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Man darf nicht sagen, dass es Weltsprache werden soll.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Mi Jul 09, 2008 9:16 pm    Titel: Man darf nicht sagen, dass es Weltsprache werden soll. Antworten mit Zitat

Neulich hat mir ein Freund erzählt, dass er in einem Linguistik-Seminar einen Vortrag gehalten hat, etwa den dritten im Laufe seines Studiums. Er hat das mehrmals unterbringen können. Ich war etwas erstaunt, dass das so gut ging. Er erwiderte:

"Eigentlich ist Esperanto immer willkommen - man darf nur nicht sagen, dass es Weltsprache werden soll."

Meine Tochter hat mir das bestätigt. Sie erzählt in ihrem Bekanntenkreis nur von Reisen und Treffen mit Esperanto, von Freundinnen in Ungarn, Belgien oder Kroatien. "Echt cool", sei die Reaktion.

Ist das auch euer Eindruck? Wird Esperanto normal akzeptiert, wenn man nur davon erzählt, wie man es bei verschiedenen Gelegenheiten anwendet? (Oder dass man es lernt.) Und gucken die Leute ziemlich skeptisch, wenn man von größeren Zukunftsplänen mit Esperanto erzählt?
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gasto
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BeitragVerfasst am: Do Jul 10, 2008 8:07 am    Titel: Angst sich engagieren zu müssen Antworten mit Zitat

Also in meinem Bekanntenkreis habe ich dieselbe Erfahrung gemacht.

Die Menschen fürchten, dass sie sich auch für Esperanto engagieren müssen, wenn sie der Idee zustimmen - obwohl sie es eigentlich gut finden. Sie haben Angst zu viel Begeisterung zu zeigen. Dann würde ich vielleicht sagen: Mach doch mit!

Wenn ich ganz neutral erzähle, was ich mache, dann finden sie es auch gut.

Vielleicht geht die Begeisterung auch manchmal mit den Esperantisten durch. Wenn sie einen willigen Zuhörer gefunden haben, schießt die Begeisterung ins Kraut und das schreckt Menschen ab.

A.
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Helmut
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BeitragVerfasst am: Do Jul 10, 2008 5:05 pm    Titel: Re: Angst sich engagieren zu müssen Antworten mit Zitat

gasto hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht geht die Begeisterung auch manchmal mit den Esperantisten durch. Wenn sie einen willigen Zuhörer gefunden haben, schießt die Begeisterung ins Kraut und das schreckt Menschen ab.

Das hat nichts mit Esperanto zu tun. Das liegt eifach an der oft ausufernden Begeisterung für ein Hobby oder eine Weltanschauung.
Ich kenne aber leider Esperantisten, die haben alle ihre sozialen Kontakte ruiniert, weil es für sie nur ein Thema gab.


Geändert am Fr Jul 11, 2008 8:35 am von Helmut

Geändert am Do Jul 10, 2008 5:08 pm von Helmut
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Martin
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BeitragVerfasst am: Do Jul 10, 2008 10:54 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Die Erfahrungen von Lu und 'gasto A.' kann ich nur bestätigen. Die meisten, denen ich von Esperanto-Treffen usw. erzahle, finden auch "cool", was ich mache.

Gruß,
Martin
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esocom
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BeitragVerfasst am: Fr Jul 11, 2008 8:43 am    Titel: Esperanto als Weltsprache Antworten mit Zitat

Das gängige Klischee ist, dass Englisch sich als Weltsprache bereits durchgesetzt hätte. Die Beschäftigung mit Esperanto wird eher als nettes Hobby betrachtet. Der eine restauriert Oldtimer, der andere kramt eine alte (vergessene) Sprache aus. Da man ja schon Englisch kann (glaubt man) und stundenlang an seinem Auto schraubt, besteht kein Bedarf, sich mit der Idee des Esperanto zu befassen. Wenn ich nicht weiß, was ich vermisse, kann ich auch keinen Mangel verspüren.
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mlennartz
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BeitragVerfasst am: Do Okt 02, 2008 7:46 am    Titel: Antworten mit Zitat

Esperanto soll gar nicht Weltsprache werden. Mit diesem Begriff verbinden sich die falschen Assoziationen.

Esperanto war von Anfang an als "internacia lingvo" definiert worden, also als zweite (oder dritte...) Sprache neben der Muttersprache zum Zweck der internationalen Verständigung.

Mit "Weltsprache" wird die Verdrängung der nationalen Sprachen in Verbindung gebracht, was nicht Sinn und Zweck des Eo ist.
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Gary
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BeitragVerfasst am: Sa Okt 04, 2008 5:00 pm    Titel: Antworten mit Zitat

mlennartz hat Folgendes geschrieben:
Esperanto soll gar nicht Weltsprache werden. Mit diesem Begriff verbinden sich die falschen Assoziationen.


Wenn von "Weltsprache" die Rede ist, ist meistens nur so was wie "Sprache von Weltgeltung" gemeint. Dementsprechend wird Englisch oft als "die Weltsprache" bezeichnet. Ich glaube, Esperantisten sorgen sich weit mehr als andere um die Möglichkeit, dass eine Sprache in ferner Zukunft die anderen verdrängen könnte. Ob das irgendwann geschieht, darauf haben sowieso weder Esperanto-Sprecher noch andere heute Lebende Einfluß.
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Di Okt 07, 2008 1:22 pm    Titel: Mit Esperanto eine Lösung anbieten! Antworten mit Zitat

Gary hat Folgendes geschrieben:
Ich glaube, Esperantisten sorgen sich weit mehr als andere um die Möglichkeit, dass eine Sprache in ferner Zukunft die anderen verdrängen könnte. Ob das irgendwann geschieht, darauf haben sowieso weder Esperanto-Sprecher noch andere heute Lebende Einfluß.


Die "ferne Zukunft" ist längst angebrochen. Die Verdrängung des Ostfriesischen geschah zuerst durch das Plattdeutsche. Dieses wird nun seinerseits zurzeit endgültig durch das Hochdeutsche verdrängt. An den deutschen Universitäten ist die Verdrängung des Hochdeutschen durch das (US-amerikanische) Englisch in vollem Gange.

Jedes Jahr sterben Sprachen aus, meist unter dem Druck von "Weltsprachen" (im Sinne, wie Gary das definierte).

Sowohl Esperanto-Sprechende als auch andere Leute können darauf Einfluss haben, denn es sind auch schon Sprachen wiederbelebt worden, siehe Norwegisch, Ivrith (Hebräisch), Baskisch und einige slawische Sprachen.

Die Tendenz zur Sprachenverdrängung ist allerdings stärker und globaler.

Die Esperantosprechenden machen mit ihrer Alternative immerhin auf die Existenz einer Lösung für ein friedliches Miteinander von Sprachen und Kulturen aufmerksam. Ob das Erfolg hat, kann man nicht vorhersagen. Wie mit vielen guten Dingen ist es aber vor allem wichtig, dass sie überhaupt getan werden.
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Rudolf
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Do Okt 09, 2008 3:13 pm    Titel: Engagement für andere Sprachen ist Privat-Angelegenheit Antworten mit Zitat

Es gibt eine bedauerliche Randbedingung für die Benutzung von Sprachen: Der Tag hat 24 Stunden; nicht alle kann man zum Sprechen nutzen. Dieser Zeitrahmen wird auch nicht dadurch länger, dass man verschiedene Sprachen unterstützt. Je mehr man eine bestimmte Sprache spricht, desto weniger Zeit hat man (in der Regel) für alle anderen. So bedeutet auch die weitere Verbreitung von Esperanto, dass die Zeit für alle anderen Sprachen sich dadurch ein wenig vermindert. Die "Lösung für ein friedliches Miteinander von Sprachen und Kulturen" findet dort ihre Grenzen - entweder man benutzt zu einem bestimmten Zeitpunkt die eine Sprache oder eine andere. So ist es nun mal.

In den letzten Jahren ist es bei manchen Esperantosprechern modern geworden, sich für den Erhalt und die stärkere Benutzung verschiedener anderer Sprachen einzusetzen. Das mag jeder im privaten halten wie er will. Für die Esperanto-Sprachgemeinschaft als Ganzes gilt jedoch nach meinem Verständnis immer noch die Erklärung von 1905, in der der "Esperantismus" als Bemühung zur Verbreitung einer neutralen Sprache definiert wird mit der Feststellung: "Ĉiu alia ideo aŭ espero, kiun tiu aŭ alia Esperantisto ligas kun la Esperantismo, estos lia afero pure privata, por kiu la Esperantismo ne respondas." (Jede andere Idee oder Hoffnung, die dieser oder jener Esperantosprecher mit dem Esperantismus verbindet, ist dessen allein private Angelegenheit, für die der Esperantismus nicht verantwortlich ist. Voller Text der Erklärung auf Deutsch, Englisch und Esperanto)
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Do Okt 09, 2008 7:09 pm    Titel: Nichts über andere Sprachen sagen? Antworten mit Zitat

Mit "Sprecht Esperanto! Über andere Sprachen oder Sprachpolitisches sag ich nichts." kommen wir in der Öffentlichkeit aber nicht weit. Das hängt schon notwendigerweise zusammen.

Die heutigen Esperantosprechenden sind keineswegs an die Vorstellungen der Gründerväter gebunden, sondern müssen sich zugunsten der Verbreitung des Esperanto historisch neuen Gegebenheiten stellen.

Rauma lässt grüßen!
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Rudolf
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esocom
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BeitragVerfasst am: Do Okt 09, 2008 7:12 pm    Titel: Engagement für andere Sprachen ist Privat-Angelegenheit Antworten mit Zitat

Nach meiner Erfahrung gibt es nur ganz wenige Esperantosprecher, für die Esperanto die einzige Fremdsprache ist. Vermutlich ist es auch schwieriger, jemanden vom Esperanto lernen zu überzeugen, für den es erste Framdsprache wäre, als jemanden, der schon eine oder mehrere Fremdsprachen spricht. Momentan wenden sich wohl eher Menschen Esperanto zu, die sich überhaupt für Sprachen interessieren. Die Vorstellung, sich über Standardsprachengrenzen hinweg einfach verständigen zu können, ist für die meisten Menschen zu abwegig. Auch ist es (vermeintlich/tatsächlich?) einfacher, neben Schwäbisch noch Hochdeutsch zu lernen (weil fast alle in Baden-Württemberg auch Hochdeutsch reden), als neben Hochdeutsch noch die internationale Hochsprache Esperanto für Belgien und Dänemark pp.; mit den Völkern habe ich seltener Kontakt als mit Hessen oder Bayern. Der Gedanke, aktiv den Kontakt mit Ausländern zu suchen, ist ohne Vorbild. Die Möglichkeit wird erst als normal empfunden, wenn man es öfter praktiziert hat. Aber dafür muss man erst einmal Esperanto gelernt haben. Die Katze beißt sich in den Schwanz. So lange es nicht chic ist, Esperanto zu können, oder eine kritische Masse erreicht ist, dass Esperanto von alleine läuft, müssen wir nehmen, was wir bekommen können. Vielleicht sind dann ja noch ein paar mehr "Motoren" dabei, die andere mitreißen zum Esperanto.

Lieber man gewinnt Esperantosprecher aus dem Pool der Sprachinteressierten als gar keine, oder nur wenige, die an die Utopie des Esperanto glauben. Es gilt, sich heute erreichbare Ziele zu setzen. Da mag der Umweg über Mehrsprachigkeit eine von mehreren Optionen sein. Natürlich bleibt als Höhepunkt der "Fina Venko". Aber würden wir nicht dem Esperanto abträglich handeln, wenn wir mit dem Ausdruck "Endsieg" für Esperanto werben wollten?

Für die meisten Menschen, zumindest hier in Deutschland, gilt Englisch als die lingua franca, die sich bereits "durchgesetzt" hätte, zumindest ist es die "gefühlte" einzige Weltsprache, selbst wenn es rational widerlegbar ist. Da ist Esperanto erst einmal nur "noch eine weitere Fremdsprache", die am ehesten mit ihrer Infrastruktur (pasporta servo, Delegiertennetz, Vertrauensvorschuss) punkten kann. Man denke auch an eternaj komencantoj (ewige Anfänger), die eher der Geselligkeit wegen zum Esperantoklub kommen und nie ins Ausland reisen oder ausländische Esperantosprecher einladen.

Auch wenn der Zerfall des Kommunismus doch schon recht lange her ist, erkenne ich bei meinen Mitmenschen noch nicht wieder Neigung, ein höheres Ziel anzustreben. Mit dem Zamenhofschen Ideal lockt man derzeit niemanden. Da von politischen Instanzen kaum Unterstützung erwartet werden kann, sind Esperantosprecher auf private Initiativen angewiesen. Da kann man froh sein, wenn Esperanto überhaupt in die Öffentlichkeit getragen wird. Tu Gutes und sprich davon: Sprich Esperanto (auch als Geheimsprache) und beweise, dass es lebt.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Do Okt 09, 2008 11:33 pm    Titel: Wenig über andere Sprachen sagen! Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Mit "Sprecht Esperanto! Über andere Sprachen oder Sprachpolitisches sag ich nichts." kommen wir in der Öffentlichkeit aber nicht weit. Das hängt schon notwendigerweise zusammen.


Dass da ein Zusammenhang besteht, will ich gar nicht bestreiten. Aber ich halte es für nicht nötig, etwas zu kleineren Sprachen wie Baskisch, Friesisch o.ä. zu sagen. Danach bin ich auch in über hundert Gesprächen mit Journalisten nach meiner Erinnerung nicht gefragt worden. Es nähme auch einfach zu viel Zeit ein - ich komme ja nicht einmal dazu, alles Wesentliche zu Esperanto selbst zu sagen, sondern muss dauernd auswählen.

Im übrigen predige ich nicht: "Sprecht Esperanto!" (und ihr gelangt ins Himmelreich o.ä.), sondern ich informiere schlicht über die heutige Realität des Esperanto und ein paar damit verbundene Fragen. Meine Zielgruppe sind auch nicht etwa alle, sondern nur höchstens einer von tausend. Bei 80 Millionen Bundesbürgern würde ich mich über 80.000 neue Esperantosprecher in Deutschland schon ausreichend freuen Smile

Nein, wir sind nicht an die Vorstellungen der Gründerväter gebunden. Aber wenn eine Erklärung von 1905 überall kursiert, dann muss man entweder jeweils dazu sagen, dass man sie wegen "historisch neuer Gegebenheiten" nicht mehr für adäquat hält - oder man hält sich dran.

Das Manifest von Rauma ist im übrigen deutlich umstritten - so wie ja insgesamt viele verschiedene Auffassungen zu Esperanto unter Esperantosprechern existieren. Immerhin ist es eine klare und offizielle Absage an gewisse traditionelle Vorstellungen, nicht ein dezentes und allmähliches Abweichen von einer expliziten Deklaration.


Geändert am Fr Okt 10, 2008 10:01 am von Lu Wunsch-Rolshoven
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mlennartz
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BeitragVerfasst am: Fr Okt 10, 2008 6:14 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Esperanto unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von anderen Sprachen - es gibt kein Land und kein Volk, das Eo als Muttersprache hat. Natürlich wissen das alle. Eine Plattheit, eine Tautologie.

Wir Esperantisten ersetzen diese fehlende Bindung durch einen kulturellen/politischen/ideologischen Hintergrund, betonen die Bedeutung des Eo für dieses und jenes.

Diese Argumentation ist für jemanden, der eine "natürliche" Sprache lernt, im Grunde unverständlich. Niemand lernt englisch, dänisch, japanisch, um für den Frieden zu kämpfen oder um kleinen Kulturen einen Zugang zur Welt zu ermöglichen, und schon gar nicht um einer "inneren Idee" oder eines Manifestes willen. Der Grund, eine Fremdsprache zu lernen, ist in der Regel sehr viel fassbarer, angefangen vom Angebot in der Schule über das hübscheste Mädchen/der hübscheste Junge, die/der ebenfalls in diesem Kurs ist, hin zum Angebot an Anime im Fernsehen oder die Karriere.
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Gary
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BeitragVerfasst am: Sa Okt 11, 2008 12:06 pm    Titel: Re: Mit Esperanto eine Lösung anbieten! Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Jedes Jahr sterben Sprachen aus, meist unter dem Druck von "Weltsprachen" (im Sinne, wie Gary das definierte).

Sowohl Esperanto-Sprechende als auch andere Leute können darauf Einfluss haben, denn es sind auch schon Sprachen wiederbelebt worden, siehe Norwegisch, Ivrith (Hebräisch), Baskisch und einige slawische Sprachen.


Bei einigen Sprachen besteht die Möglichkeit, sie vor dem Untergang zu bewahren. Das ist der Fall, wenn sie genug Sprecher haben oder durch Staatsgründung bekommen, um eine moderne, alle Lebensbereiche umfassende Sprachkultur aufrechtzuerhalten. Ob das geschieht, ist teilweise eine Frage des politischen Willens. Leider ist oft Nationalismus der Hauptbestandteil solchen politischen Willens, und nicht etwa Liebe zur "kulturellen Vielfalt". Norwegisch konnte wiederbelebt werden, weil es ein zusammenhängendes norwegisches Sprachgebiet gab, wo einige Millionen Menschen lebten. Zum Glück verlief die Trennung Norwegens von Schweden friedlich. Hebräisch konnte nur deshalb so erfolgreich wiederbelebt werden, weil ein ausreichend großes Sprachgebiet durch ethnische Säuberung geschaffen wurde. Der Vorgang war, wie wir wissen, nicht friedlich. Ob Baskisch lange weiterbesteht, hängt vielleicht davon ab, inwieweit der baskische Nationalismus seine Ziele durchsetzt.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Die Tendenz zur Sprachenverdrängung ist allerdings stärker und globaler.

Die Esperantosprechenden machen mit ihrer Alternative immerhin auf die Existenz einer Lösung für ein friedliches Miteinander von Sprachen und Kulturen aufmerksam. Ob das Erfolg hat, kann man nicht vorhersagen. Wie mit vielen guten Dingen ist es aber vor allem wichtig, dass sie überhaupt getan werden.


Jedenfalls haben schätzungsweise etwa die Hälfte der Sprachen weniger als 10.000 Sprecher. Da ihre Sprecher – genauso wie wir – gewöhnlich Kontaktbedürfnisse und Interessen haben, die weiterreichen als bis zum nächsten Dorf, sind sie mit der Notwendigkeit konfrontiert, eine andere Sprache mehr oder weniger vollkommen zu beherrschen. In der Regel geht eine solche Bevölkerung im Verlauf einiger Generationen dazu über, die größere Sprache ausschließlich zu benutzen, weil mehr und mehr kommunikative Bedürfnisse ausschließlich durch sie befriedigt werden können. Natürlich gibt es Faktoren, die den Übergang beschleunigen oder verlangsamen. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen, dass Esperanto ein solcher Faktor sein könnte, d.h. dass die von manchen noch erhoffte Durchsetzung des Esperanto auf der Makroebene des weltweiten Sprachensystems solche Vorgänge auf der Mikroebene beeinflussen würde. Ich kann auch nicht erkennen, dass die Publizistik einiger Esperantosprechender zum Sprachensterben etwas Neuartiges in die Debatte einbringt, was die argumentative Position der Sprachenbewahrungs-Aktivisten stärkt.
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Gary
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BeitragVerfasst am: Sa Okt 11, 2008 12:24 pm    Titel: Re: Nichts über andere Sprachen sagen? Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Mit "Sprecht Esperanto! Über andere Sprachen oder Sprachpolitisches sag ich nichts." kommen wir in der Öffentlichkeit aber nicht weit. Das hängt schon notwendigerweise zusammen.

Die heutigen Esperantosprechenden sind keineswegs an die Vorstellungen der Gründerväter gebunden, sondern müssen sich zugunsten der Verbreitung des Esperanto historisch neuen Gegebenheiten stellen.


Ich kenne keinen Esperantosprechenden, der solche Themen oder die Behandlung ihres Verhältnisses zum Thema Esperanto verpönt. Die Erklärung von 1905, die Lu zitiert, hat gar nicht versucht, eine solche Norm zu schaffen. Sie impliziert aber, dass einzelne Esperantosprechende (und auch ihre Organisationen) ihre eigenen sprachpolitischen und sonstigen politischen Ziele nicht als Ziele aller Benutzer des Esperanto ausgeben sollten. Ich meine, dass das eine Frage des korrekten Umgangs miteinander und auch mit der Öffentlichkeit ist. Es gibt keinen erdenklichen Grund, der Öffentlichkeit vorzuenthalten, dass Esperantosprechende verschiedene Auffassungen über Sprachpolitik haben. Leider hat UEA (der Esperanto-Weltbund) in den letzten Jahren oft ihre eigene Sprachideologie, bzw. die ihrer meinungsführenden Gruppe, in verschiedenen Erklärungen als Meinung "der Esperantisten" ausgegeben. Renato Corsetti (bis vor einem Jahr UEA-Vorsitzender) war trotz Kritik nicht bereit, mit dieser Unsitte zu brechen. Ich hoffe, dass das unter dem Vorsitz von Probal Dasgupta (dem jetzigen Vorsitzenden) anders wird.
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