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Geld verdienen mit Esperanto. Büroleiter des DEB in Berlin
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Mi Jun 04, 2008 9:51 am    Titel: Konkret werden Antworten mit Zitat

Zitat:
Naja, versuchen könnte man es. Wieviel Informationsblätter wurden verteilt, wieviel Pressearbeit und Artikel usw. gab es, sind die Veranstaltungen gewachsen usw.?

Allerdings habe ich doch den Eindruck, dass wenig konkret messbare Ergebnisse geplant sind, um Erfolg oder relativen Erfolg beurteilen zu können.


Was sind denn "konkret messbare Ergebnisse" sonst? Sicher wird auch schon jetzt verfolgt, wie viele Flugblätter verteilt werden (ein sehr wackeliges Kriterium: der eine schmeißt damit rum, ...), wie viele Presseartikel es gibt und ob die Veranstaltungen wachsen.

Zitat:
Anscheinend soll eher die Tatsache an sich, dass z.B. Mitglieder oder Anzeigen geworben wurden, als Erfolgskriterium dienen.


Immerhin sind diese Messmerkmale sehr gut quantifizierbar - und bedeuten bares Geld als Einnahmen, wobei wir wieder bei der Frage sind, wie der Büroleiter sonst finanziert werden soll.

Zitat:
Ich kann nicht beurteilen, ob der Vorstand und die Mitglieder damit letztlich glücklich werden. (Ich wäre es eher nicht. Aber es hat ja seinen Grund, dass ich mich vor ein paar Jahren entschlossen habe, meine Vorstellungen in einer eigenen Organisation zu verwirklichen.)


Das hast du schon oft gesagt, ohne konkret zu werden, was deine gegensätzlichen Vorstellungen sind. Es kann ja nicht nur der Unterschied sein, dass der Deutsche Esperanto-Bund Zeitungsartikel und Mitglieder zählt und du nur Zeitungsartikel.
_________________
Rudolf
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Mi Jun 04, 2008 7:13 pm    Titel: Konkret Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Sicher wird auch schon jetzt verfolgt, wie viele Flugblätter verteilt werden (ein sehr wackeliges Kriterium: der eine schmeißt damit rum, ...), wie viele Presseartikel es gibt und ob die Veranstaltungen wachsen.


- Das mit den Flugblättern ist natürlich zutreffend. Man könnte allerdings die Veranstaltungen zählen, bei denen überhaupt Flugblätter verteilt wurden, und deren Besucher. (Allerdings ist das Kriterium nur ein mittelbares - Kurs- und Treffenteilnehmer, Esperantosprecher und Mitglieder sind ja letztlich die wichtigen Ziele.)

- Wie hat sich denn die Anzahl der Presseartikel (und Radio, Fernsehen, Internet-Zeitungen) zu Esperanto in den letzten Jahren entwickelt?

- Ich sammele die Anzahl der Treffenteilnehmer. Eine Grafik und ein Text dazu findet sich bei den EsperantoLand-Nachrichten. Aber vielleicht hat ja der DEB noch mehr Daten dazu.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
Ich kann nicht beurteilen, ob der Vorstand und die Mitglieder damit letztlich glücklich werden. (Ich wäre es eher nicht. Aber es hat ja seinen Grund, dass ich mich vor ein paar Jahren entschlossen habe, meine Vorstellungen in einer eigenen Organisation zu verwirklichen.)


Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Das hast du schon oft gesagt, ohne konkret zu werden, was deine gegensätzlichen Vorstellungen sind. Es kann ja nicht nur der Unterschied sein, dass der Deutsche Esperanto-Bund Zeitungsartikel und Mitglieder zählt und du nur Zeitungsartikel.


Tatsächlich mache ich gar keine Statistik der Zeitungsartikel, sondern lege sie nur zu den anderen. Obwohl ich es wirklich schön fände, eine solche Statistik zu haben. Allerdings dient sie eher interner Kontrolle und bisher habe ich noch genug anderes zu tun. Die Presse nimmt eine Statistik über Treffenteilnehmer dankbarer an als eine über Presseartikel.

Eine gegensätzliche Vorstellung von mir ist, dass zwei Strukturen besser sind als eine. Dies gibt nach meinem Verständnis mehr Pluralität, ein breiteres Angebot, ein bisschen das Gefühl von Konkurrenz und Wettbewerb (was man aber ganz friedlich betreiben sollte). Wenn zwei Leute sich nun gar nicht mögen, kann der eine in Organisation A Mitglied sein und mitarbeiten, der andere in Organisation B. (Solche Fälle sind selbst in der heilen Welt des Esperanto schon vorgekommen...)

Ich finde weiterhin, dass man Esperanto so weit als möglich international betreiben sollte. Das heisst, dass Esperantotreffen möglichst an einer Landesgrenze liegen sollten und eher zwischen zwei oder drei Ländern pendeln als innerhalb eines Landes. Daher haben Neujahrstreffen und Sommertreffen von EsperantoLand mit Ausnahme des ersten Treffens nahe an der deutschen Westgrenze stattgefunden, zwischen Oldenburg und Frankfurt/Main. Folglich haben sie auch einen Ausländeranteil von 60 bis 70 %.

Es ist wohl auch so, dass mir selbst die weitere Verbreitung des Esperanto sehr am Herzen liegt, während in den Verbänden doch sehr viele Mitglieder sind, denen das ziemlich egal ist. "Esperanto macht mir Spaß, das ist doch das Wichtigste", ist eine Auffassung, die mir schon oft begegnet ist. Ich will das niemandem vorwerfen, das ist eine legitime Haltung. Allerdings möchte ich in einem solchen Umfeld nicht gerne arbeiten. Ich möchte mit Leuten zusammenarbeiten, denen das, was ich mache, auch wichtig ist. Wenn ich da nur Gleichgültigkeit spüre, die Einstellung "Lass den doch ruhig arbeiten, stört mich nicht", dann verziehe ich mich lieber. Und gelegentlich ist es auch so, dass ich einfach andere Vorstellungen von Qualität habe. Es gelingt mir leider nicht immer, sie auch umzusetzen, und manche meiner Versäumnisse sind mir ziemlich unangenehm - aber immerhin sind sie mir sehr klar bewusst. Andere sind vielleicht glücklich damit, wenn bei der Feier eines hundertjährigen Jubiläums unter anderem auch ungetoastetes Toastbrot angeboten wird - ich komme bis heute nicht drüber hinweg Smile

Ansonsten habe ich noch eine Reihe von Einzelvorstellungen, denen vermutlich nur wenige Leute im DEB widersprechen werden. Ich könnte das dort verwirklichen. Das hätte allerdings den Nachteil, dass das nach meiner Auffassung grundsätzliche und entscheidende Problem nicht gelöst würde, das der Monopolstellung des Deutschen Esperanto-Bundes und des Esperanto-Weltbundes. Diese ist meines Erachtens wesentliche Ursache dafür, dass in den meisten europäischen Staaten die Mitgliederzahlen seit den fünfziger Jahren gesunken sind. (Beim Esperanto-Weltbund sind sie in etwa gleichgeblieben, weil neue Verbände dazugekommen sind; aber die Einzelverbände sind geschrumpft.)

Monopolstrukturen (oder marktbeherrschende) haben ganz allgemein die Tendenz, sich nicht sehr anzustrengen, um Wachstum oder Verbesserungen zu erreichen. Für Unternehmen ist das allgemein anerkannt, für Verbände weniger. Ich denke, es gilt auch dort. Ich bin ziemlich sicher, dass das Engagement des ADAC eng in Verbindung mit der Tatsache steht, dass es auch noch den ACE, den VCD u.a. gibt. Im Umweltbereich gibt es Greenpeace, Robin Wood und viele andere; wer sich nicht engagiert, der wird überholt. Eine solche Konkurrenz gibt es im Esperantobereich kaum. Nach meiner Vermutung kann sie dazu führen, dass sich das Angebot verbessert und die Esperanto-Sprachgemeinschaft noch stärker wächst. Vielleicht irre ich mich ja. Kann sein. Probieren geht über studieren - und bisher kann ich noch keinen Nachteil für Esperanto aus der Existenz von EsperantoLand erkennen.
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Do Jun 05, 2008 2:18 pm    Titel: Re: Konkret: o ja, das war nicht schlecht Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

- Wie hat sich denn die Anzahl der Presseartikel (und Radio, Fernsehen, Internet-Zeitungen) zu Esperanto in den letzten Jahren entwickelt?

Seit etwa zwei Jahren stark ansteigend. Ich verfolge das über ein konstantes Suchkriterium "Esperanto" in Google (sog. Google Alert). Bis dahin waren die Treffer zu über 50% auf den Hotelkomplex "Esperanto" in Fulda zurückzuführen.
Mir zugesandte Zeitungsartikel sammele ich jetzt in einer Kiste, aus der das Material mal aufbereitet werden muss (i.W. nach Jahrgängen), um dann an das Staatsarchiv zu gehen.
Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Ich sammele die Anzahl der Treffenteilnehmer. Eine Grafik und ein Text dazu findet sich bei den EsperantoLand-Nachrichten.

Ah ja, sehr nützlich. Danach muss man sich um das IS, das natürlich unter der neuen Konkurrenz in Polen leidet, etwas Sorgen machen.
Man müsste noch den Anteil der Ausländer wissen, um zu sehen, ob man mehr deutsche Sprachbenutzer anlockt oder ob man nur mehr aus dem Ausland wirbt.
Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Eine gegensätzliche Vorstellung von mir ist, dass zwei Strukturen besser sind als eine. Dies gibt nach meinem Verständnis mehr Pluralität, ein breiteres Angebot, ein bisschen das Gefühl von Konkurrenz und Wettbewerb (was man aber ganz friedlich betreiben sollte).

Bist du sicher, dass das nicht nur deinem Bestreben entspringt, König in deinem eigenen Reich zu sein? Die Konkurrenztheorie will mir nicht so einleuchten. Danach müssten ja nach dem Start der polnischen Konkurrenzveranstaltung zum IS bei diesem die Teilnehmerzahlen hochgehen. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Ich finde weiterhin, dass man Esperanto so weit als möglich international betreiben sollte.

Das liegt nahe.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Das heisst, dass Esperantotreffen möglichst an einer Landesgrenze liegen sollten und eher zwischen zwei oder drei Ländern pendeln als innerhalb eines Landes.

Das fördert wohl die internationale Beteiligung, wirkt aber etwas rigide und benachteiligt Inlandregionen. Herzberg zieht trotz seiner grenzfernen Lage Leute aus der ganzen Welt an.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Daher haben Neujahrstreffen und Sommertreffen von EsperantoLand mit Ausnahme des ersten Treffens nahe an der deutschen Westgrenze stattgefunden, zwischen Oldenburg und Frankfurt/Main. Folglich haben sie auch einen Ausländeranteil von 60 bis 70 %.

Das ist statistisch erst beeindruckend, wenn man sich die absoluten Zahlen nach Deutschen und Ausländern in ihrer Entwicklung anschaut.
Denn ein Ausländeranteil von 60 bis 70% heißt ja: ein Deutschenanteil von 40 bis 30%, und das kann ja absolut gesehen recht wenig sein.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Es ist wohl auch so, dass mir selbst die weitere Verbreitung des Esperanto sehr am Herzen liegt,

Das ist sehr sympathisch, mir auch.
Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

während in den Verbänden doch sehr viele Mitglieder sind, denen das ziemlich egal ist.

Kann sein, ich kann ja nicht beurteilen, warum der Einzelne nicht so aktiv ist. Es kann jemandem Esperanto sehr am Herzen liegen, aber seine Lebensumstände erlauben ihm nicht, zu Treffen zu fahren. Ich bin diesen Mitgliedern aber für ihren Beitrag dankbar, mit dem sie die Aktivitäten anderer ja fördern. Nur so können wir wenigstens ein Minigehalt an einige Beauftragte bezahlen.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

... Das hätte allerdings den Nachteil, dass das nach meiner Auffassung grundsätzliche und entscheidende Problem nicht gelöst würde, das der Monopolstellung des Deutschen Esperanto-Bundes und des Esperanto-Weltbundes.
Diese ist meines Erachtens wesentliche Ursache dafür, dass in den meisten europäischen Staaten die Mitgliederzahlen seit den fünfziger Jahren gesunken sind.

Da kann ich dir nicht folgen, aber ich nehme deine Theorie zur Kenntnis.
Als evtl. Gegenbeispiel hatte ich schon das IS und seine Konkurrenzveranstaltung in Polen angeführt.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Probieren geht über studieren - und bisher kann ich noch keinen Nachteil für Esperanto aus der Existenz von EsperantoLand erkennen.

Ich auch nicht.
Ich habe nur manchmal Erklärungsbedarf, warum nicht alle Esperantofreunde in Deutschland in einem Verband zusammenarbeiten. Die Leute verstehen deine Konkurrenztheorie nicht so gut wie "Einigkeit macht stark".

Aber danke für deine Erklärungen, die wohl auch für die Mitlesenden hier einiges klar gestellt haben. Auf dieser Basis werden der Deutsche Esperanto-Bund und EsperantoLand sicher gut weiter zusammenarbeiten können.
_________________
Rudolf
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Do Jun 05, 2008 10:15 pm    Titel: Re: Konkret Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Seit etwa zwei Jahren [ist die Zahl der Presseartikel. Lu] stark ansteigend. Ich verfolge das über ein konstantes Suchkriterium "Esperanto" in Google (sog. Google Alert).


Wenn das von dir oder jemand anders mal einer Excel-Datei mit grafischer Aufbereitung anvertraut würde, wäre das hohes Lob wert! Very Happy (Da ich seit zwei Jahren für das Neujahrstreffen und das Frühlingstreffen etwas intensiver Pressearbeit mache, interessiert mich das natürlich besonders.)

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Mir zugesandte Zeitungsartikel sammele ich jetzt in einer Kiste, aus der das Material mal aufbereitet werden muss.


Hier ist wieder die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden schwer zu beantworten: Ähnlich, weil beide nur sammeln - oder verschieden, weil du in Kiste und ich in Akte? Wink

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Danach muss man sich um das IS, das natürlich unter der neuen Konkurrenz in Polen leidet, etwas Sorgen machen.


Laut meiner Tabelle waren die größten IS in Finnentrop 1990/91 und Wetzlar 1995/96 mit 385 bzw. 381 Teilnehmern. Auch ohne die "Konkurrenz in Polen" sank das IS um über 100 Teilnehmer auf z. B. 269 Teilnehmer in Cuxhaven, 2000/01. Von 2002/03 bis 2005/06 hatte das AS so zwischen 50 und 90 Teilnehmern und das IS hatte stetig abnehmend 304, 251, 242 und 174 Teilnehmer. Das ist mit dem AS nicht zu erklären.

Die letzten beiden IS hatten 206 und 180 Teilnehmer, während das AS 192 und 228 Teilnehmer hatte; Schwankungen von einem zum anderen Jahr zeigen noch keine Tendenz.

Die Summe beider Treffen liegt nun bei etwa 400 Teilnehmer, ohne dass das IS wegen des AS nennenswert Teilnehmer eingebüßt hätte. Ein paar Teilnehmer natürlich - aber das ist der Preis für das Wachstum in der Summe; anders geht es nicht.

Das AS kann Leute anlocken, die nie zum IS fahren würden.

Sorgen machen muss man sich wohl nicht um das IS, ich habe sogar gehört, dass die IS-Organisatoren manches nochmal überdacht haben seit dem Auftauchen des AS. Das klingt doch recht positiv.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Bist du sicher, dass das ["zwei Strukturen sind besser als eine". Lu] nicht nur deinem Bestreben entspringt, König in deinem eigenen Reich zu sein? Die Konkurrenztheorie will mir nicht so einleuchten.


Nein, ich bin keinesfalls sicher in Sachen "König". Das "König-Sein" hat so manchen Vorteil - man muss z.B. weniger diskutieren. Man kann einfach mal machen und sich das Ergebnis ansehen. Man weiß genauer, was an Erfolgen und Misserfolgen auf das eigene Handeln zurückzuführen ist. Ganz angenehm. (Deutschland und viele andere Staaten haben übrigens ein paar Millionen Unternehmen, jeweils mit einem kleinen oder größeren König an der Spitze. Das läuft an sich gar nicht so schlecht, das Prinzip scheint also nicht völlig falsch zu sein. In Osteuropa hingegen wurde die Wahrheit in starkem Maße zentral ermittelt und viel Konkurrenz von Unternehmen gab es auch nicht. Hat sich nicht so bewährt.)

In den fünfziger Jahren hat Ivo Lapenna mehr oder weniger die Theorie aufgestellt, am besten ginge es mit Esperanto voran, wenn alle vereint wären. UEA = "Unueco Estas Asocio" (ein Wortspiel mit der Abkürzung des Esperanto-Weltbundes, "Einigkeit ist (der) Verband"). Zumindest ist festzustellen, dass die Mitgliederzahlen von UEA und den Landesverbänden sich seither eher nach unten oder maximal seitwärts entwickelt haben. Das ist schon sehr, sehr bedauerlich. Ich führe das auf die starke Ausrichtung des Weltbunds auf die politische Arbeit, also bei UNO, Unesko u.ä. zurück.

Meine Vermutung ist, dass konkurrierende Verbände, die sich z. B. mehr auf die konkrete Nachwuchsarbeit und Mitgliederwerbung gestürzt hätten, sich ganz gut hätten entwickeln können. Jedenfalls ist festzustellen, dass sich seit dem Ausscheiden von Lapenna die (relativ) unabhängigen Strukturen, z. B. Jugendverbände als Veranstalter von Jugendtreffen, Musikgruppen, Familientreffen, Treffen für Muttersprachler sowie Internet-Initiativen ziemlich gut entwickelt haben. Meine Theorie ist halt, dass diese gute Entwicklung gerade dieser Unabhängigkeit bedurfte - vielleicht, wenn du es gerne magst, weil sich da jeweils einer als "König in seinem Reich" fühlen konnte. Vielleicht ist ja gerade dieses Gefühl notwendig, um Arbeitsenergie freizusetzen - was bedeuten würde, dass deine "Königstheorie" meine "Konkurrenztheorie" ergänzt und untermauert, nicht aber entkräftet.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Danach müssten ja nach dem Start der polnischen Konkurrenzveranstaltung zum IS bei diesem die Teilnehmerzahlen hochgehen. Das Gegenteil ist aber der Fall.


Nein, s.o. Die IS-Zahlen sind halt schon früher runtergegangen.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Das heisst, dass Esperantotreffen möglichst an einer Landesgrenze liegen sollten und eher zwischen zwei oder drei Ländern pendeln als innerhalb eines Landes.


Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:

Das fördert wohl die internationale Beteiligung, wirkt aber etwas rigide und benachteiligt Inlandregionen. Herzberg zieht trotz seiner grenzfernen Lage Leute aus der ganzen Welt an.


Diese Diskussion zeigt gerade den Vorteil von zwei Strukturen: EsperantoLand kann friedlich seine Treffen an der deutschen Westgrenze veranstalten, der Deutsche Esperanto-Bund kann seine Veranstaltungen in Deutschland wandern lassen. Beides hat offensichtlich einen Markt. Wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, was besser ist, wir können einfach abwarten, wie die beiden Modelle sich im Markt weiterentwickeln. Wäre ich Beauftragter des Deutschen Esperanto-Bundes, so hätten theoretisch Vorstand und Mitgliederversammlung das Recht, mir vorzuschreiben, wo ich die Treffen veranstalte. Niemand könnte diese beiden Organe zwingen, einfach beide Wege parallel auszuprobieren. Das hätte seine Risiken.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Das [ein Ausländeranteil von 60 bis 70 %. Lu] ist statistisch erst beeindruckend, wenn man sich die absoluten Zahlen nach Deutschen und Ausländern in ihrer Entwicklung anschaut.
Denn ein Ausländeranteil von 60 bis 70% heißt ja: ein Deutschenanteil von 40 bis 30%, und das kann ja absolut gesehen recht wenig sein.


Natürlich. Unter etwa 150 Teilnehmern waren das nur ungefähr 50 Deutsche. Wo ist das Problem? EsperantoLand ist halt stark international ausgerichtet, der Deutsche Esperanto-Bund nach Definition eher national.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

... Das hätte allerdings den Nachteil, dass das nach meiner Auffassung grundsätzliche und entscheidende Problem nicht gelöst würde, das der Monopolstellung des Deutschen Esperanto-Bundes und des Esperanto-Weltbundes.
Diese ist meines Erachtens wesentliche Ursache dafür, dass in den meisten europäischen Staaten die Mitgliederzahlen seit den fünfziger Jahren gesunken sind.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Da kann ich dir nicht folgen, aber ich nehme deine Theorie zur Kenntnis.
Als evtl. Gegenbeispiel hatte ich schon das IS und seine Konkurrenzveranstaltung in Polen angeführt.


IS und AS habe ich oben im einzelnen kommentiert.

Meine Theorie stimmt - oder vielleicht stimmt sie nicht. Versuchen wir es mal und sehen, was sich draus entwickelt.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Bisher kann ich noch keinen Nachteil für Esperanto aus der Existenz von EsperantoLand erkennen.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:

Ich auch nicht.


Das ist doch schon mal schön.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Ich habe nur manchmal Erklärungsbedarf, warum nicht alle Esperantofreunde in Deutschland in einem Verband zusammenarbeiten. Die Leute verstehen deine Konkurrenztheorie nicht so gut wie "Einigkeit macht stark".


Man kann sich auch die Frage stellen, warum sich nicht alle Friseure in Münster zu z. B. drei Unternehmen zusammenschließen - ich denke, Einigkeit macht stark?

Warum hat die Esperanto-Jugend einen eigenen Vorstand und ist ein eigener eingetragener Verein? Warum organisiert Hans-Dieter Platz sein IF unabhängig vom Deutschen Esperanto-Bund? Warum versendet Wolfgang Schwanzer seine Bücher getrennt vom DEB? Warum betreibt Detlev Blanke seine Interlinguistik nicht in einer Fachabteilung des DEB? Usw.

Anscheinend geht es ganz gut, wenn jeder seinen speziellen, überschaubaren Bereich hat. Sowohl bei Unternehmen als auch bei Vereinen.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Auf dieser Basis werden der Deutsche Esperanto-Bund und EsperantoLand sicher gut weiter zusammenarbeiten können.


Gerne.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 06, 2008 8:18 am    Titel: Wachstum der Esperantotreffen - wie soll das gehen? Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

Es ist wohl auch so, dass mir selbst die weitere Verbreitung des Esperanto sehr am Herzen liegt,

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Das ist sehr sympathisch, mir auch.


Dann bleibt noch die Frage, wie das nun bei Esperantotreffen konkret aussehen soll. Schließlich heißt Verbreitung mehr Sprecher und die wollen natürlich an Treffen teilnehmen.

Sollen die Treffen größer werden?

Das IS beispielsweise ist von 55 Teilnehmern in Ulm (1970/71) auf 385 in Finnentrop (1990/91) angewachsen. Das ist das Siebenfache in 20 Jahren, ein Wachstum von 10 % pro Jahr im Schnitt oder eine Verdoppelung alle sieben Jahre.

Wie hätte es nun weitergehen sollen? Weiteres Wachstum auf 500, 600, 700 Teilnehmer? Das ist organisatorisch schwierig, solche Häuser gibt es kaum und viele Teilnehmer wären damit auch gar nicht glücklich. Schon um 1980, als es etwa 150 Teilnehmer waren, wurden Stimmen laut, dass das IS zu groß und zu unpersönlich sei. Man solle doch zwei Treffen über Silvester organisieren. Die Deutsche Esperanto-Jugend ist diesem Wunsch nie nachgekommen, Argumente waren schwierige Organisation und Jahreshauptversammlung (die nicht an zwei Orten gleichzeitig stattfinden könne).

Alternative: Mehr Treffen

Ist es da ein Wunder, dass irgendwann eine zweite Organisation ein weiteres Treffen anfängt und auch noch Erfolg damit hat? Und, nach meinem Eindruck, damit auch noch einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, dass sich Esperanto weiter verbreitet - denn schließlich müssen die gerade gewonnenen Esperantosprecher ihr Esperanto auch in netter Runde anwenden, sonst ist alle Theorie, Esperanto sei so toll, nicht haltbar.

Insofern hat das Wachstum der Teilnehmerzahlen zwei positive Aspekte: Zum einen werden neue Esperantosprecher in die Esperanto-Sprachgemeinschaft eingegliedert. Fast nur so können aus Esperanto-Lernern auch Esperanto-Sprechende werden. Zum anderen sind steigende Teilnehmerzahlen ein sehr gutes Argument für Esperanto in der Öffentlichkeit. Mit den stagnierenden Mitgliederzahlen vieler Esperanto-Verbände kann man kaum einen Journalisten, kaum einen Politiker und auch kaum einen Bürger überzeugen. Wachstum hingegen macht Eindruck bei der Presse und bei anderen.

Brauchen wir auch kleinere Treffen im Angebot?

Ich bin übrigens der Auffassung, dass wir auch noch Treffen über Silvester brauchen, die zwischen 30 und 100 Teilnehmern haben. Es gibt eben Leute, die sich bei einem Massenauflauf von mehr als hundert Leuten nicht wohlfühlen. Auch das wird wieder Stimmen hervorrufen, die "Konkurrenz" rufen - aber damit wird man leben müssen.

"Zehn Prozent sind gegen alles!"

Wie Kennedy schon so richtig gesagt hat, zehn Prozent sind gegen alles. Egal, was man macht, es wird sich schon jemand finden, der was dran auszusetzen hat. Das ist unvermeidbar.

Kaum IS-Kandidaten beim EsperantoLand-Neujahrstreffen

Zum IS möchte ich noch erwähnen, dass vor der Unruhe wegen des AS manche Leute vermuteten, das EsperantoLand-Neujahrstreffen nehme dem IS die Teilnehmer weg. Ich habe mich dann auf Bitte des Vorstands der Deutschen Esperanto-Jugend mit den Teilnehmerzahlen von Frankfurt/Main (2005/06) beschäftigt: Nach meiner Erinnerung hatten wir von insgesamt 119 Teilnehmern keinen einzigen zwischen 15 und 25 Jahren; zwischen 25 und 35 waren es etwa 13. Die kamen also evtl. als IS-Teilnehmer in Betracht. Allerdings hatten 11 von diesen 13 schon Kinder - und haben sich daher vermutlich bei unserem Neujahrstreffen wohler gefühlt. Bleiben also zwei Kandidaten aus der Zielgruppe des IS - und von denen fuhr einer zu beiden Treffen. So sieht das mit manchen Gerüchten aus, die leichthin in die Welt gestreut werden...

Wenn man die Gründe für das Schrumpfen des IS finden möchte, dann kann man z. B. ehemalige Teilnehmer befragen. Nach meiner Erfahrung vertieft das das Verständnis - aber das gehört nicht hierher.
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Erik
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BeitragVerfasst am: So Jul 13, 2008 1:42 pm    Titel: Re: Konkret werden Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:

Was sind denn "konkret messbare Ergebnisse" sonst? Sicher wird auch schon jetzt verfolgt, wie viele Flugblätter verteilt werden (ein sehr wackeliges Kriterium: der eine schmeißt damit rum, ...), wie viele Presseartikel es gibt und ob die Veranstaltungen wachsen.


Konkret messbare Ergebnisse für mich sind:

- Wie viele Leute bleiben bis zum Ende eines sagen wir mal 6 monatigen eo Kurses (kostenlos oder geringfügiger Unkostenbeitrag)

- Angenommen es gäbe so viele kara~eo Karaoke Songs um damit einen reinen kara~eo Abend von ca 4 hr bestreiten zu können: Wie gut wird dieser kara~eo Abend regelmäßig besucht? Wie viel SPAß! kann eo machen. Damit läßt sich übrigens auch ein bißchen Geld verdienen um eine Person(ev. Elternzeit) für die Organisation zumindestens halbtags zu beschäftigen.

- Angenommen die dt.-poln. Handelskammer schafft es es deutsch-polnische Firmen zu einer Zusammenarbeit zu bewegen: Welche Umsatzsteigerung können die beteiligten Fa. damit belegen?

- usw.

Grüße,

Erik
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Verschoben: Di Okt 21, 2008 9:52 pm Uhr von Lu Wunsch-Rolshoven
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