen. Wenn man denkt, das wäre von Schülern mit z.B. naturwissenschaftlichem Interesse zu viel verlangt - warum kann man denen nicht die Option Esperanto anbieten? Das ist nun wirklich keine Überforderung!

Zu begrüßen wäre natürlich, wenn die Schüler bei der zweiten Fremdsprache mehr wählen könnten. Ein Land ist nicht dann besonders erfolgreich, wenn alle dasselbe können, sondern eher dann, wenn es für jedes Thema und jede Sprache seine Spezialisten hat.

In Sachen Esperanto in der Schule mache ich mir wenig Hoffnungen, solange der Wissensstand zu Esperanto bei Schülern, Lehrern und Schulbürokratie auf dem derzeitigen Stand bleibt. Vor kurzem hat das französische Erziehungsministerium geschrieben, Esperanto sei keine Muttersprache; und das bayerische Kultusministerium hat mal erläutert, Esperanto böte den Asiaten "keinerlei Lernhilfen, was Wortschatz und Grammatik anbelangt". Beiderlei Märchen wurden dem jeweiligen Parlament erzählt...

Das Modell "Offene Schule" mit einzelnen Modulen ist sicherlich für Esperanto von Vorteil. Auch deshalb, weil es für Esperanto auch aufgrund seiner leichten Erlernbarkeit nicht leicht ist, einen Platz in der Schule zu finden. Das mag überraschend klingen, aber es ist nun mal so, dass man innerhalb von 50 Unterrichtsstunden die wesentlichen Teile der Grammatik erläutern und einüben kann. Danach erscheint es vor allem sinnvoll, wenn die Schüler Esperanto im Rahmen von internationalen Begegnungen oder per Internet weiterlernen. Unterricht in dem Sinne, dass man mit den Schülern noch ein paar weitere unregelmäßige Verben einübt, ein paar idiomatische Redewendungen usw., ist für Esperanto weitgehend entbehrlich.

Man könnte natürlich in Esperanto Literatur anderer Länder lesen - derzeit ist es ja so, dass die Schüler praktisch nur die Literatur des Deutschen und ihrer Fremdsprachen kennenlernen. Was soll das ganze Gerede von Europa, wenn in der Schule nur höchst selten schwedische, niederländische oder portugiesische Autoren vermittelt werden?! (Und selbst französische Autoren nur wenig, weil man an das nötige Sprachniveau nur schwer herankommt.) Das könnte z.B. im Esperanto-Unterricht geschehen.

Ich stimme Ihnen insofern völlig zu, dass Ihr Modell für Esperanto eine bessere Basis bietet als das derzeit übliche Angebot.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Louis F. v. Wunsch-Rolshoven
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
Rudolf Fischer
100 Beiträge
100 Beiträge


Anmeldedatum: 13.05.2008
Beiträge: 223
Wohnort: Nordwalde

   

BeitragVerfasst am: Di Mai 18, 2010 9:04 pm    Titel: Englisch auch kritisch sehen Antworten mit Zitat

Lieber Herr Ermecke,
ich bin positiv überrascht, dass Sie sich hier so konstruktiv melden.

Ich schließe mich den Ausführungen meines Vorredners an. Es ist richtig, dass es die angesprochenen Modelle gibt, wie sich Esperanto in den Schulunterricht einbinden ließe, und dass die Esperanto-Freunde dazu keine einheitliche Haltung haben. Das ist aber auch klar, da es offenbar nicht nur einen richtigen Weg gibt.

Zum Zwang, Sprachen zu lernen, habe ich noch einen Gedanken beizutragen. Ich selbst lehne jeden Zwang ab, allein schon weil die praktische Erfahrung zeigt, dass niemand gegen seinen Willen etwas lernen wird, schon gar nicht so etwas Komplexes wie eine Fremdsprache.
(Das abgesehen davon, dass ich allgemein gegen jeden Zwang zu bestimmten Lehrinhalten bin.)

Jeder weiß, dass es unterschiedliche Begabungen gibt. Dass ein genialer Mathematiker nur deshalb nicht wirksam wird, weil er in einem Land aufwächst, das nicht Englisch als Muttersprache hat, und weil er sprachlich unbegabt ist, das dürfte nicht sein. (Das ist nicht nur ungerecht, sondern eben auch ökonomisch nachteilig.)

Gemildert werden könnte das durch das Modell, unter den Erstsprachen eben auch Esperanto im Angebot zu haben, so dass auch sprachlich Unbegabte eine Chance haben. Ich schätze den Anteil der Bevölkerung, der nie ein vorzeigbares Englisch lernen wird, in Deutschland auf über 80%. (Dazu gibt es eine Veröffentlichung von mir, die auf einem praktischen Test beruht.) Etwa die Hälfte davon könnte es mit Esperanto schaffen (aber eben auch längst nicht alle).

Es gibt in letzter Zeit immer mehr Bestrebungen, aus Englisch "Globish" zu machen, einen nicht normierten Jargon, der zur Verständigung dienen soll. Ich weise dazu auf folgende Meldung im Netz hin:
Englisch ohne Grammatik

Da wird's nun abstrus: Man nimmt wahr, dass das muttersprachliche Englisch weitgehend nicht erlernbar ist und flüchtet sich dann in einen normfreien Jargon. Ökonomisch betrachtet, ist es dann gleich oder sogar weniger aufwendig, den Leuten ein vorzeigbares Esperanto beizubringen. Mit Norm, mit Literatur, ...

Ich schließe mich insbesondere der Meinung meines Vorredners an, dass Ihr Schuldmodell flexibler ist, verschieden Begabten bessere Chancen gibt, wie von mir gefordert, und - so denn der Heilige Geist sich irgendwann auch der Bildungsbehörden erbarmt - auch Esperanto nutzbar machen kann.

Ihre Grenze ist natürlich da, wo es um die Rolle des Englischen als unabdingbarer Erstsprache geht. Da müssen Sie sich entscheiden, ob Sie auch Globish akzeptieren würden, bei den vielen, die kein muttersprachliches Normenglisch zu lernen in der Lage sind. Falls ja, ist der Schritt nicht mehr weit, auch Esperanto für bestimmte Teile der Bevölkerung als Erstfremdsprache zu empfehlen. Immerhin ist es ja eine Art "Globish" auf romanischer Basis, aber mit Norm und Literatur.

(persönliche Meinung von)
Rudolf Fischer, Vorsitzender des Deutschen Esperanto-Bundes
_________________
Rudolf
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    www.EsperantoLand.de Foren-Übersicht -> In den Medien und im Internet Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite Zurück  1, 2
Seite 2 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de

Forum installiert und modifiziert von NoMoKeTo.de