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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: So Okt 19, 2008 4:29 pm    Titel: Zusammenhang Pressearbeit und Esperanto-Fortschritt Antworten mit Zitat

Ein Axiom ist eine unbeweisbare Grundaussage, auf die sich andere zurückführen lassen; darum handelt es sich hier jedoch nicht.

Zu meiner Vermutung zur Pressearbeit führe ich Zusammenhänge an:

1970er und 80er Jahre: Einiges an Pressearbeit bei der Deutschen Esperanto-Jugend mit dem Haupttenor "Esperanto wird bei internationalen Treffen angewendet; das macht Spaß". Veröffentlichungen in Zeitungen, Radio und Fernsehen bis hin zur Tagesschau. Deutliches Wachstum der Treffen.

Seit Beginn der 90er Jahre: Deutlich weniger Pressearbeit, viele Treffen praktisch ohne Pressearbeit, weniger Veröffentlichungen. Treffen wachsen langsamer.

(50er und 60er Jahre: In vielen Ländern Pressearbeit zu Esperanto; anscheinend Haupttenor "Es gibt eine Weltsprachenproblem; Esperanto ist die beste Lösung dafür". Stagnation der Mitglieder des Esperanto-Weltbunds, Rückgang in vielen Landesverbänden.)

Das ist natürlich kein "Beweis" für meine Vermutung, die in etwa lautet: "Pressearbeit über die heutige Praxis des Esperanto trägt zur Verbreitung erheblich bei. (Ohne eine solche ist es wesentlich schwieriger oder unmöglich.)" Lediglich eine Stützung der Vermutung. (Ein strenger wissenschaftlicher Beweis über Aussagen zur Wirklichkeit ist ja ohnehin nicht möglich.) Ich baue meine Esperanto-Arbeit auf dieser Vermutung auf. Bisher bin ich ganz zufrieden mit dem Fortschritt, auch wenn sich sicher vieles noch verbessern lässt.

Andere mögen meine Vermutung für falsch halten - wenn sie Erfolg haben, d.h. die Mitgliederzahlen und die Zahlen der Treffenteilnehmer wachsen: Prima!
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 20, 2008 12:54 pm    Titel: Re: Zusammenhang Pressearbeit und Esperanto-Fortschritt Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
1970er und 80er Jahre: Einiges an Pressearbeit bei der Deutschen Esperanto-Jugend mit dem Haupttenor "Esperanto wird bei internationalen Treffen angewendet; das macht Spaß". Veröffentlichungen in Zeitungen, Radio und Fernsehen bis hin zur Tagesschau. Deutliches Wachstum der Treffen.
Die damaligen Erfolge der Deutschen Esperanto-Jugend waren i.W. auf sehr talentierte und agile Vorsitzende zurückzuführen. Ich nenne hier nur Franz Kruse, Thomas Bormann und Thomas Pusch. Natürlich sorgen solche Vorsitzenden auch für Pressearbeit.

Franz Kruse und viele andere (darunter ich) sind durch die Aktivitäten des Esperanto-Zentrums Paderborn (Hermann Behrmann) Anfang der Siebzigerjahre geworben bzw. aktiviert worden. Das war nicht so sehr durch Pressearbeit, als durch Rundschreiben und gemeinsame Aktionen. Auch die Deutsche Esperanto-Jugend hat lange Zeit das Zentrum für sich nutzen können.

Der Deutsche Esperanto-Bund hat Jahrzehnte die Pressearbeit in etwa mit derselben Intensität betrieben und dennoch bis 1994 einen Aufschwung, danach einen Abschwung hinter sich.

Den wichtigsten Einfluss auf die Esperantoarbeit sehe ich heute in der Verbreitung des Internets. Daraus resultiert, dass einerseits mehr Leute Esperanto kennen lernen, aber weniger an einer Organisation interessiert sind. Der Deutsche Esperanto-Bund hat sich schon darauf eingestellt. Der einzelne Lerner oder Sprecher schaut natürlich nur auf den eigenen Vorteil und übersieht, dass eine Organisation zentrale Aufgaben hat, die nicht durch Einzelne durchgeführt und finanziert werden können.

Natürlich ist jede Privatinitiative wie EsperantoLand sehr begrüßenswert, weil dadurch das Spektrum der Angebote der Sprechergemeinschaft erweitert werden kann. Wenn aber solche Ein-Mann-Initiativen (wie z.B. das Esperanto-Zentrum Paderborn seinerzeit) wieder eingehen, sollte eine Organisation als Auffanginstitution da sein, die die betreffenden Aufgaben personell und finanziell weiterführen kann.

Der Deutsche Esperanto-Bund hat Hermann Behrmann seinerzeit angeboten, das Zentrum in Paderborn zu übernehmen, nachdem er es nicht mehr halten konnte. Leider hat er das abgelehnt. Damit verschwand eine zentrale Adresse mit einem funktionierenden Büro, ein historischer Schaden für die deutsche Esperanto-Bewegung.

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
"Pressearbeit über die heutige Praxis des Esperanto trägt zur Verbreitung erheblich bei. (Ohne eine solche ist es wesentlich schwieriger oder unmöglich.)"
Nun, diesen Satz unterstreiche ich gern. Es ist ja fast eine Binsenweisheit.
_________________
Rudolf
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Bernardo
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BeitragVerfasst am: Mo Okt 20, 2008 1:53 pm    Titel: Aussagen von Rudolf Fischer Antworten mit Zitat

Ich freue mich, heute einmal alle Aussagen von Rudolf Fischer mittragen und sogar unterstreichen zu können !! Volle Zustimmung.

Was Lu bezüglich professioneller Pressearbeit vorgetragen hat, hat - aus meiner Sicht - natürlich er recht !!
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Verschoben: Di Okt 21, 2008 9:39 pm Uhr von Lu Wunsch-Rolshoven
Von In den Medien und im Internet nach Esperanto intern
Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Di Okt 21, 2008 11:37 pm    Titel: Re: Zusammenhang Pressearbeit und Esperanto-Fortschritt Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
1970er und 80er Jahre: Einiges an Pressearbeit bei der Deutschen Esperanto-Jugend mit dem Haupttenor "Esperanto wird bei internationalen Treffen angewendet; das macht Spaß". Veröffentlichungen in Zeitungen, Radio und Fernsehen bis hin zur Tagesschau. Deutliches Wachstum der Treffen.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Die damaligen Erfolge der Deutschen Esperanto-Jugend waren i.W. auf sehr talentierte und agile Vorsitzende zurückzuführen. Ich nenne hier nur Franz Kruse, Thomas Bormann und Thomas Pusch. Natürlich sorgen solche Vorsitzenden auch für Pressearbeit.

Was man so unter "sorgen" versteht... Franz Kruse hat vor allem vor 1980 Pressearbeit gemacht. Sein wesentlicher Beitrag etwa im April 1980 war dann, dass er mich gefragt hat, ob ich denn Lust hätte, bei der Esperanto-Jugend mitzuarbeiten - und ich habe mir Pressearbeit ausgesucht, was ich dann für die Jugend erst als Beauftragter, dann als Vorstandsmitglied und abschließend bis etwa 1990 als Kommissionsmitglied gemacht habe.

Thomas Bormann hat nach meiner Erinnerung wohl nie Pressearbeit gemacht, Thomas Pusch hat ab etwa 1988 die Geschäftsstelle der Jugend in Bonn aufgebaut und geleitet und in dem Rahmen auf Anfragen der Presse und des Fernsehens geantwortet, vielleicht auch selbst die Presse angesprochen.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Franz Kruse und viele andere (darunter ich) sind durch die Aktivitäten des Esperanto-Zentrums Paderborn (Hermann Behrmann) Anfang der Siebzigerjahre geworben bzw. aktiviert worden. Das war nicht so sehr durch Pressearbeit, als durch Rundschreiben und gemeinsame Aktionen.

Hermann Behrmann hat für seinen Sprachkurs Esperanto programita sehr wohl mit Hilfe von Pressearbeit geworben. Um das für die Presse attraktiv zu machen (damit es nicht als reine Werbung angesehen wurde), hat er den Test 5000 erfunden: "Wir suchen 5000 Freiwillige, die unseren neuen Sprachkurs testen. Die Lehrhefte werden kostenlos zugesandt." Ein solches Angebot mit dem Text haben natürlich eine Reihe von kleineren Zeitungen übernommen. Erst danach kamen wohl die Rundschreiben.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Der Deutsche Esperanto-Bund hat Jahrzehnte die Pressearbeit in etwa mit derselben Intensität betrieben und dennoch bis 1994 einen Aufschwung, danach einen Abschwung hinter sich.

Die Fakten glaube ich gerne - meine Erklärung wäre: Von etwa 1980 bis etwa 1994 gab es eine recht aktive Pressearbeit der Esperanto-Jugend, so dass in der allgemeinen Presse Esperanto einigermaßen häufig auftauchte. Davon hat natürlich auch der Deutsche Esperanto-Bund profitieren können.

Auf der wikipedia-Seite Germana Esperanto-Asocio - Membronombroj habe ich die Zahlen von 1994 bis 2006 (aus "Esperanto aktuell" und teilweise "Esperanto") eingetragen. Wenn du, Rudolf, Zahlen für die Jahre davor hast, wäre es natürlich toll, wenn du sie ergänzen könntest. Wann übrigens begann der Aufschwung, der bis 1994 andauerte?

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Den wichtigsten Einfluss auf die Esperantoarbeit sehe ich heute in der Verbreitung des Internets. Daraus resultiert, dass einerseits mehr Leute Esperanto kennen lernen, aber weniger an einer Organisation interessiert sind. Der Deutsche Esperanto-Bund hat sich schon darauf eingestellt. Der einzelne Lerner oder Sprecher schaut natürlich nur auf den eigenen Vorteil und übersieht, dass eine Organisation zentrale Aufgaben hat, die nicht durch Einzelne durchgeführt und finanziert werden können.

Das Internet wird oft als magisches Mittel zur Verbreitung von Ideen angesehen. Tatsächlich hat aber eine Seite wie diese nur ein paar Dutzend oder hundert Besuche pro Tag - bei Spiegel Online oder bei Tageszeitungen sind das viele Tausende oder Hunderttausende. Wir können auf unseren eigenen Seiten wundervolle Texte zu Esperanto schreiben - Breitenwirkung erzielen wir vor allem mit ganz traditioneller Pressearbeit, nunmehr auch mit Online-Zeitungen als Zielmedium.

Dass der Einzelne in starkem Maße auf den eigenen Vorteil schaut, ist eine Konstante der Weltgeschichte und vermutlich schon vor den alten Griechen bekannt gewesen. Mittel für Gemeinschafts-Aufgaben, die dem Einzelnen nicht unmittelbar nutzen, muss man ergattern, indem man den Interessen des Einzelnen dient und ihm ein wenig mehr dafür abverlangt, als der Dienst kostet. Natürlich würde mir nur ein kleiner Teil der Teilnehmer des Neujahrstreffens Geld für meine Pressearbeit geben - im Sammelpack mit meiner allgemeinen Treffen-Organisation lässt sich das dann mitorganisieren.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Natürlich ist jede Privatinitiative wie EsperantoLand sehr begrüßenswert, weil dadurch das Spektrum der Angebote der Sprechergemeinschaft erweitert werden kann.

Die sogenannten "Privatinitiativen" sind für die Esperanto-Landschaft m.E. weitaus wesentlicher als allgemein angenommen. Im nationalen Rahmen heißt so etwas "unabhängiger Verein", "Selbständiger", "Privatunternehmen" u.ä. Das Funktionieren der Wirtschaft in den verschiedenen Ländern beruht in starkem Maße auf ihrer Existenz. Die Schwäche der Esperanto-Sprachgemeinschaft kommt vor allem daher, dass der private Sektor (außerhalb der Esperanto-Verbände) sehr schwach ausgebildet ist. Der Esperanto-Weltbund mit seinen Landes- und Fachverbänden umfasst etwa 90 % der in Vereinigungen organisierten Esperantosprecher, sie geben etwa 90 % der Esperanto-Zeitschriften heraus (nach Auflage), sie organisieren wohl über 80 % der Kongresse und Treffen, 100 % des Buch-Großhandels, vermutlich 80 % des Buch-Einzelhandels und wohl mehr als 50 % der Buchherausgabe. Das ist eine sehr starke Konzentration der politischen und wirtschaftlichen Macht in einer einzigen Organisation, weit stärker als in jedem Land der entwickelten Welt.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Wenn aber solche Ein-Mann-Initiativen (wie z.B. das Esperanto-Zentrum Paderborn seinerzeit) wieder eingehen, sollte eine Organisation als Auffanginstitution da sein, die die betreffenden Aufgaben personell und finanziell weiterführen kann.

Das ist in vielen Fällen nicht notwendig, wenn sich privat Leute finden, die so etwas weiterführen - und es wäre wegen der bereits existierenden Konzentration auch nicht förderlich, wenn dadurch eine relativ große Organisation noch mehr Aufgaben übernehmen würde.

Hermann Behrmann hat übrigens den Vorsitz des Verein "Esperanto-Centro e. V." (früher Paderborn) im Januar 2003 an mich übergeben; wir haben dann die Aktivitäten mit denen der EsperantoLand-Gruppe zusammengeführt und den Namen in "EsperantoLand e. V." geändert.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Der Deutsche Esperanto-Bund hat Hermann Behrmann seinerzeit angeboten, das Zentrum in Paderborn zu übernehmen, nachdem er es nicht mehr halten konnte. Leider hat er das abgelehnt. Damit verschwand eine zentrale Adresse mit einem funktionierenden Büro, ein historischer Schaden für die deutsche Esperanto-Bewegung.

Nach meinem Verständnis wäre es nicht gut gewesen, wenn der DEB das Paderborner Zentrum übernommen hätte. Hermann Behrmann ist dann übrigens nach Berlin umgezogen, mitsamt den Büchern des Buchversands und hat den Versand von hier fortgeführt (allerdings mit sehr geringer Werbung).

Der DEB hat dann wohl Wolfgang Schwanzer zum "Bücherdienst des DEB" ernannt - mit welcher Vereinbarung übrigens?

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Dem Deutschen Esperanto-Bund gelingt das [Pressearbeit mit Engagement und Erfolgen]. Und das unabhängig davon festgestellt, ob man deinem Axiom zustimmt, dass aller Erfolg von der Pressearbeit abhängt.

Erst hast du mir in den Mund gelegt, dass "aller Erfolg von der Pressearbeit abhängt" (was ich so nicht geschrieben habe) - um es als Axiom zu bezeichnen. Nun schreibe ich, dass ohne Pressearbeit die Verbreitung von Esperanto wesentlich schwieriger oder unmöglich ist - und das ist jetzt eine Binsenweisheit, s.u. Naja...

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
"Pressearbeit über die heutige Praxis des Esperanto trägt zur Verbreitung erheblich bei. (Ohne eine solche ist es wesentlich schwieriger oder unmöglich.)"

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Nun, diesen Satz unterstreiche ich gern. Es ist ja fast eine Binsenweisheit.
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Mi Okt 22, 2008 12:08 pm    Titel: Re: Zusammenhang von Lu und Esperanto-Fortschritt Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
Franz Kruse hat vor allem vor 1980 Pressearbeit gemacht. Sein wesentlicher Beitrag etwa im April 1980 war dann, dass er mich gefragt hat, ob ich denn Lust hätte, bei der Esperanto-Jugend mitzuarbeiten - und ich habe mir Pressearbeit ausgesucht, was ich dann für die Jugend erst als Beauftragter, dann als Vorstandsmitglied und abschließend bis etwa 1990 als Kommissionsmitglied gemacht habe.
...
Die Fakten glaube ich gerne - meine Erklärung wäre: Von etwa 1980 bis etwa 1994 gab es eine recht aktive Pressearbeit der Esperanto-Jugend, so dass in der allgemeinen Presse Esperanto einigermaßen häufig auftauchte. Davon hat natürlich auch der Deutsche Esperanto-Bund profitieren können.
Mit anderen Worten: Der Aufschwung des Deutschen Esperanto-Bundes ist auf die Pressearbeit der Deutschen Esperanto-Jugend zurückzuführen und die hast du gemacht, jeder Erfolg ist auf dich ganz allein zurückzuführen. Very Happy
Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
Der DEB hat dann wohl Wolfgang Schwanzer zum "Bücherdienst des DEB" ernannt - mit welcher Vereinbarung übrigens?
Was willst du denn da wissen? Datum, Wortlaut, oder was? Wolfgang Schwanzer wurde vom Deutschen Esperanto-Bund zum Beauftragten für den Bücherdienst ernannt. Das reicht doch wohl.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Mi Okt 22, 2008 12:44 pm    Titel: Fortschritt oder Stillstand? Antworten mit Zitat

Wer möchte schon ausschließen, dass die eigene Arbeit auch positive Effekte gehabt hat?!

Zum Bücherdienst interessiert mich z. B., ob der DEB die Anzeigen von Wolfgang Schwanzer in "Esperanto aktuell" in Rechnung stellt oder nicht. Wenn du dazu nichts sagen möchtest, ist das natürlich völlig ok.

Möchtest du, Rudolf, zu meinen sonstigen Aussagen noch Stellung nehmen, z. B. im esperantosprachigen Teil? Mich interessiert durchaus deine Meinung zu meinem Eindruck, dass der Esperanto-Markt weitaus stärker auf wenige miteinander verflochtene Marktteilnehmer konzentriert ist als andere (nationale oder einsprachige) Märkte. Ich sehe dies als mögliche Ursache für die Stagnation in einigen Bereichen an - Konkurrenz mag lästig sein, gebe ich gerne zu, sie hält aber ein wenig in Trab.
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Helmut
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BeitragVerfasst am: Mi Okt 22, 2008 7:22 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich halte die "Markt-Theorie" für arg an den Haaren herbeigezogen und seh keine Veranlassung, darüber zu diskutieren, solange nicht wenigstens etwas mehr an "Beweis" dazu kommt.

Zwischen "Espernato-Centro Paderborn" und DEB hat es zu meiner Zeit, sowohl in GEJ alsauch in GEA, im Vorstand keinerlei Differenzen gegeben. Als Beleg mag dienen, dass Hermann Behrmann auch mehrere Jahre im Vorstand des DEB war.

In der Frühzeit vom Esperanto-Centro Paderborn ist es auch stark von GEJ mit unterstützt worden, da hat es schon gegenseitig Hilfe von beiden Seiten gegeben - personell wie auch technisch. Ein Teil des Maschinenparks stammte von GEJ, auch andere Materialien, aber ich will das hier nicht weiter detailieren.

Natürlich hat es so eine Kontruktion wie das Esperanto-Centro Paderborn in mancher Hinsicht leichter als eine Organisation, wie der DEB: Keine Mitgliederverwaltung, Keine Mitgliederversammlung, keine Organisation von Treffen - Hermann Behrmann konnte frei schalten und walten wie er wollte und war nur sich selbst gegenüber verantwortlich, denn Satzung und Mitglieder gab es nur auf dem Papier. Und wenn er mal keine Lust oder keine Ideen hatte, dann hat er mal einige Monate die Arbeit schluren lassen, ohne dass irgendjemand laut aufschrie.

GEA hätte ab Mitte der 80-er Jahre das ECPaderborn gerne "unter seine Fittiche" genommen, als mit dem Esperanto-Centro steil bergab ging.

Warum es begab ging ist schwer zu sagen, es ist sicherlich auch ein Teil zu privat, um darüber zu sprechen. Sicherlich war Hermann Behrmann ausgebrannt, der Versuch, weitere Dienstleistungen (Reisedienst) anzubieten, ist nach einigen Anfangserfolgen schnell gescheitert. Da war auch zu vieles laienhaft gemacht und es fanden sich auch keine Mitarbeiter mehr. Das ist leicht bei Einzelkämpfern der Fall, zu dem Hermann Behrmann immer mehr geworden ist. In dieser Hinsicht ist er leider nicht das einzige Beispiel, ich kann - allein in Deutschland - locker ein ein halbes Dutzend weiterer Beispiele nennen. Das ist sehr schade, denn immer ist in kurzer Zeit etwas Bemerkenswertes aufgebaut worden und dann nach mehr oder weniger kurzer Zeit den Bach herunter gegangen. Sicherlich ein interessantes Thema, warum das so war.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Mi Okt 22, 2008 11:47 pm    Titel: Das Quasi-Monopol in der Esperanto-Sprachgemeinschaft Antworten mit Zitat

Der Esperanto-Weltbund UEA hat mit den Landesverbänden und den Fachverbänden ein Quasi-Monopol in der Esperanto-Sprachgemeinschaft. Wie oben aufgeführt, etwa 80 bis 100 % in den Bereichen Vereinsmitglieder, Zeitschriften, Buchgroßhandel, Bucheinzelhandel, Kongresse und Treffen; beim Verlegen von Büchern wohl etwas weniger; das Jahrbuch mit seiner zentralen Stellung u.ä. habe ich noch nicht aufgeführt.

Das bedeutet, dass vermutlich mehr als 80 % aller Geldausgaben im Bereich Esperanto in Verbindung mit dem Esperanto-Weltbund und seinen Untergliederungen getätigt werden.

Ich denke, die Existenz dieses Quasi-Monopols - auch wenn bisher in Esperanto-Kreisen davon nicht gesprochen wurde - ist kaum zu bestreiten. Es ist in den vergangenen hundert Jahren Stück für Stück entstanden: Etwa 1920 kam die Zeitschrift Esperanto zum Weltbund dazu, 1933/47 die Landesverbände mit ihrer gesamten Struktur, in den fünfziger Jahren der Buchbereich. Zeitweise wurde die Stellung des Esperanto-Weltbunds als alleinige Organisation von Esperantosprechern vehement eingefordert, so z. B. von Ivo Lapenna in den fünfziger und sechziger Jahren; solche Vorstellungen finden sich in Esperanto-Kreisen bis heute, wie die Äußerungen u.a. von Detlev Blanke zeigen. (Ekz. "Kiu reprezentu ..." en: Blanke pri Raumo.)

Die Frage ist, wie man das Quasi-Monopol bewertet. Traditionell wird gesagt, Einigkeit mache stark. Dieser Auffassung ist auch das Bundeskartellamt - und um zu große Stärke einzelner Marktteilnehmer zu vermeiden, verbietet es gelegentlich Zusammenschlüsse.

Die Organisation der Esperantosprecher in - im wesentlichen - einem Verband mit Untergliederungen hat zwar eine einheitliche Außendarstellung ermöglicht. Allerdings hat nach meinem Verständnis die übermäßige Stärke der traditionellen Esperanto-Verbände als Anbieter von Esperanto-Produkten und Dienstleistungen zu einer gewissen Lethargie geführt. Es war und ist kaum Konkurrenz innerhalb der Esperanto-Landschaft zu spüren - und deshalb kann man sich so manches erlauben, z.B.: Die Zeitschrift des Esperanto-Weltbundes veröffentlicht häufig Rezensionen zu Büchern, die bis zu vier Jahre vorher erschienen sind. Man erklärt, ein Schrumpfen der Mitgliederzahlen sei heutzutage bei Vereinen normal - obwohl es durchaus Vereine in aufstrebenden Bereichen gibt, die mit den Bereichen wachsen. Teilweise strengt man sich in Sachen Pressearbeit nicht besonders an und lässt selbst internationale Treffen ohne Pressebetreuung.

Unabhängig von aller Theorie ist festzustellen, dass der Esperanto-Weltbund heute genau so viele individuelle und Mitglieder über Landesverbände hat wie 1947; viele Landesverbände sind seither geschrumpft. Ich vermute, dass dies eben gerade auf das Fehlen von Konkurrenz zurückzuführen ist. Warum sollte sich ein Vorstandsmitglied besonders engagieren?! Gewöhnlich sind Mitglieder nicht besonders dankbar für erfolgreich geleistete Arbeit; man kriegt in etwa das gleiche Lob am Ende der Amtszeit, ob die Mitgliederzahlen nun um 2 % pro Jahr gestiegen oder gesunken sind; Wachstum ist allerdings sehr viel arbeitsaufwändiger.

Das fehlende Wachstum der Verbände bedeutet nach meiner Vermutung, dass die Außendarstellung, gegenüber Politikern, Unesco u.ä., nicht sehr erfolgreich ist. Ein stagnierender oder gar schrumpfender Bereich ist auch als politischer Partner unattraktiv.

Ergänzend zu der Konzentration von Macht und Entscheidungen in einer Struktur ist festzustellen, dass es sich um eine Struktur von Verbänden und nicht um Unternehmen handelt. Verbände pflegen eine geringere Dynamik zu entfalten als Unternehmen. Es war nicht der Verband der Internetnutzer, der das Internet verbreitet hat. Es war nicht der Verband der Faxnutzer, der das Fax verbreitet hat - und beim dritten Kommunikationssystem Telefon war es dasselbe. Es waren stets Unternehmen, die im übrigen sehr häufig aus der Initiative der hier mehrfach geschmähten Einzelkämpfer hervorgingen.

Solange im Esperanto-Bereich die Verbände und ihre Funktionäre glauben, dass sie Produkte und Dienstleistungen selbst erbringen sollten statt diese Aufgabe wie im nationalen Bereich vor allem den "Einzelkämpfern" und "Ein-Mann-Unternehmen" (die erst sehr langfristig zum "Zwei-Mann-Unternehmen werden können) zu überlassen, wird sich dort nur eine eher mäßige Entwicklung ergeben. Insofern die Verbände Produkte und Dienstleistungen zu Preisen unter Marktniveau anbieten, behindern sie leider sogar die Entstehung einer Privatwirtschaft.

Erfreulicherweise gibt es Bereiche, in denen ein teilweise verbandsunabhängiges Angebot entstehen konnte - und diese sind in den vergangenen Jahrzehnten auch gewachsen, z. B. Esperanto-Treffen, Musik und Internet.
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Do Okt 23, 2008 8:59 am    Titel: Re: Bücherdienst Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
Zum Bücherdienst interessiert mich z. B., ob der DEB die Anzeigen von Wolfgang Schwanzer in "Esperanto aktuell" in Rechnung stellt oder nicht.
Die Anzeigen sind für unseren eigenen Bücherdienst natürlich kostenlos.
Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
Möchtest du, Rudolf, zu meinen sonstigen Aussagen noch Stellung nehmen, z. B. im esperantosprachigen Teil? Mich interessiert durchaus deine Meinung zu meinem Eindruck, dass der Esperanto-Markt weitaus stärker auf wenige miteinander verflochtene Marktteilnehmer konzentriert ist als andere (nationale oder einsprachige) Märkte. Ich sehe dies als mögliche Ursache für die Stagnation in einigen Bereichen an - Konkurrenz mag lästig sein, gebe ich gerne zu, sie hält aber ein wenig in Trab.
Nein, das ist mir alles zu theoretisch, so dass man da eben verschiedene Ansichten und Theorien haben kann, ohne dass davon etwas objektiv untermauerbar ist. Ich konzentriere mich, wie schon gesagt, auf kurze Meldungen hier, stehe für sprachliche Auskünfte zur Verfügung und investiere meine Freizeit lieber auf praktische Arbeit für Esperanto.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Do Okt 23, 2008 2:21 pm    Titel: Vertretung der Einzelmitglieder des Esperanto-Weltbundes Antworten mit Zitat

Ach ja, ein Bereich, wo die Quasi-Monopolstellung des Esperanto-Weltbundes auch noch deutlich zutage tritt, ist das Stimmrecht für die Einzelmitglieder (individuaj membroj).

Es gibt weltweit etwa 6.000 Einzelmitglieder, sie zahlen im Schnitt wohl mehr als 30 EUR jährlich, macht zusammen mehr als 200.000 EUR im Jahr. Die Landesverbände haben insgesamt etwa 11.000 Mitglieder, hierfür zahlen sie pro Person 2 % des Mitgliedsbeitrags für Einzelmitglieder mit Zeitschriftenabonnement, im Schnitt wohl unter 1 EUR pro Person, je nach Land; zusammen wohl weniger als 10.000 EUR.

Im Komitee des Esperanto-Weltbundes haben die Einzelmitglieder derzeit 5 Sitze (eigentlich wären 7 vorgesehen). Die Landesverbände verfügen über etwa 45 Sitze. Bei den Einzelmitgliedern kommen also etwa 1000 Mitglieder auf einen Sitz, bei den Verbandsmitgliedern etwa 250. Noch krasser sieht es natürlich aus, wenn man die Verbundenheit mit dem Verband betrachtet, die z. B. im Bezug der Zeitschrift des Esperanto-Weltbunds und im gezahlten Beitrag zum Ausdruck kommt.

Interessant ist, dass das Problem durchaus erkannt wird. Allerdings ist zu lesen, dass es nicht gravierend sei, da die Komitee-Mitglieder für die Einzelmitglieder kein signifikant anderes Abstimmungsverhalten hätten als die für die Landesverbände. Das ist so, als ob man im Deutschen Bundestag nur noch Mitglieder aus Berlin und aus Brandenburg hätte (für Stadt und Land) - z. B. wegen der geringeren Reisekosten -, da sich vielleicht gezeigt hat, dass das Abstimmungsverhalten dieser Abgeordneten nicht signifikant von dem anderer Städte bzw. ländlicher Regionen abweicht. Nicht jeder wäre damit einverstanden...

Nach meinem Verständnis ist die Tatsache, dass das Problem seit Jahren bekannt ist und nicht gelöst wird, eine Folge davon, dass man es nicht nötig hat, sich demokratischen Regeln zu nähern. Es ist eben das Verhalten einer Organisation, die mit ihrem allgemeinen Quasi-Monopol in der Esperanto-Sprachgemeinschaft ganz gut leben kann. Wenn sich jemand beschwert, wird er irgendwie abgebügelt, wenn jemand dann eine eigene Organisation gründet, dann ist er böse, weil er angeblich eine Spaltung der ach so heiligen Esperanto-Sprachgemeinschaft erzeugt.
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Bernardo
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BeitragVerfasst am: Do Okt 23, 2008 2:55 pm    Titel: UEA Antworten mit Zitat

Also man kann ja Kritik an der UEA üben, ich mach das durchaus auch. Aber daß es Landesverbände der UEA gibt, ist mir bisher jedenfalls nicht bekannt ! Ich würde mir das sogar wünschen, weil das dann automatisch demokratischere Strukturen zur Folge hätte !!

Ich glaube nicht mal, daß der Herr Schwanzer wegen seiner Funktion als "cxefdelegito" in den Vorstand des DEB kooptiert ist oder qua Amt dabei ist. Wäre aus meiner Sicht durchaus wünschenswert, aber da gäbe es vieles was noch wünschenswert wäre. Da habe ich jetzt keine Zeit, um mich über alles das auszulassen.

Auch passt mir das Wort Monopol in dem Zusammenhang nicht, denn jeder kann ja einen alternativen Esperanto-Weltbund gründen und aufbauen. Außerdem gibt es noch SAT. Ein Monopol ist meines Erachtens, wenn das verboten wäre !! Alles andere ist kein Monopol.

Lu ich hoffe, daß wir während des Silvester-Treffens mal eine Stunde darüber ausführlich diskutieren können.

Vielen Dank auch noch an Helmut, für die geschichtlichen Informationen betreffend Centro Paderborn. Da habe ich vieles nicht gewußt und das war wissenswert, weil Hermann Behrmann zu meinen Vorbildern gehört hat !!

Herzliche Grüße
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Do Okt 23, 2008 3:46 pm    Titel: Marktbeherrschende Stellung des Esperanto-Weltbunds Antworten mit Zitat

Der Deutsche Esperanto-Bund ist einer von derzeit 67 "landaj Esperanto-asocioj" des Esperanto-Weltbunds UEA.

Das Wort "Monopol" habe ich mit Bedacht nicht benutzt. Die Bezeichnung "Quasi-Monopol" entstammt der deutschen Wikipedia. Mir ist aber die Bezeichnung relativ egal - wir können gerne von "marktbeherrschender Stellung" sprechen oder von (Unternehmens-)Konzentration.

SAT als politisch linker Verband ist keine Konkurrenz, wenn man sich nicht politisch binden will. Und der Civito möchte ein staatsartiges Gebilde bauen, mit Senatoren, Gesetzen usw. - auch das ist eine andere Kategorie.

Gerne bin ich bereit, darüber während des Neujahrstreffens zu sprechen. Wie gesagt, ich halte die Situation im Esperanto-Bereich für bemerkenswert anders als in anderen Sprachgebieten und habe den Eindruck, dass die in dem Monopol-Artikel der Wikipedia genannten "wohlfahrtstheoretischen" Folgen auch bei uns eingetreten sind: "Mangels Konkurrenzdruck sind Monopolisten oft ineffizient und wenig innovationsfreudig (dynamische Ineffizienz)." Das gilt natürlich in ähnlicher Weise auch für "Quasi-Monopolisten" oder für Organisationen mit marktbeherrschender Stellung.

Prinzipiell stimmt es, "jeder kann ja einen alternativen Esperanto-Weltbund gründen und aufbauen." In der Praxis hat allerdings Ivo Lapenna energisch gekämpft gegen unabhängige Strukturen (in seiner Historio de Esperanto hat Korĵenkov ein Beispiel erwähnt) und Detlev Blanke hat sich gegen den Civito unter anderem deswegen gewendet, siehe mein Zitat. Und ich selbst kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir gesagt worden ist, ich solle doch lieber im Deutschen Esperanto-Bund mitarbeiten. Auch Hermann Behrmann hat ja so manchen Antrag dieser Art erhalten.
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BeitragVerfasst am: Do Okt 23, 2008 4:10 pm    Titel: Re: Vertretung der Einzelmitglieder des Esperanto-Weltbundes Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:
Im Komitee des Esperanto-Weltbundes haben die Einzelmitglieder derzeit 5 Sitze (eigentlich wären 7 vorgesehen). Die Landesverbände verfügen über etwa 45 Sitze. Bei den Einzelmitgliedern kommen also etwa 1000 Mitglieder auf einen Sitz, bei den Verbandsmitgliedern etwa 250.
Hierbei hast du doch gar nicht berücksichtigt, dass je nach Landesverband 50-90% der in seinem Einzugsbereich wohnenden UEA-Einzelmitglieder auch Mitglieder des Landesverbands sind.

In der Regel werden also die Einzelmitglieder über ihren Landesverband vertreten. Für den Rest müssten etwa die gleichen Proportionen herauskommen.

Im Übrigen ist das in der Praxis auch völlig unwichtig. Der Deutsche Esperanto-Bund hat immer sehr viel Mühe, Vertreter für das Komitee zu finden. Wenn du D.E.B.-Mitglieder kennst, die sich unterrepräsentiert fühlen, bitte mir die Namen nennen. Ich setze sie gleich auf die Kandidatenliste für die nächste Amtsperiode.

Auch was Bernhard über Wolfgang Schwanzer als Chefdelegito geschrieben hat, zeugt von Unkenntnis. Der D.E.B.-Vorstand arbeitet laufend mit Wolfgang Schwanzer, der ja früher selbst D.E.B.-Vorsitzender war, Hand in Hand. Selbstverständlich könnte er D.E.B.-Vorstandsmitglied sein, wenn er wollte; will er aber nicht. Es ist auch besser, wenn arbeitsintensive Posten außerhalb des Vorstands besetzt werden, weil sonst die Vorstandsarbeit leidet. Deshalb verlässt z.B. Jörg Gersonde jetzt den Vorstand, um sich ganz dem PSI widmen zu können (und einem Teil der Verwaltungsarbeit).

Der Chefdelegito wird übrigens vom D.E.B.-Vorstand vorgeschlagen und in der Regel dann von UEA akzeptiert. Mangels geeigneter Kandidaten ist auch das kein Konfliktfall.

Fühlt sich vielleicht jemand nicht wichtig genug und möchte Wolfgang Schwanzers Nachfolger werden? Auch hierfür setze ich gern Kandidaten auf die Warteliste. Wink

Lu, wenn du dir Gedanken über mangelhafte demokratische Verhältnisse in UEA machst, wie hältst du es denn damit in deinem Verein EsperantoLand? Vom D.E.B. kann jeder das Statut im Netz einsehen, Protokolle und Jahresberichte lesen, usw. Die Mitgliederversammlung, sogar der D.E.B.-Vorstand tagen öfffentlich. Nichts dergleichen habe ich je von EsperantoLand gesehen, das ja immerhin ein eingetragener Verein nach deutschem Recht ist. Außer dir kenne ich kein einziges Mitglied. Nach welchen Regeln da die Meinungs- und Vertretungsbildung erfolgen, bleibt unsichtbar, wie in einer Geheimgesellschaft.

Eigentlich ist das nicht mein Bier, aber wenn du den Mangel an Demokratie in UEA einmahnst, solltest du in der Lage sein, EsperantoLand als Vorbild an Demokratie nachzuweisen. Ich bin gespannt.
_________________
Rudolf


Geändert am Do Okt 23, 2008 4:13 pm von Rudolf Fischer
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Do Okt 23, 2008 9:14 pm    Titel: Re: Vertretung der Einzelmitglieder des Esperanto-Weltbundes Antworten mit Zitat

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Im Übrigen ist das [Vertretung der Mitglieder des Esperanto-Weltbunds] in der Praxis auch völlig unwichtig.

Den Eindruck habe ich nicht. Ich habe mehr als einmal in Esperanto-Zeitungen von dem Problem gelesen, z. B. in Ondo de Esperanto, wo eben ein Mangel an Demokratie beanstandet wurde; ich gebe das hier nur wieder. Und ich bin auf das Thema vor kurzem nochmal gestoßen worden, weil mir jemand erzählt hat, dass er früher Einzelmitglied bei UEA war, aber das nicht mehr sein wolle, weil er die Vertretung der Einzelmitglieder als zu gering ansehe. Dabei bezog er sich vor allem auf die große Summe Geld, die die Einzelmitglieder zahlen (wohl mehr als 200.000 EUR, wie geschrieben), und den geringen Betrag, der von den Landesverbänden kommt (wohl weniger als 10.000 EUR). Er hatte den Eindruck, dass auch die Verwaltung dieser Gelder dem entsprechen solle. Du hast dazu ja nicht Stellung genommen.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Auch was Bernhard über Wolfgang Schwanzer als Chefdelegito geschrieben hat, zeugt von Unkenntnis.

Falls hier Bernhard etwas nicht wusste, finde ich, man hätte das auch verbindlicher ausdrücken können. Tut mir leid, Bernhard, dass du im EsperantoLand-Forum eine solche Bemerkung zu lesen bekommst.

Rudolf Fischer hat Folgendes geschrieben:
Nichts dergleichen habe ich je von EsperantoLand gesehen, das ja immerhin ein eingetragener Verein nach deutschem Recht ist. Außer dir kenne ich kein einziges Mitglied. Nach welchen Regeln da die Meinungs- und Vertretungsbildung erfolgen, bleibt unsichtbar, wie in einer Geheimgesellschaft.


Das deutsche Vereinsrecht sieht vor, dass ein eingetragener Verein seine Satzung bei einem Amtsgericht einreicht. Um die Arbeit zu ersparen, sie dort einzusehen - sie ist ähnlich langweilig, wie andere Satzungen -: Alle Mitglieder haben eine Stimme in der Mitgliederversammlung, die den 1. und 2. Vorsitzenden wählt. Ich hoffe, das überrascht jetzt niemanden allzu sehr...

Im übrigen nehme ich an, dass du Hermann Behrmann kennst, der 2. Vorsitzender ist.

Wieso dich ein eingetragener Verein mit Pressearbeit, Internetseiten, Kontaktformular usw. an eine Geheimgesellschaft erinnert, bleibt dein Geheimnis.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Fr Okt 24, 2008 8:58 am    Titel: Alternative Strukturen aufbauen Antworten mit Zitat

Bernardo hat Folgendes geschrieben:
[...]jeder kann ja einen alternativen Esperanto-Weltbund gründen und aufbauen.

Es geht weniger um einen alternativen Weltbund. Die Geschichte von Telefon, Telefax und Internet zeigt ja, dass für die Verbreitung dieser Kommunikationsnetze die Verbände der Nutzer nur eine sehr geringe Rolle gespielt haben. Vielmehr waren es Unternehmen, die das Wachstum vorwärts trieben.

Es geht daher vor allem um den Aufbau einer freien Privatwirtschaft im Esperanto-Bereich. Es ist nicht ganz leicht, diese neben der marktbeherrschenden Wirtschaftstätigkeit der Esperanto-Verbände zu etablieren. Das liegt daran, dass die Verbände nicht nur auf ihrer traditionellen Stellung fußen können, sondern auch noch ergänzende Mittel aus ehrenamtlicher Mitarbeit und aus Spendengeldern zur Verfügung haben. So können sie sich selbst ineffizientes Handeln zu einem gewissen Teil erlauben, ohne deswegen gleich Marktanteile einzubüßen.

Allerdings zeigt die Geschichte der letzten dreißig Jahre, dass die Verbände sich schwer tun, in neue Bereiche vorzudringen. Treffen, die keine Kongresse sind, werden in nicht unerheblichem Maße von Privatleuten oder kleinen Initiativen unabhängig organisiert (z. B. IF, Arkones, NR, SOMERE). (Letztlich kann man auch die Esperanto-Jugendverbände als eine neue Initiative sehen; die Welt-Esperantojugend ist erst Ende der dreißiger Jahre unabhängig gegründet worden - und z. B. die Deutsche Esperanto-Jugend ging mit der Gründung des Internacia Seminario 1957 einen deutlich anderen Weg als den der traditionellen Kongresse.)

Ebenso entwickeln sich Musik und Internet in starkem Maße in Einzelinitiativen oder in Kooperation mit Nicht-Esperanto-Unternehmen (z. B. Edistudio, Vinilkosmo; Wikipedia, Ipernity, Google).
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