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Ido oder Esperanto
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Fr Feb 12, 2010 11:45 am    Titel: Re: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

mm22 hat Folgendes geschrieben:
Naja, der Sprachvergleich hinkt ein wenig wenn man 1887 zur Basis nimmt, von einer Person steigert sich's leicht. Realistischer wäre vielleicht der 1. Kongress 1905 aber wirkliche Zahlen von damals und heute sind da schwer zu bekommen. Auf jeden Fall ist mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten und Reisemöglichkeiten ein deutlicher Aufschwung zu sehen.


Die Aussage, "von einer Person steigert sich's leicht", klingt sehr überzeugend, hält aber dem Praxistest nicht stand. Es gibt sehr viele kleine Sprachen, die langsam aussterben - wenn es nur noch einen Sprecher gibt, ist eine Steigerung nicht etwa leicht, sondern wahnsinnig schwierig; viele Kleinunternehmer kommen auf keinen grünen Zweig, sondern bleiben Einpersonenbetriebe; es gibt viele kleine Vereine, die keine Steigerung der Mitgliederzahlen vorweisen können; und auch die kleine Ido-Sprachgemeinschaft wächst anscheinend nicht. Ein gutes Wachstum lässt sich vor allem dann erreichen, wenn man eine gute Sache hat sowie ein gutes Konzept für die Verbreitung und ergänzend zur richtigen Zeit kommt.

Man kann auch einen anderen Zahlenvergleich zu Esperanto anstellen: Heute gibt es etwa 100.000 Menschen weltweit, die Esperanto fließend und regelmäßig sprechen ("etwa" heißt "vermutlich irgendwo zwischen 50.000 und 200.000"). Vor etwa 100 Jahren, vielleicht etwas vor dem ersten Esperanto-Weltkongresses, der 688 Teilnehmer hatte, dürfte es 100 Menschen gegeben haben, die Esperanto fließend und regelmäßig sprachen. Das ist eine Vertausendfachung in hundert Jahren, also etwa + 7 % pro Jahr im Schnitt, natürlich mit starken Schwankungen. Jedenfalls prozentual weitaus mehr als die Entwicklung jeder anderen Sprache einschließlich Englisch, das sich in den letzten vierzig Jahren wohl nur mit etwa 5 % pro Jahr verbreitet hat. (Wenn man z.B. von 250 Millionen Sprechern mit Englisch als Zweitsprache vor 40 Jahren und etwa 2 Milliarden heute ausgeht.) In den Jahrzehnten davor war das Wachstum beim Englischen noch geringer. Nur ein paar nationalen Sprachen gelingt es, die Zahl der Lerner ihrer Sprachen zu erhöhen; in der Regel wachsen diese Sprachen nur mit dem Wachstum der Bevölkerung im entsprechenden Land - und das liegt nur selten über zwei Prozent pro Jahr.
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Lu Wunsch-Rolshoven
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BeitragVerfasst am: Sa Feb 13, 2010 10:05 am    Titel: Anzahl der Zeitschriften - Esperanto : Ido Antworten mit Zitat

Zum zahlenmäßigen Vergleich Esperanto zu Ido (und anderen Plansprachen) zitiert Blanke eine Untersuchung von Máthé (1993):
Zitat:
Für den Zeitraum von der Veröffentlichung des Volapük (1879) bis in die 90er Jahre (1993) verteilen sich die erfassten 11.393 plansprachlichen Zeitschriftentitel wie folgt:

Zeitschriften in o. über d. Plansprache(n) ... Anzahl ... Anteil %

Esperanto (1887)......................................10.440 ... 91,63
Volapük (1879)..............................................297 .... 2,61
Ido (1907) ....................................................286 .... 2,51
Occidental-Interlingue (1922) ...........................99 .... 0,87
Interlingua (1951) ...........................................83 .... 0,73
andere Plansprachen .....................................188 .... 1,65

Das Verhältnis Esperanto zu Ido beträgt in diesem Bereich also etwa 36:1. Wobei mich interessieren würde, ob es sich seit 1993 zu Gunsten oder Ungunsten von Ido entwickelt, auch in anderen Bereichen. In und zu Esperanto erscheinen z.B. jährlich etwa 120 Bücher (mindestens 49 Seiten). Wieviele erscheinen in Ido?
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mm22
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BeitragVerfasst am: Sa Feb 13, 2010 10:28 am    Titel: RE: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

Vielen Dank für die Zahlen, sehr interessant.

Ich fand die Zahl 1 nur etwas unglücklich als Bezugspunkt, weil sie ja aus der exponentiellen Zeit stammt. Anfangs wachsen Plansprachen, exponentiell (oder verlöschen) später eher linear. Am Anfang war Zamenhof unter lauter Nicht-Esperantisten, später, lineare Phase, ständig unter Esperantisten Wink

Der Anteil der Ido-Sprecher / Bücher wird wohl ziemlich konstant nach dem Ende der exponentiellen Phase und der Krise in den zwanzigern (1922 Occidental und 1928 Novial) zwischen 1 und 5 % gelegen haben. Daran hat sich wohl auch heute nicht viel geändert. Habe mir jetzt erst ein Ido-Radikaro von 2009 gekauft. Der Markt ist ja heutzutage ziemlich unübersichtlich durch die vielen Books on Demand-Angebote, mit oder ohne ISBN noch dazu. Von mindestens 3 Ido-Buchprojekten für 2010 weiß ich (u.a. Anne Frank-Übersetzung). Ich schätze aus dem Bauch heraus, daß sich das Verhältnis seit 1928 nicht wesentlich verändert hat.

Aber Zahlen sind vielleicht da gar nicht wichtig, häufig sind sie sehr hypothetisch oder politisch, wie die in der Wikipedia. Wichtig ist was man mit seinem Sprachwissen anfangen kann. Da gibt es bei 2, 1000 oder einer Million Menschen jeweils unendlich viele Möglichkeiten. Das ist ja das Gute an der menschlichen Sprache und Natur.
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: Sa Feb 20, 2010 6:54 pm    Titel: Re: Unterschiede zwischen Ido und Esperanto Antworten mit Zitat

mm22 hat Folgendes geschrieben:
@Rudolf: Die Sache mit dem Hund ist ein "harter Hund". Ich fasse noch einmal zusammen (oder versuche es): Es geht um die Tatsache ob beim alltäglichen Vorgang des "Hundsehen"'s die Flexion des Adjektives notwendig ist um zu beschreiben ob sich das Objekt derzeit auf einer anderen Seite oder sich im Zustand des Hinüberwechselns auf diese andere Seite befindet (richtig?).
Nicht so ganz, aber das ist meine Schuld, weil ich zwei Themen miteinander verquickt habe:

1) Den Bedeutungsunterschied zwischen
"trans la strato" ('jenseits der Straße') und
"trans la straton" ('über die Straße hinweg')

Die n-Markierung gibt hier an, dass nicht der Ort, sondern die Richtung gemeint ist. Ido müsste hier 2 Präpositionen statt einer haben (ich habe das nicht kontrolliert), was den Vorrat an Präpositionen aufbläht. Es gibt nämlich erstaunlich viele Präpositionen, die einmal den Ort, einmal die Richtung angeben können: en, sur, sub, super, ĉe, ĉirkau, antaŭ, malantaŭ, post, inter, ...

2) Der Satz mit dem Hund hat 3 Varianten:

2.1 Mi vidis la hundon kurantE trans la straton.
'Ich sah den Hund, als ich über die Straße rannte.'
(Ist wohl im Ido genauso.)

2.2 Mi vidis la hundon kurantAN trans la straton.
'Ich sah den über die Straße rennenden Hund'
=
Mi vidis la hundon, kiu kuris trans la straton.
Diese Version ist also gleichwertig zu einem Relativsatz.

2.3 Mi vidis la hundon kurantA trans la straton.
=
Mi vidis la hundon, kiam ĝi kuris trans la straton.
'Ich sah den Hund, wie/als er über die Straße rannte.'
Diese Version ist also gleichwertig zu einem Nebensatz, der
durch eine Konjunktion eingeleitet wird.

Den Unterschied zwischen 2.2 und 2.3 (mit dem entsprechenden Bedeutungsunterschied) kann Ido so nicht 1:1 nachvollziehen.

Ähnlich ergibt sich manchmal eine Zweideutigkeit, die wegen der n-Markierung im Esperanto nicht besteht, z.B.
... festis ili la jubileon de Esperanto konata(n) en la tuta regiono.
("konatan" würde sich auf "jubileon" beziehen, "konata" auf "Esperanto")

Nun muss man zugeben, dass alle diese Fälle sich in der Praxis relativ selten auswirken. Die schönen Partizipialkonstruktionen aus 2.1 bis 2.3 sind ohnehin eher Schriftesperanto, werden im Mündlichen kaum verwendet.

Insofern geht es hier wieder um ein Abwägen: Lohnt die häufigere n-Markierung den Gewinn an gelegentlicher Klarheit? Objektiv lässt sich das nicht entscheiden.

mm22 hat Folgendes geschrieben:
Historischer Hintergrund zu diesem Problem: Zamenhof hatte 1894 vorgeschlagen auf die Flexion des Adjektives zu verzichten und die Pluralbildung des Substantives mit -i statt -oj durchzuführen. Dass diese und seine anderen, teilweise für mich sehr sinnvollen, Vorschläge damals abgelehnt wurden ist wohl vor allem der nicht unberechtigten Angst geschuldet im Wettkampf der Plansprachen durch "Reformitis" zu einem verfrühten Zeitpunkt (noch schwache Bewegung) aus dem Rennen a zu scheiden. Das nur am Rande.
Ich meine doch, hier etwas korrigieren zu müssen. Die Vorschläge waren nicht von Zamenhof, sondern von denjenigen, die von ihm sprachliche Korrekturen forderten. Formal stellte er sie zur Abstimmung, alle wurden abgelehnt. Dass er selbst nicht hinter den Korrekturvorschlägen stand, lässt sich an der schlauen Art ablesen, wie er die Abstimmung durchführen ließ: Man durfte nämlich nur pauschal entweder alle Änderungen annehmen oder alle ablehnen. Zamenhof wusste genau, dass es für alle Abstimmenden unter den Änderungsvorschlägen mindestens jeweils eine gab, die man auf gar keinen Fall wollte. Also war nichts zu ändern, für alle das kleinere Übel, und dieses Ergebnis ließ sich damit unschwer voraussagen.

Dabei wäre die eine oder andere Änderung aus meiner Sicht tatsächlich von Nutzen gewesen, vor allem die unpraktische aŭ-Endung der nicht abgeleiteten Adverbien.

Ich sagte schon mal, dass Regeln, die man "nur bei Bedarf" anwenden muss, sprachtheoretisch immer unpraktisch sind, weil der "Bedarf" in der Regel selten gegeben oder nur schwer festzustellen ist. Dazu ein weiteres Beispiel:
Wenn im Ido der Plural nicht ausgedrückt werden kann (aber sollte) - das ist ein Fall von "Bedarf" - dann muss wieder eine Hilfskonstruktion her. So muss sogar der Artikel "bei Bedarf" im Ido den Plural anzeigen (er hat dann die Form "le"):
Ĉu vi volas la bluajn aŭ la ruĝajn rozojn? -
La bluajn!

ist im Esperanto kein Problem, aber im Ido, wo "blu" als Adjektiv ja den Plural nicht anzeigen darf (und das Objekt auch nicht). In diesem Fall muss es dann im Ido heißen Le blua, und der Plural steckt dann im "le", ein hässlicher Webfehler im Sprachsystem.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen Esperanto und Ido kam noch nicht zur Sprache, obwohl er m.E. nach der ursprüngliche Hauptkritikpunkt der Ido-Befürworter war:
Im Esperanto kann man aus jedem Grundwort, egal welcher Wortklasse, durch Wechsel der Wortartenendungen alle möglichen Ableitungen bilden. Das ist leicht und kurz, hat aber gelegentlich den Nachteil, zu Mehrdeutigkeiten zu führen, weil die Ableitungskette nicht eindeutig ist. So kann "telefona" einmal das Adjektiv zu "telefono" sein, zum anderen von "telefoni" abgeleitet, so dass sich zwei Bedeutungen ergeben:
1) telefona 'zum Telefon gehörig': telefona kablo
2) telefona 'telefonisch': telefona mesaĝo

Diesen Nachteil versuchten die Ido-Väter zu vermeiden, indem sie die meisten unmittelbaren Ableitungen (also durch einfachen Austausch der Wortartenendungen) verbaten. Statt dessen braucht man eine zusätzliche Reihe von Suffixen. Das ist schwerer erlernbar; die Wortklasse der Grundform spielt eine viel größere Rolle als im Esperanto, denn davon hängt ab, welche Ableitungen verboten sind.

mm22 hat Folgendes geschrieben:
Durch diese zwei Maßnahmen sollte der "unschönen" (Schönheit ist ja relativ) Häufung von -aj, -ajn, -ojn abgeholfen werden.
Die Endungen entstammen dem Altgriechischen, das Generationen von Altphilologen als vorbildlich schöne Sprache gepriesen haben.
_________________
Rudolf
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mm22
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BeitragVerfasst am: So Feb 21, 2010 6:03 am    Titel: RE: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

@Hund: Bei diesem Thema steige ich doch lieber aus, das nicht jeder Satz einer Sprache 1:1 in einer anderen Sprache abgebildet werden kann erscheint mir logisch und unvermeidlich wenn sich die Grammatik unterscheidet.

@1894: War Zamenhof tatsächlich so schlitzohrig mit wirklich instruktiven Beispielen für diese Reformen in "Der Esperantist" zu werben in der Hoffnung das man diese ablehnen würde? Allerdings glaube ich mich zu errinnern, dass drei Alternativen zur Auswahl standen. Alles, etwas, oder nichts davon zu übernehmen. Naja, sind alte Kamellen und tatsächlich war der erste Anstoß zu dieser Debatte und zu den 1894-Vorschlägen nicht von ihm ausgegangen. Er beugte sich da wohl teilweise der Macht des Faktischen, d.h. der Verleger, die unwillig waren extra für Esperanto neue Drucksätze herstellen zu lassen, insbesondere dann wenn auf absehbare Zeit für ihre Erzeugnisse keine breite Leserschaft existieren würde.

@Le blua: Warum soll im Vergleich zu
"Chu vi volas la bluajn auw la rughain rozojn? La bluajn." (Warum nicht La bluojn?) (Mein Keyboard-Remapper funktioniert wieder nicht - h Transliteration).

die Ido-Form:
Ka vi volas la blua o la reda rozi? Le blua!
häßlich sein. Das erschließt sich mir nicht. Viele Sprachen haben für die Pluralform einen anderen Artikel als für die Singularform. Das "Allez les bleu" dürfte uns nach jedem Fußballspiel mit unseren Nachbarn noch lange in den Ohren klingen. Überhaupt ist "le" häufig eine elegante Lösung für Pluralprobleme:

le sis (die Sechsen), le Mayer (die Mayers)

Sprachliche Häßlichkeit ist das für mich nicht, eher Eleganz, auch wenn die hier ein neues Wort benötigt.

@Altgriechisch: Nun kennt aber das Alt-Griechische den Buchstaben j gar nicht, nur das I (Iota oder Jiota) und das wird kaum, jedenfalls seit der spätklassischen Methode, als j ausgesprochen, noch treten die Wortgruppen oi und ai in dieser Häufung wie im Esperanto auf. kai (und) liest sich zum Beispiel: kä und "oi" wir entweder getrennt oder als i gesprochen. Einschränkend muss ich gestehen dass ich weder für Neu- noch für Altgriechisch und schon gar nicht für die Aussprache des Alt-Griechischen Fachmann bin.

Ein Grieche würde also wohl "belai amikoi" mit "belä amiki" aussprechen.

Die Altphilologen können übrigens gar nichts anders tun als das Objekt ihres Studiums (Altgriechisch!) als schön zu preisen. Insofern ist dieses Urteil da nicht ganz vorurteilsfrei. Gilt wohl für jeden Sprachliebhaber Wink

Detlef


Geändert am So Feb 21, 2010 8:10 am von mm22
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Rudolf Fischer
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BeitragVerfasst am: So Feb 21, 2010 11:38 am    Titel: Re: Unterschied zwischen Plansprache und Ethnospache Antworten mit Zitat

mm22 hat Folgendes geschrieben:
@Le blua: Warum soll im Vergleich zu
"Chu vi volas la bluajn auw la rughain rozojn? La bluajn." (Warum nicht La bluojn?)
la bluojn würde 'die Blaus', 'die Blautöne' bedeuten, wäre hier also falsch. La bluajn ist Ellipse (Auslassung) für La bluajn rozojn.
mm22 hat Folgendes geschrieben:
Warum soll die Ido-Form:
Ka vi volas la blua o la reda rozi? Le blua!
häßlich sein.
Nicht die Form, da ist die Schönheit subjektiv. Ich habe von einem hässlichen Webfehler im Sprachsystem gesprochen. Es ist ein Verstoß gegen die Konstruktionsregel von Plansprachen, dass morphologische Kenzeichen für grammatische Kategorien immer an den gleichen Satzgliedern erscheinen sollen.
mm22 hat Folgendes geschrieben:
Überhaupt ist "le" häufig eine elegante Lösung für Pluralprobleme: le sis (die Sechsen), le Mayer (die Mayers)
la sesoj, la Mayer-oj Wo sind da Probleme?
mm22 hat Folgendes geschrieben:
Ein Grieche würde also wohl "belai amikoi" mit "belä amiki" aussprechen.
Ein heutiger Grieche! Und der spricht ja auch keine Plansprache. An Plansprachen, die zur internationalen Kommunikation dienen sollen (im Gegensatz zu Muttersprachen) sind ganz andere Anforderungen zu stellen als an Ethnosprachen.

Noch ein Nachtrag zu "aj" und "oj": Im Latein wurde es "ae" und "oe" geschrieben und wohl "aj" und "oj" ausgesprochen, wie man an "Caesar" => Kaiser sieht. Im Deutschen werden diese Diphthonge auch nicht beanstandet. Sicher kommen sie im Esperanto häufiger vor als in diesen Ethnosprachen. Aber ist das ein Maßstab?

Allgemein kann man wohl argumentieren: "Gibt's in Ethnosprachen, kann also nicht 'unnatürlich' sein." Man kann aber nicht umgekehrt argumentieren: "Machen Ethnosprachen so, deshalb muss es in Plansprachen auch so sein." (Zwang zum Naturalismus)
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Rudolf
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Erik
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BeitragVerfasst am: So Feb 21, 2010 1:17 pm    Titel: Re: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

Lu Wunsch-Rolshoven hat Folgendes geschrieben:

... Die Aussage, "von einer Person steigert sich's leicht", klingt sehr überzeugend, hält aber dem Praxistest nicht stand. Es gibt sehr viele kleine Sprachen, die langsam aussterben - wenn es nur noch einen Sprecher gibt, ist eine Steigerung nicht etwa leicht, sondern wahnsinnig schwierig; ...


Dazu hat haben die United Nations vor kurzem etwas veröffentlicht:

"...The film explores the world’s linguistic diversity, especially in light of the fact that half of the world’s approximately 6,500 languages will disappear by the end of the century – currently, at least one language is disappearing every 14 days..."


Geändert am So Feb 21, 2010 1:20 pm von Erik
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mm22
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BeitragVerfasst am: Mo Feb 22, 2010 8:54 am    Titel: RE: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

Oh,

jetzt müssen wir aufpassen, dass sich die Diskussion nicht unfruchtbar im Kreis bewegt.

"La Meyero, La Meyeroj" ist sicher eher dieser "Konstruktionsregel für Plansprachen" verhaftet, während das Ido "La Meyer vs Le Mayer" hier davon abweicht - mit dem Ziel die Eigennamen als solche erkenntlich zu halten. Man denke zum Beispiel an einen Familiennamen wie Kur. "La Kuro vs La Kuroj" können da leicht mißverstanden werden, während die Ido-Form "La Kur vs le Kur" durch den Verzicht auf das Auszeichnen von Eigennamen mit -o und die Verwendung des "le" eindeutig ist. Oder fish-ero Wink Auch das Befolgen von strengen Regeln schützt nicht vor gelegentlichen Mißverständnissen. Manchmal haben Eigennamen in anderen Sprachen recht peinliche Bedeutungen, ohne das -o für Eigennamen wird das wohl abgemildert. Cxu ne?

Wie schon oben gesagt Ido ist da naturalistischer als Esperanto, dafür vielleicht unlogischer oder positiv formuliert weniger schematisch. Da es keine allgemein gültige und von allen akzeptierte Konstruktionsregel für Plansprachen geben kann, würde ich hier allerdings nicht von einem "Webfehler" sprechen wollen. Regeln müssen beweisbar sein, in der Mathematik ist das machbar, aber in der Plan-Linguistik? Man kann Regeln deswegen trotzdem formulieren, aber eine Abweichung ist kein Fehler sondern eben nur eine Abweichung von eben dieser Regel. Die Philosphie beim Ido ist: "Wir weichen, in seltenen Fällen, von starren Regeln ab wenn es uns sonst größere Leichtigkeit bringt." Deswegen das la, lo und le.

Detlef
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Dirk Bindmann
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BeitragVerfasst am: Mo Feb 22, 2010 3:01 pm    Titel: Re: RE: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

mm22 hat Folgendes geschrieben:
"La Meyero, La Meyeroj" ist sicher eher dieser "Konstruktionsregel für Plansprachen" verhaftet,

Ich weiß nicht, für welche Plansprache diese Regel zutreffen soll. Für Esperanto jedenfalls nicht. Im Esperanto gibt es verschiedene Möglichkeiten, Namen zu gebrauchen, aber das Muster, nach dem das obige Beispiel gebildet wurde, ist völlig unüblich. Insofern beruht deine ganze nachfolgende Argumentation auf einer falschen Voraussetzung.

Auch die Behauptung, Ido sei in dieser Hinsicht naturalistischer als Esperanto, ist falsch. Es gibt Ethnosprachen ("natürliche" Sprachen), die Eigennamen weitaus konsequenter ins eigene grammatische Korsett zwängen als Esperanto. Schau dir zum Beispiel mal Litauisch an. Mit Naturalismus oder Schematismus hat der Namensgebrauch überhaupt nichts zu tun.

Im Esperanto kann man Eigennamen im Prinzip unverändert in ihrer Originalform belassen, wenn einem das sinnvoll erscheint. Man kann Namen auch auf unterschiedliche Weise ins System integrieren. Verbindliche Vorschriften gibt es dazu nicht.
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mm22
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BeitragVerfasst am: Mo Feb 22, 2010 3:33 pm    Titel: RE: Ido oder Esperanto Antworten mit Zitat

Richtig, ist auch im Esperanto unüblich.

Das Beispiel war ja ursprünglich auch nicht von mir. Es ging darum, ob die Pluralbildung mit "Le Meyer" im Ido ein Webfehler des Ido-Sprachsystems sei und "La Mayeroj" die konsistentere Esperanto-Alternative für die Meyers in Pluralform. Das scheint mir nicht gegeben. Ich sehe allerdings im Esperanto keine griffige Alternative zu "la Mayeroj" insofern scheint das Fehlen des Plural-Artikels eine Umschreibung notwendig zu machen oder man muss eben diese unübliche Form benutzen.

Litauische Mädchennamen enden auf Vokalen zumeist mit -a, -e, Jungennamen auf -as. Schematisch wäre es in diesem Fall alle Namen am Ende zum Beispiel mit einem -o auszustatten, weil das eigene, für die Litauer fremde, Sprachsystem es so verlangt. Das war mit diesem Vergleich gemeint. Ido verzichtet völlig auf das -o, Esperanto meistens (s.o.) .
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Esper



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BeitragVerfasst am: Fr Sep 10, 2010 9:50 am    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Fazit: Man muss immer abwegen und ich glaube eine Sprache die es allen recht macht krigt man nicht. Außerdem erklär den Esperanto Muttersprachlern mal dass sie ihre Sprache ändern sollen, mittlerweile ist das ein selbstläufer geworden und die Sprache ist nach all der Zeit zu einer Kultur geworden und das kann man nicht einfach beenden.


Plansprache heißt für mich immer, dass sie jederzeit bewusst veränderbar ist und eben keinen Selbstläufern unterliegt. Ich finde, E-o sollte immer soweit flexibel sein, neue Ideen aufzunehmen und notfalls alte zu verwerfen, wenn das Neue der Idee einer einfachen Plansprache näher kommt. Das mit der Geschlechterbezeichnung ist so eine Sache. Warum nicht ein wenig von den Idos lernen und echte Geschlechterneutralität in die Sprache einführen?
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Helmut
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BeitragVerfasst am: Fr Sep 10, 2010 10:16 am    Titel: Antworten mit Zitat

Die meisten Esperanto-Sprecher sind konservativ, wenn es um mögliche Reformen geht. Denn wenn man einmal mit reformen beginnt stürmen zu viele Leute aus dem gebüsch und kommen mit ihren Vorschlägen an udn dann stellt sich die Frage, wo beginnen und wo enden. Welche Reform akzeptiert man und welche verwirft man. Die "Ido-Krise" hat klar gezeigt, dass Esperanto-Sprecher im Grunde Reformen nicht wünschen. Deswegen ist Ido auch in der Versenkung verschwunden. Die meisten Ido-Sprecher sprechen sowieso auch Esperanto.

Es würde ein Phase der Instabilität eintreten und es wäre für die öffentliche Darstellung des Esperanto verheerend. Denn jetzt kann man Esperanto als ausgereifte Lösung vorstellen. Aber wenn man zu reformieren beginnt, sagt die Öffentlichkeit berechtig "Und wenn ihr mit den Reformen fertig sein, meldet ihr Euch mal wieder"
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Valodnieks
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BeitragVerfasst am: Do Sep 23, 2010 10:06 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Helmut hat Folgendes geschrieben:
Die meisten Esperanto-Sprecher sind konservativ, wenn es um mögliche Reformen geht. Denn wenn man einmal mit reformen beginnt stürmen zu viele Leute aus dem gebüsch und kommen mit ihren Vorschlägen an udn dann stellt sich die Frage, wo beginnen und wo enden. Welche Reform akzeptiert man und welche verwirft man. Die "Ido-Krise" hat klar gezeigt, dass Esperanto-Sprecher im Grunde Reformen nicht wünschen. Deswegen ist Ido auch in der Versenkung verschwunden. Die meisten Ido-Sprecher sprechen sowieso auch Esperanto.

Es würde ein Phase der Instabilität eintreten und es wäre für die öffentliche Darstellung des Esperanto verheerend. Denn jetzt kann man Esperanto als ausgereifte Lösung vorstellen. Aber wenn man zu reformieren beginnt, sagt die Öffentlichkeit berechtig "Und wenn ihr mit den Reformen fertig sein, meldet ihr Euch mal wieder"


Esperanto gilt der Öffentlichkeit aber auch schon lange als gescheitertes Projekt. Frag mal ein paar "normale" Leute, die nix mit Plansprachen am Hut haben. Allerdings sehe ich auch keinen Reformwillen bei Esperanto und ich denke das ist heute wohl auch kein ernsthaftes Thema mehr.

Ido ist längst wieder aus der Versenkung aufgetaucht, nur kann es von der Zahl der Sprecher natürlich nicht mit Esperanto konkurrrieren. Aber gerade das Internet hat Ido und andere Plansprachenprojekte wieder gestärkt.

Nachdem ich Ido gelernt habe, kommt mir Esperanto in vielen Bereichen manchmal sehr umständlich und abstrakt vor. Sicher kommen viele heutige Idosprecher vom Esperanto, aber ich habe noch niemals auf Ido Treffen erlebt, dass Idisten miteinander Esperanto sprechen... Laughing
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Helmut
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BeitragVerfasst am: Fr Sep 24, 2010 7:18 am    Titel: Antworten mit Zitat

Valodnieks hat Folgendes geschrieben:
Allerdings sehe ich auch keinen Reformwillen bei Esperanto und ich denke das ist heute wohl auch kein ernsthaftes Thema mehr.
Das sehe ich auch so.

Zitat:
Ido ist längst wieder aus der Versenkung aufgetaucht, nur kann es von der Zahl der Sprecher natürlich nicht mit Esperanto konkurrrieren. Aber gerade das Internet hat Ido und andere Plansprachenprojekte wieder gestärkt.
Die Anzahl der Esperanto-Sprecher liegt um den Faktor 100-1000 höher als die Anzahl der Ido-Sprecher, um das mal zu quatifizieren. Das Internet bietet Plansprachbefürwortern gute Möglichkeiten.

Zitat:
Sicher kommen viele heutige Idosprecher vom Esperanto, aber ich habe noch niemals auf Ido Treffen erlebt, dass Idisten miteinander Esperanto sprechen... Laughing
Ich habe allerdings auch noch nie gehört, dass sich auf einem Esperanto-Treffen Leute auf Ido unterhalten haben.
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Terrael



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BeitragVerfasst am: Fr März 18, 2011 2:20 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo habe ich das richtig verstanden, dass sich ido und esperanto im grunde garnicht so sehr unterscheiden? Hat jemand Erfahrungen damit, beide Plansprachen simultan zu erlernen? Danke

Windows Tools Gruß Manuel
_________________
world domination inc? (;
http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-02/19236692-apple-verschaerft-kontrolle-ueber-itunes-plattform-016.htm


Geändert am Di Jul 26, 2011 8:10 am von Terrael
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